Eine Analyse von Moritz Pappert
Parteien unter Druck: Warum der Trend zu parteilosen Rathauschefs schadet
Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann
22.11.2025 / FULDA -
Aus der einstigen CDU-Hochburg Fulda wird immer mehr ein Flickenteppich - und eine parteilose Landschaft. Wo früher ein Christdemokrat als Rathauschef noch fest im Sattel saß, wird es mittlerweile immer schwerer, das Bürgermeisteramt zu besetzen. Das gilt aber nicht nur für die CDU, sondern für alle Parteien. Nach dem Austritt von Florian Fritzsch aus der SPD gibt es nun keinen einzigen SPD-Bürgermeister mehr im Landkreis Fulda. Aber was hat sich hier gewandelt? Warum gibt es immer mehr Bürgermeister ohne Parteizugehörigkeit?
Blicken wir 25 Jahre zurück. Bernd Woide (CDU) ist damals Bürgermeister in Fulda, der damalige Oberbürgermeister heißt Dr. Alois Riehl (CDU). Im Landkreis Fulda regieren zu dieser Zeit 14 CDU-Bürgermeister. Der Rest ist zum Großteil in SPD-Hand.
Es geht in Gemeindeparlamenten eben auch um Mehrheiten. Mit dem Rückhalt einer Partei hat man es als Bürgermeister einfacher, seine Ideen und Vorstellungen für die Kommune umzusetzen. Als Parteiloser wird es also immer schwer bleiben, Mehrheiten zu finden. Auf der anderen Seite geht es aber auch um Sach- statt Parteipolitik in den kommunalen Parlamenten. Die Gemeindevertreter und Stadtverordneten handeln (oder sollten es zumindest) in der Realität weniger nach parteipolitischen Hintergründen. Ihr Fokus liegt darauf, was die Kommune weiterbringt.
Fakt ist aber auch: Wenn in einer Gemeinde ein CDU-Bürgermeister gut regiert, entscheidet man sich auch bei anderen Wahlen eher für die Partei, mit der man ja schon gute Erfahrungen gemacht hat. Bei schlechten Erfahrungen und Unzufriedenheit mit dem eigenen Bürgermeister wirkt sich dies dementsprechend allerdings genauso aus. Deshalb sind gute Bürgermeister wie starke Marken - man vertraut ihnen und ihrer Partei.
Aber am Ende ist und bleibt eine Bürgermeisterwahl eine Persönlichkeitswahl.
Aber gerade hier ist auch die Partei am Zug, um den Kandidaten bestmöglich zu coachen. Die meisten Kandidaten waren zwar schon im Gemeindeparlament und in der Wirtschaft aktiv. Wie sie sich der Öffentlichkeit aber darstellen müssen - davon haben einige eben keine Ahnung. Und das merkt man mitunter. Die Wähler merken schnell, ob jemand antritt, um die Gemeinde nach vorne zu bringen oder nur, um Bürgermeister werden zu wollen.
Was dagegen aber hilft: authentisch bleiben, zu seiner Person und auch seinen Defiziten stehen und glaubhaft rausstellen, warum man der beste Kandidat für seine Kommune ist. Und am besten schon vorher zeigen, dass man wirklich für seine Gemeinde brennt, nicht erst kurz vor der Wahl. Das gilt für alle Kandidaten jeglicher Parteien. Dann hat man eine echte Chance auf den Rathaus-Chefsessel. (Moritz Pappert) +++