"Ein Herzensprojekt"
Investoren und Träger unterzeichnen Mietvertrag für stationäres Hospiz
Fotos: Sabine Galle-Schäfer
13.11.2025 / ALSFELD -
Ein wichtiger Schritt! Lange Zeit war der Vogelsberg ein weißer Fleck in der stationären Versorgung unheilbarkranker Menschen, deren Leben zu Ende geht - nun wurde der erste Meilenstein in Richtung stationäres Hospiz im Vogelsberg gesetzt: Vor wenigen Tagen unterschrieben im Amtszimmer von Landrat Dr. Jens Mischak Investoren und Träger den Mietvertrag für das "Haus Lichtermeer – Unser AWO-Hospiz im Vogelsberg".
"Was lange währt, wird endlich gut" – mit diesem Satz begrüßte der Landrat eine hocherfreute Runde zu dem formellen Auftakt einer neuen Ära in der Palliativversorgung des Kreises. Neben dem Investor, Ralf Bohn von der Carus Holding GmbH, und den AWO-Hessen-Süd-Vertretern Ulrich Bauch (Geschäftsführer), Hans-Jürgen Herbst (Bezirksvorstand und Kreisverband Vogelsberg) und Linda Sartor (Projektleiterin) waren zu dem Termin auch die beiden Architekten Stefan Strack und Karsten Schmidt erschienen. Dr. Norbert Sehn, Vogelsberger Palliativmediziner sowie Dr. Sigrid Stahl und Susanne Botthof-Schlitt von der Fachstelle Gesundheitliche Versorgung im Vogelsbergkreis vertraten den gesundheitlichen Bereich. Die letzten drei Genannten waren neben Tanja Bohn, die die Lichtermeerstiftung vertrat, intensiv in die Vorplanungen für ein stationäres Hospiz eingebunden.
"Eine gute Nachricht für die Menschen im Vogelsberg"
Der Landrat ließ in seiner Begrüßung die Stationen bis zu diesem Tag Revue passieren und dankte seinem Vorgänger Manfred Görig für dessen Engagement in diesem Thema, das bereits 2015 seinen Anfang nahm. Von einem ersten Arbeitskreis über die Bildung eines Fachausschusses bis zur Einsetzung einer Palliativkoordinatorin und der Gründung des Hospiz- und Palliativnetzwerks berichtete Mischak; parallel dazu starteten bereits 2017 erste Versuche, einen Investor, einen Träger und einen Ort für ein stationäres Hospiz zu finden.2021 begann man mit der Konzepterstellung, zeitgleich kam mit der Gründung der Vogelsberger Hospiz- und Palliativstiftung Lichtermeer ein sehr engagierter Akteur hinzu, dessen "erklärtes Ziel von Anfang die Errichtung eines stationären Hospizes im Vogelsberg war", wie Stiftungsratsvorsitzende Tanja Bohn später noch sagen würde. Seit 2022 wurden die Aktivitäten des Vogelsbergkreises, der Stiftung, der Investoren und auch des hinzugezogenen Architekturbüros Schmidt & Strack konkreter. Mit der AWO Hessen-Süd konnte ein Träger gefunden werde und nun konnte am 10. November der offizielle Start bekanntgegeben werden: "Die wohnortnahe Hospizversorgung ist eine gute Nachricht für die Menschen im Vogelsberg", freute sich Landrat Mischak mit den Anwesenden, "ein großer Schritt in der Pflege- und Versorgungslandschaft."
Gelungene Zusammenarbeit und viel Herzblut
Konzept sei guter Ansatz
Ulrich Bauch betonte, dass es wichtig sei, in der Region und vor Ort gerade mit einem Projekt wie einem Hospiz willkommen zu sein. Dieses Gefühl habe er von Anfang verspürt und die Trägerschaft der AWO auch gegen erste Bedenken vorangebracht. Die Kontakte zu den Investoren hätten ihn davon überzeugt, dass das Hospiz gewollt ist. Auch das Konzept, die Patienten in dem Haus Lichtermeer als Gäste zu behandeln, ihnen "die Regie über ihr Leben zurückzugeben", sei ein sehr guter Ansatz. Sein Lob galt auch den Architekten: Sie hätten den Gedanken eines Hospizes sehr gut umgesetzt. Bauch freute sich, dass es gelingen werde, ein großzügigeres Haus zu haben, als es sonst üblich ist. Mit Blick auf die Refinanzierung betonte er, dass ein Hospiz, das per Gesetz fünf Prozent seines Bedarfs durch Spenden einspielen müsse, für den Träger ein größeres Risiko darstelle. "Dieses Risiko können wir hier guten Gewissens eingehen", zeigte sich der AWO-Geschäftsführer überzeugt.Ein Meilenstein
"Dies ist ein großer Tag, ein Meilenstein." Dr. Norbert Sehn war die Freude über den Start des Vogelsberger Hospizes deutlich anzusehen. 2007 habe sich die Frage nach einem stationären Hospiz in der Region erstmals gestellt. "Der ländliche Raum muss versorgungssicher bleiben – mit diesem Hospiz gehen wir einen bedeutenden Schritt", sagte er. Es sei wichtig, in der letzten Lebensphase menschlich und medizinisch gut versorgt zu sein. Auch für ihn spielten vertrauensvolle Kooperationen hier eine große Rolle. Mit Blick auf die sinnvolle Arbeit in einem Hospiz wagte er die Prognose, dass man bis zur geplanten Eröffnung Anfang, Mitte 2027 sicherlich qualifiziertes und begeistertes Fachpersonal finden können.Zum Abschluss der Runde stellte Karsten Schmidt das Objekt vor, das in Alsfeld in der Straße Am Lieden entstehen soll: Die Räume für acht Gäste auf dem denkmalgeschützten Areal sollen Hotelcharakter haben, es soll eine Terrasse, einen Teich und Gemeinschaftsräume geben. An die Bedürfnisse von Menschen, die vom Bett aus ins Freie wollen, ist gedacht, auch an die verkehrsgünstige Lage sowohl mit Blick auf den Bahnhof als auch den kurzen Weg zum Marktplatz. Man sei zuversichtlich, so Schmidt, dass die Formalitäten nun zügig erledigt würden, sodass schon "ab dem kommenden Frühjahr mit lebhafter Bautätigkeit am Lieden zu rechnen sein wird." (js/pm)+++