Armutswochen decken auf
Caritas schlägt Alarm: Sozialberatung droht ohne staatliche Hilfe zu kollabieren
Foto: Holger Franz/Caritas Fulda
23.10.2025 / FULDA -
Unter dem eindringlichen Motto "Türen offen halten: Allgemeine Sozialberatung sichern" stehen in diesem Jahr die bundesweiten Armutswochen, die noch bis zum 16. November laufen. Sie rücken einen zentralen, aber zunehmend gefährdeten Beratungsdienst in den Fokus: die Allgemeine Sozialberatung. Getragen wird die Aktion von Caritas, SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) und SkM (Sozialdienst katholischer Männer).
Diözesancaritasdirektor Dr. Markus Juch warnt eindringlich: "Die Zukunft der Allgemeinen Sozialberatung hängt von einer auskömmlichen Finanzierung ab. Es braucht neben Kirchenmitteln eine planbare Kofinanzierung durch Kommunen und Länder. Damit können vor Ort individuelle Möglichkeiten gefunden werden, um diesen wichtigen Dienst aufrecht zu erhalten."
Steigende Nachfrage trifft auf fehlende Mittel
Die Allgemeine Sozialberatung ist oft die erste und einzige Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Lebenslagen – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Alter. Im Erstgespräch analysieren die Berater die Problemlage, lösen akute Krisen und vermitteln bei Bedarf an spezialisierte Hilfen weiter. Besonders gefragt ist Unterstützung im Antragswesen und bei digitalen Hürden, die für viele Betroffene kaum zu bewältigen sind.Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut Statistischem Bundesamt waren 2024 rund 20,9 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht – das entspricht 17,6 Millionen Menschen. Damit wächst auch die Zahl derer, die auf die Beratungsstellen angewiesen sind.
Eröffnung in Mainz zeigt alarmierende Ergebnisse
Bei der Eröffnung der Armutswochen in Mainz, an der auch Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa teilnahm, wurden aktuelle Daten der bundesweiten Stichtagserhebung 2025 vorgestellt. Holger Franz, Leiter der Stabsstelle Sozialpolitik beim Diözesancaritasverband Fulda, berichtet:Diese Zahlen verdeutlichen, wie zentral der Dienst für den gesellschaftlichen Zusammenhalt geworden ist – und wie verheerend seine Schwächung wäre.
Caritas schlägt Alarm: Ohne staatliche Hilfe droht das Aus
Trotz der Bedeutung des Angebots ist die Finanzierung prekär. Nach einer aktuellen Umfrage stammen 80 Prozent der Mittel aus Kirchen- und Eigenmitteln der Träger. Ganze 23 Prozent finanzieren ihre Beratungsstellen ausschließlich auf diesem Weg – ohne jegliche öffentliche Unterstützung. Nur 5 Prozent der Träger erhalten eine hohe kommunale Förderung.Ein gesetzlicher Anspruch auf staatliche Refinanzierung existiert bislang nicht. "In unseren Regionalcaritasverbänden Fulda-Geisa, Hanau, Kassel und Marburg schauen wir seit Jahren besorgt auf die Allgemeine Sozialberatung. Immer wieder stehen wir vor der Frage, wie wir dieses Angebot finanziell sichern können, da es uns sehr am Herzen liegt. Wir wollen weiterhin die Türen für unser Klientel offen halten", erklärt Dr. Juch weiter.
Hintergrund: Die Armutswochen
Die Armutswochen werden jährlich vom Deutschen Caritasverband, dem SkF Gesamtverein und dem SKM Bundesverband ausgerufen. Sie beginnen traditionell am 17. Oktober, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, und enden am 16. November, dem vom Papst eingeführten Welttag der Armen.In zahlreichen Ortsverbänden bundesweit finden in diesem Zeitraum Veranstaltungen, Aktionen und Informationskampagnen statt. Ziel ist es, auf die zunehmende soziale Not aufmerksam zu machen – und darauf, dass viele Hilfestrukturen ohne öffentliche Unterstützung bald nicht mehr existieren könnten. (pm/cb) +++
Foto: Ann-Katrin Jehn/Caritas Fulda