Erinnerungskultur bewahren
Bundesverdienstkreuz für Heidi Rössing (89): Leid der Juden lässt sie nicht los
Fotos: Hans-Hubertus Braune
25.10.2025 / NIEDERAULA - Große Ehre für eine verdiente Bürgerin der Marktgemeinde Niederaula: Heidi Rössing (89) erhielt am Donnerstagabend das Bundesverdienstkreuz für ihr Lebenswerk am Bande.
"Es gab im Ort seit 1503 eine jüdische Gemeinde, die aber nun nicht mehr existierte. Mir wurde bewusst, dass die eigens zur Tötung hergestellten Vernichtungslager der SS auch einen Bezug zu unserem Dorf gehabt haben. Zu dem Dorf, in dem ich geboren wurde und groß geworden bin. So fand ich alsbald heraus, dass auch viele Juden, ja komplette jüdische Familien von Niederaula deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden", sagt Heidi Rössing.
Dieser Nachweis habe sie erschüttert und nicht mehr losgelassen. "Deshalb forschte ich weiter und fand in verschiedenen Archiven über 100 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Niederaula, die den Holocaust nicht überlebt haben", sagte die heute 89-Jährige nach wie vor hochengagierte Bürgerin während einer Feierstunde am Mittwochabend im evangelischen Gemeindesaal ihres Heimatdorfes.
Jahrzehntelanger Einsatz für die Erinnerungsarbeit
Heidi Rößing hat sich in außergewöhnlicher Weise um ihre Heimatgemeinde Niederaula und den gesellschaftlichen Zusammenhalt verdient gemacht. Besonders hervorzuheben ist ihr jahrzehntelanger Einsatz für die Erinnerungsarbeit zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Niederaula. Seit den 1980er Jahren engagiert sie sich unermüdlich in der Erforschung, Dokumentation und Vermittlung dieses wichtigen Kapitels der Ortsgeschichte.Neben ihrer Erinnerungsarbeit engagiert sich Heidi Rößing seit über 40 Jahren im Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Niederaula, in dem sie auch als Protokollantin tätig war. Für ihr 50-jähriges aktives Singen im Kirchenchor wurde sie 2022 geehrt. Auch bei ökumenischen Projekten wie dem Ökumenischen Bastelkreis bringt sie sich seit vielen Jahren ein.
Bürgermeister dankt für das vorbildliche Engagement
Mit der Verleihung des Verdienstordens am Bande wird das langjährige, unermüdliche und beispielgebende Wirken von Heidi Rößing für das Gemeinwohl gewürdigt. Zu den ersten Gratulanten zählten neben vielen Weggefährten auch Bürgermeister Thomas Rohrbach. Er dankte Rössing für Engagement und ihre Mitarbeit, etwa bei der Erstellung der Ortschronik oder Stolpersteinverlegung. Er wünschte Rössing weiterhin viel Gesundheit und Schaffenskraft und freut sich, wenn sie auch bei den kommenden Aufgaben mithelfen kann.