Infotag Demenz am Herz-Jesu-Krankenhaus
Plötzlich alt und dement: Simulation lässt Demenz erleben
Fotos: Melanie B. Weber
15.11.2025 / FULDA - Die Gelenke sind blockiert, jede Bewegung ist anstrengend, Gewichte an Hand- und Fußgelenken machen den Körper schwer. Die Brille mit dem schwarzen, breiten Rahmen schränkt das Sichtfeld ein, die kleinen verbleibenden Fenster zeigen nur ein verschwommenes Bild der Umgebung mit starkem Gelbstich. Ein Gehstock hilft, nicht gegen jede Wand zu laufen.
"Es ist wirklich schwer, sich zu bewegen. Ein paar Meter Gehen ist richtig anstrengend", fasst eine Besucherin ihre Erfahrung mit dem Alterssimulationsequipment zusammen. Handschuhe, die leichte Stromimpulse abgeben, simulieren Tremor. Dicke Handschuhe und Sicht über Spiegel lassen erahnen, wie schwer es ist, mit motorischen Einschränkungen Lebensmittel auf einen Teller zu balancieren.
Respekt vor dem Alter – und den Mitmenschen
"Wir brauchen mehr Respekt vor Menschen, die mit altersbedingten Einschränkungen im Alltag klarkommen müssen. Ob an der Supermarktkasse oder im Bus: Wenn jemand langsam ist, orientierungslos und unsicher wirkt, Dinge vergisst – könnte das altersbedingt sein? Könnte der Mensch an Demenz leiden? Wir brauchen in der Gesellschaft viel mehr Respekt und Verständnis!" fordert eine Sprecherin der Kreativarbeitsgruppe, die in den letzten Monaten Plakate entworfen hat. Die Plakate thematisieren verschiedene Probleme, die mit Demenzerkrankungen einhergehen können – und werden bald in Kaufhäusern, Supermärkten, Bussen und Bahnen hängen. Wie auch der Demenzparcours mit Alterssimulation sollen sie aufklären und Verständnis für Menschen mit Einschränkungen schaffen. Das ist wichtig, denn aktuell sind zwölf Prozent der Menschen im Landkreis über 75 Jahre alt, Tendenz steigend. Und ab dem 75. Lebensjahr steigt das Risiko, an einer Demenz zu erkranken.Erkrankung verlangsamen, Technik nutzen, für Notfälle vorsorgen
Um 15:00 Uhr stellte Elisabeth Fries, Ergo- und Schlucktherapeutin am Herz-Jesu-Krankenhaus, im Vortrag "Förderung und Erhalt der Kognition" ergotherapeutische Angebote für Menschen mit Demenz vor. Dass Förderung alleine den Alltag noch nicht erleichtert, ist allen Vortragenden klar – deshalb ergänzte die hessische Fachstelle Wohnberatung das Vortragsprogramm mit einer Übersicht über die Möglichkeiten hilfreicher Technik und Beratungsangebote im Bereich Technik und Wohnen."Der Hausarzt ist die erste Anlaufstelle, wenn Menschen merken, dass etwas nicht in Ordnung ist", erklärt Christina Marg, "Die Diagnose Demenz darf der Hausarzt stellen. Aber er kann auch weiterverweisen, beispielsweise an die Neurologie. Für eine medikamentöse Behandlung ist das zwingend. Aber was Fördermöglichkeiten, Alltagshilfe, Pflege und finanzielle Unterstützung angeht, sind alle Mitglieder des Pflegeforums Ansprechpartner. Niemand ist mit dem Thema alleine. Die Sozialverbände beraten und unterstützen genauso wie die Pflegedienste!"
Demenzforum Fulda klärt auf, hilft, vernetzt
Der Infotag Demenz fand in der Vergangenheit unregelmäßig statt, aber das soll sich ändern. "Wir werden nächstes Jahr eine Vortragsreihe zum Thema Demenzprävention halten", verrät Christina Marg, hauptverantwortlich für die Organisation des Pflegeforums. Und auch einen Infotag Demenz soll es künftig regelmäßig geben. "Es wäre natürlich ein Traum, wenn der wieder im Herz-Jesu-Krankenhaus stattfinden könnte. Das Foyer mit Messeständen und der Gelegenheit zu Gesprächen, die Cafeteria als ruhiger, in sich geschlossener Vortragsraum – das ist ideal!"Wirtschaftsfaktor Demenz
Das Lebensalter gilt als Hauptrisikofaktor einer Demenzerkrankung. Während das Risiko einer Erkrankung bei 65- bis 70-Jährigen noch bei unter drei Prozent liegt, steigt es bei 85-Jährigen auf etwa 20 Prozent und bei 90-Jährigen sogar auf über 30 Prozent. Damit ist klar: Da der Anteil älterer und alter Menschen in der Bevölkerung steigt, steigt auch der Zahl der von Demenz Betroffenen. Auch wenn Prävention möglich ist, werden künftig immer mehr Menschen von Demenzerkrankungen betroffen sein."Was würden Sie sich mit Blick auf das Thema Demenz und den heutigen Tag von der Politik wünschen?"