Moritz Pappert zur emotionalen Debatte

Merz Aussage zur Angst im "Stadtbild" – und was sie mit Integration zu tun hat

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sorgte mit seiner Aussage für Kritik
Archivfotos: ON

24.10.2025 / KOMMENTAR - Der Unions-Bundeskanzler Friedrich Merz sorgt mit seiner Aussage über das "Stadtbild" für Kritik. Er sprach im Zusammenhang mit Migration von einem Problem im "Stadtbild". Der Kanzler verteidigte seine Aussage später mit: "Fragen Sie mal Ihre Töchter". Die Städte und Stadtbilder in Deutschland sind verschieden - dementsprechend gehen auch die Meinungen stark auseinander. Doch Problem ist die Integration, nicht die Migration.



Fakt ist: Die Gewaltkriminalität in Deutschland hat sich laut der letzten Polizeilichen Kriminalstatistik erhöht - auf einen Rekordwert von 217.277 Straftaten. 29.014 Straftaten wurden 2024 als "Messerangriff" erfasst. In 15.741 Fällen wurden tatsächlich Messer als Waffe eingesetzt. Zum Vergleich: 2023 waren das nur knapp 9.000 Fälle. In Osthessen gab es im vergangenen Jahr 51 Fälle, in denen ein Messer als Tatmittel eingesetzt wurde. 2023 waren es 37 Fälle.

Doch es ging Merz bei seiner Aussage nicht alleine um Messerangriffe. Er nahm besonders die "Töchter" in den Blick, die sich laut ihm nicht mehr sicher in Deutschlands Städten fühlen. Und es stimmt - der nächtliche Spaziergang durch viele unserer Großstädte wird gefühlt immer unsicherer. Wer mal nach 22 Uhr durch Berlin, Frankfurt oder Köln gelaufen ist, der wird Merzs Aussage sicher verstehen. Das Stadtbild hat sich dort definitiv gewandelt.

Das Stadtbild hat sich gewandelt

Verstehen kann man aber auch die Kritiker. Die, die sich sicher in Deutschlands Städten fühlen. Gerade in unserem beschaulichen Osthessen, auf dem Dorf oder in ländlich geprägten Städten wie Fulda, Lauterbach oder Rotenburg an der Fulda fühlen wir uns noch sicher. Noch. Denn auch hier merkt man, dass sich etwas ändert.

Besonders auf Bahnhofsvorplätze oder Parks nimmt das Sicherheitsgefühl in unserer Region ab. Und genau da liegt das Problem. Es liegt nämlich oft nicht alleine an der Staatsangehörigkeit der Menschen in unserem "Stadtbild", sondern an der Gruppenbildung. "Nicht die Staatsangehörigkeit, sondern die sozialen Gegebenheiten sind bei der Wahrscheinlichkeit der Straffälligkeit entscheidend", erklärte schon Osthessens Polizeipräsident Michael Tegethoff bei der Vorstellung der Kriminalstatistik im März 2025. Er hat das Problem erkannt.

Das Problem ist die Integration, nicht die Migration

Und genau hier liegt der Zusammenhang. Migranten, die hier in Deutschland nicht gut integriert werden können, suchen sich Gleichgesinnte - eben Menschen, die ihre Sprache sprechen und dieselbe Kultur haben. Das ist absolut nachvollziehbar und würden wir in einem fremden Land sicher genauso machen. Wenn man in Deutschland nicht gut genug integriert wird, dann hängt man eben eher am Bahnhof, als am Fußballplatz oder im Verein ab. Ihnen fehlt es an einer Perspektive, einer interkulturellen Gemeinschaft und einer Aufgabe.

Und das verändert das Stadtbild. Von Fulda bis Berlin. Wir spüren hier zwar nur erste Anzeichen, ein frühes Gegensteuern ist aber der richtige Weg. Damit lässt sich sagen, dass auch Merz das Problem mit seiner, zugegebenermaßen unsensiblen Aussage, erkannt hat. Er darf nun nicht nur diejenigen zufriedenstellen, die sich unsicher fühlen, sondern muss auch die im Blick haben, die ihn kritisieren. Eine gelungene Integration - und zwar vor übereilter Abschiebung, wäre sicherlich eine Lösung. (Moritz Pappert) +++

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