Todesfall
Filmemacher Hark Bohm stirbt im Alter von 86 Jahren
Archivfoto: Ulrich Perrey/dpa
15.11.2025 / HAMBURG -
Hark Bohm, einer der wichtigsten deutschen Autorenfilmer der Nachkriegszeit, ist tot. Der Regisseur, Autor, Produzent, Schauspieler und Hochschulprofessor starb am Freitag im Alter von 86 Jahren in Hamburg im Kreis seiner Familie. Das sagte seine Tochter der Deutschen Presse-Agentur.
Vor allem dank sozialkritischer Coming-Of-Age-Produktionen wie "Nordsee ist Mordsee" (1976), "Moritz, lieber Moritz" (1978) sowie "Yasemin" (1988), wofür er den Bundesfilmpreis in Gold erhalten hat, schrieb Bohm Kinogeschichte. Mit seinem Schüler Fatih Akin - heute selbst ein Erfolgsregisseur - verfasste er das Drehbuch für dessen international erfolgreiches NSU-Drama "Aus dem Nichts" mit Diane Kruger.
Filmemacher bis fast ganz zum Schluss
2025 machte der zuletzt zurückgezogen lebende Künstler noch einmal Furore, als Akins Film "Amrum", der auf Bohms gleichnamigem autobiografisch inspirierten Roman fußt, auf den Internationalen Filmfestspielen im französischen Cannes umjubelte Weltpremiere feierte - abermals mit Hollywoodstar Kruger im Cast.Akin würdigte seinen Freund und Mentor mit liebevollen Worten. "Mein Freund und Meister Hark Bohm ist von uns gegangen. Der Leuchtturm ist erloschen. Harks Seele atmet in seinem einzigartigen Werk weiter", teilte der Regisseur über seine Managerin der Deutschen Presse-Agentur mit.
Udo Lindenberg zu Bohms Tod: "Ich werde ihm immer dankbar sein."
Udo Lindenberg, der den Soundtrack zu dem Ausreißer-Drama "Nordsee ist Mordsee" geschrieben hatte, sagte, Bohm habe ihm "die Tür zur Filmmusik geöffnet". "Hark war ein genialer Regisseur. Ich werde ihm immer dankbar sein." Bohm sei ein Pionier gewesen. "Er ist vor uns gegangen, und irgendwann folgen wir ihm nach." Bohm und Lindenberg sind als Schauspieler zudem zusammen in "Panische Zeiten" (1980) zu sehen.Der Mann mit dem wettergegerbten Gesicht bleibt auch als markanter Darsteller von Klein- und Nebenrollen in Erinnerung. Mehrfach arbeitete er mit Regielegende Rainer Werner Fassbinder zusammen ("Die Ehe der Maria Braun", 1978). Auch in Bernhard Wickis Joseph-Roth-Adaption "Das Spinnennetz" (1989) und in Helmut Dietls Hitler-Tagebücher-Farce "Schtonk!" (1992) sah man ihn. Mit seiner Frau, der Produzentin Natalia Bowakow, hatte der nach eigenen Worten begeisterte Vater Bohm vier Adoptivkinder - darunter den Schauspieler Uwe Bohm (1962-2022) - sowie zwei Pflegekinder. (dpa) +++