Pfarrer zutiefst betroffen
Politischer Farbanschlag erschüttert Kirchengemeinde: "Jesus was not white"
Fotos: Privat
15.11.2025 / HOMBERG (OHM) -
Ein sonst friedlicher Stadtteil steht unter Schock! Unbekannte haben Wände, Altarabdeckung sowie ein Kruzifix in der evangelischen Kirche in Homberg-Dannenrod (Vogelsbergkreis) mit Farbe beschmiert. Dabei hinterließen die Täter politische Parolen wie "Jesus was not white" und "Free Palästina". Der Sachschaden wird auf einen fünfstelligen Betrag geschätzt. Die Tat verursacht nicht nur materielle Schäden, sondern hinterlässt auch tiefe emotionale Wunden. Nun wird Pfarrer Ingmar Bartsch gegenüber OSTHESSEN|NEWS deutlich.
Pfarrer Bartsch, Seelsorger für die Region Homberg, Appenrod, Maulbach, Dannenrod und Erbenhausen, beschreibt den Vorfall als einen harten Einschnitt für die Gemeinde: "Es ist eine schwere Verletzung eines Kirchenraumes. Man sieht die Spuren sehr deutlich. Dieser Schaden ist sofort sichtbar. Das tut natürlich sehr weh." Besonders betroffen macht ihn die Tatsache, dass es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, das für viele Menschen ein Ort der Identifikation ist. "Es ist ein hoher emotionaler Schaden entstanden, der eigentlich nicht bezahlbar ist", betont Bartsch die Dimension.
Ein Angriff auf die Kirchengemeinde
Die Hintergründe der Tat sind bisher unklar, die politischen Parolen deuten jedoch auf eine gezielte Botschaft hin. "Mich macht das wütend – ich bin ratlos", sagt Bartsch. Zugleich ruft er zu Besonnenheit auf: "Gerade in unserer heutigen Gesellschaft verurteilen wir schnell. Ich wünsche mir, dass wir keine Vorverurteilung machen."Der Vorfall trifft die Kirchengemeinde hart, auch weil Ehrenamtliche in besonderer Weise betroffen sind. "Es trifft engagierte Menschen, die sich täglich für ihre Kirchengemeinde einsetzen. Es tut mir für den gesamten Kirchenkreis leid."
Bleibt die Kirche nachts geschlossen?
Angesichts der Beschädigungen stellt sich für die Gemeinde auch die Frage der Öffnungszeiten. Pfarrer Ingmar Bartsch macht deutlich, dass derzeit überlegt wird, ob die Kirche - die eigentlich rund um die Uhr geöffnet ist - künftig nachts geschlossen werden sollte. Gleichzeitig betont er, dass die Türen nicht dauerhaft verschlossen werden sollen: "Wir können weiter Gottesdienste feiern – auch wenn die Verletzungen sichtbar bleiben."Irreversible Schäden
Die Verantwortlichen der evangelischen Kirchengemeinde prüfen derzeit, wie und ob der Schaden behoben werden kann. Pfarrer Bartsch erklärt: "Jetzt muss erstmal geschaut werden, ob es abwaschbar ist." Besonders problematisch ist das beschädigte Kruzifix, das als einzigartiges Kunstwerk nicht einfach ersetzt werden kann.In enger Abstimmung mit dem Architekten werden Möglichkeiten erörtert, um die Wände, die Altarabdeckung und das Kruzifix fachgerecht zu reinigen, ohne den denkmalgeschützten Charakter der Kirche zu gefährden.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung aufgenommen. "Wir sind jetzt bei der Polizei in guten Händen", betont Bartsch. "Diese macht ohnehin eine sehr gute Arbeit. Wir hoffen auf einen schnellen Ermittlungserfolg." Für Pfarrer Bartsch und die Gläubigen bleibt die Kirche trotz der Schmierereien ein Ort der Gemeinschaft und des Glaubens, den politische Botschaften nicht zerstören können.Am Ende fällt auch ein bestimmter Schriftzug im Innenraum auf: "Schweinsberg represent". Ob der rund fünf Kilometer entfernte Stadtteil von Stadtallendorf in Verbindung mit der Tat steht, bleibt Gegenstand der Ermittlungen. (Constantin von Butler) +++