Gedenkfeier 36 Jahre nach Grenzöffnung
Poseck: "Die Brücke der Einheit steht für Zusammenhalt und offene Grenzen"
Fotos: Philipp Apel
10.11.2025 / PHILIPPSTHAL (W.) -
Am Sonntagnachmittag kamen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Zeitzeugen sowie Vertreter aus Politik, Kultur und Gesellschaft zusammen, um an die Öffnung der innerdeutschen Grenze zwischen Philippsthal (Hessen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und Vacha (Thüringen) am 12. November 1989 zu erinnern. Nur drei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer schrieb auch dieser Ort Geschichte: Aus einem streng bewachten Sperrriegel wurde ein offener Übergang, aus einem Kontrollpunkt ein lebendiger Treffpunkt.
Innenminister Roman Poseck (CDU) führte in der Feierstunde anlässlich der Grenzöffnung aus: "Die friedliche Revolution und die deutsche Einheit sind ein Glücksfall der deutschen Geschichte, der zeigt, dass sich der Einsatz für unsere demokratischen Werte lohnt. Fast 30 Jahre lang wurden Ost- und Westdeutschland durch eine Mauer aus Beton und Stacheldraht getrennt. Am 9. November 1989 wurden die Bürger der ehemaligen DDR für ihren Mut und ihren Einsatz für Freiheit und Demokratie belohnt. Auch hier in Philippsthal bewegte dieser Tag die Menschen auf beiden Seiten. Viele von den hier Anwesenden erinnern sich an das Drängen auf beiden Seiten, an die Umarmungen, an die Tränen und an das Staunen darüber, wie schnell das Unmögliche möglich wurde. Dieser Ort erzählt vom Mut der Menschen, die Grenzen überwanden – nicht nur aus Beton, sondern auch in den Köpfen. Eine ganz besondere Geschichte verbindet die Werrabrücke: Entlang der alten Handelsroute "Via Regia" verband sie über Jahrhunderte hinweg Menschen und Märkte. Nach 1945 wurde sie zur unpassierbaren Nahtstelle zweier Systeme, ehe sie am 12. November 1989 wieder zur Lebensader wurde. Seit 1990 trägt die Werrabrücke den Namen "Brücke der Einheit".
Brücke als Zeichen der gemeinsamen Zukunft
Diese Brücke steht für eine gemeinsame Vergangenheit und für eine gemeinsame Zukunft. Heute symbolisiert sie offene Grenzen und zeigt, dass Zusammenhalt stärker ist als Trennung. Die Grenzöffnung war nicht nur ein politischer Moment, sondern ein Akt der Bürgerschaft. Innerhalb weniger Stunden wurden Barrieren abgebaut, Rathäuser und Banken öffneten am Sonntag, Geschäfte nahmen die Arbeit wieder auf. Auch das Grenzmuseum Philippsthal, getragen vom Engagement der Menschen vor Ort, bewahrt diesen Geist bis heute.Philippsthal hat gezeigt, was Verantwortung bedeutet. Der historische Moment wurde erkannt und die Menschen haben gehandelt. Dieser Mut erinnert uns daran, wie wichtig bürgerschaftliches Engagement für unsere Demokratie ist.
Grenzmuseum Philippsthal
Wer die Geschichte dieser Grenze und auch ihrer Opfer verstehen will, findet in Philippsthal mit dem Grenzmuseum einen Erinnerungsort, der Erinnerungsort und Mahnung zugleich ist und der auch von bürgerschaftlichem Engagement getragen wird. Es bewahrt Exponate, zeigt Filme und zeichnet auf Bildtafeln die Öffnung von 1989 nach.Bis 1979 befand sich die Informationsstelle in einer Baracke, die von 1951 bis zur Schließung der Grenze im Mai 1952 als Grenzkontrollstelle gedient hatte. 1979 zog sie in großzügigere Räume im Torbogenhaus des Philippsthaler Schlosses um, wo sich das Museum heute befindet.