Einstimmiges Signal
Kreistag ruft nach Finanzreform: Resolution zur Rettung der Kommunen
Symbolbild: Pixabay
11.11.2025 / BAD HERSFELD -
Selten war sich der Kreistag Hersfeld-Rotenburg so einig wie am Montagnachmittag: Einstimmig votierten die Fraktionen für die Resolution der SPD, die eine gerechtere Finanzausstattung der Kommunen fordert. Der Beschluss richtet sich an die Bundesregierung - und soll ein klares Signal senden: Die Kommunen dürfen nicht länger die finanziellen Versäumnisse von Land und Bund ausgleichen.
"Eine verlässliche Versorgung und ein starkes Miteinander sind die Grundlage unserer Demokratie", heißt es in dem von SPD-Fraktionschef Manfred Fehr vorgelegten Antrag. Der Text fordert nichts weniger als eine umfassende Finanzreform, die Landkreisen, Städten und Gemeinden wieder mehr Handlungsspielraum ermöglicht.
Ein Hilferuf an Wiesbaden und Berlin
Die SPD-Fraktion machte in ihrem Antrag deutlich, dass die kommunale Selbstverwaltung zunehmend unter Druck steht. "Die bisherigen Finanz- und Aufgabenregelungen durch Land und Bund führen zu Kosten und Ausgaben beim Landkreis, die durch die Gesetzgeber nicht gedeckt werden", heißt es dort. Das Konnexitätsprinzip - also der Grundsatz "Wer bestellt, bezahlt" - müsse endlich umgesetzt werden.Konkret fordert die SPD eine Neuordnung der Gemeinschaftssteuern, mehr Planungssicherheit, den Abbau bürokratischer Hürden und eine faire Beteiligung der Kommunen am Bundes-Sondervermögen. Auch eine Reform des Kommunalen Finanzausgleichs sei überfällig. Nur so könnten die Landkreise ihre sozialen Aufgaben erfüllen, Investitionen tätigen und gleichzeitig handlungsfähig bleiben.
Seltene Einigkeit über Parteigrenzen hinweg
Selbst die politischen Lager, die sonst häufig gegeneinander argumentieren, fanden bei diesem Thema klare gemeinsame Worte. Martina Selzer von den Grünen betonte: "Die Lage für die kommunalen Haushalte ist extrem bedrohlich. Es ist gut, dass es parteiübergreifenden Protest gegen die Verteilung der Fördergelder gibt." Kommunale Notlage im Fokus
Der gemeinsame Beschluss verdeutlicht, wie ernst die Situation im Landkreis Hersfeld-Rotenburg derzeit ist. Erst wenige Stunden zuvor hatte Landrat Torsten Warnecke den Haushaltsentwurf für 2026 vorgestellt - mit einem Defizit von fast 45 Millionen Euro. Große Posten wie das defizitäre Klinikum, steigende Sozialausgaben und sinkende Schlüsselzuweisungen lassen kaum Spielraum für Investitionen.Die SPD-Resolution knüpft genau an diese Problematik an: Sie fordert vom Land, die besonderen Belastungen durch Kliniken, Kinderbetreuung und Jugendhilfe stärker zu berücksichtigen - und den Kommunen mehr Freiheit bei der Haushaltsgenehmigung zu gewähren. (Constantin von Butler) +++