Zwischen Smartphones und Schildkröten

"Plötzlich lag da Pfeil und Bogen" - Was man im Fundbüro so finden kann

In Fundbüro finden sich die kuriosesten Dinge. Hier halten die Mitarbeiter gerade Pfeil und Bogen, die vor Jahren verloren gegangen sind.
Fotos: Rene Kunze

11.11.2025 / FULDA - Unzählige Autoschlüssel, Smartphones, teurer Schmuck und sogar Leguane: Es ist Wahnsinn, was die Menschen alles verlieren. Im Fuldaer Fundbüro erzählen die Gegenstände die kleinen Geschichten des Alltags. In Hektik und Alltagschaos bleibt der Autoschlüssel für den teuren Porsche liegen, oder das seltene Schmuckstück der Oma fällt unbemerkt auf die Straße. Jedes Objekt erzählt seine Story, und manche davon finden ein überraschendes Ende.



Das Fundbüro der Stadt Fulda gehört zum Bürgerbüro. Hier werden täglich zahlreiche Gegenstände abgegeben, aber auch wiedergefunden. Wenn sich nach der vorgeschriebenen Frist von sechs Monaten kein Besitzer gemeldet hat, kann das betreffende Fundstück versteigert werden. Im Fundbüro der Domstadt arbeiten unter anderem Juliane Messerschmidt und Marc Hillenbrand (Leiter des Bürgerbüros). Sie haben OSTHESSEN|NEWS von ihrem spannenden Job und dem einen oder anderen kuriosen Gegenstand erzählt.

Vor rund drei Jahren haben Messerschmidt und Hillenbrand das Fundbüro neu strukturiert und organisiert. Mit Online-Möglichkeiten zur Verlust-/Fundanzeige, mit öffentlichkeitswirksamen Versteigerungen und neu sortieren Ablagen und Recherche-Tools rückten sie das Fundbüro wieder mehr in den Blickpunkt der Bürger. "Das Fundbüro hat während der Corona-Zeit etwas brach gelegen. Doch in den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der Fundstücke um das Dreifache erhöht", so Hillenbrand.

"Die meisten Gäste unserer Stadt nehmen Fulda als eine schöne Stadt wahr, da ist es natürlich auch für uns ärgerlich, wenn ein verlorener Gegenstand am Ende diesen positiven Eindruck trübt", ergänzt er. Deshalb treibt das Fundbüro einigen Aufwand, um die Fundstücke wieder an die rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben: Bei großen Events – wie etwa den Domplatzkonzerten – gibt es eigene "Fundkisten". Die Veranstalter sammeln noch am Abend alles Liegengebliebene ein und senden es am nächsten Morgen ins Fundbüro. Dort werden die Fundstücke erfasst und sind oft in weniger als 24 Stunden digital recherchierbar. In manchen Fällen werden die Fundgegenstände auch per Post an das Fundbüro im Heimatort der Betroffenen verschickt.

Geschichten in Kartons verpackt

Ein Ablageort des Fundbüros ist ein kleiner, unscheinbarer Raum. Was sich hinter den Aktenschränken verbirgt, lässt sich im ersten Moment nicht erahnen. Doch dahinter, mit Nummern sortiert, liegen Geschichten. Teilweise sind es so kuriose Gegenstände, dass man sich keinen Reim darauf machen kann, wie diese verloren gegangen sein könnten. "Wir haben in Fulda sogar mal Pfeil und Bogen gefunden", sagt Messerschmidt. Abgeholt hat das aber niemand, das liegt noch heute im Fundbüro. "Manche Funde stellen sich auch im Nachhinein erst als besonders heraus. Vor einer geplanten Versteigerung fiel mir ein neuwertiger Regenschirm in die Hände, der auf den ersten Blick so unscheinbar wie alle anderen wirkte. Eine Internetrecherche ergab dann aber, dass das gute Stück für 200 Euro gehandelt wird."

So auch eine andere interessante Begebenheit. "Eine junge Frau hatte im Second-Hand-Laden auf Anraten einer Freundin eine Jacke gekauft - und stellte dann zu Hause verdutzt fest, dass sich ein vierstelliger Betrag in einer der Jackentaschen befand", erzählt der Leiter des Bürgerbüros. Statt das Geld einfach zu behalten, brachte die ehrliche Finderin das Geld zum Fundbüro. Da sich niemand meldete, der das Geld vermisste, und die Frau zudem den Eigentumserwerb geltend gemacht hatte, durfte sie die vierstellige Summe behalten: "Da flossen hier im Fundbüro einige Freudentränchen. Und zusammen mit jener Freundin, die damals nichtsahnend zu der Jacke geraten hatte, gönnte sich die Frau mit dem Geld eine kleine Reise."

Einige wenige Dinge sind aber auch auf den ersten Blick schon sehr kurios. Laut Hillenbrand würden bis zu zehnmal im Jahr auch exotische Tiere wie Schildkröten, Leguane oder Geckos gefunden werden. Diese kommen dann natürlich sofort in die privat betriebene Reptilien-Auffangstelle Osthessen.

Ersteigern Sie verlorene Gegenstände!

Viele Gegenstände finden ihren Weg zurück zu ihrem Eigentümer, aber manche bleiben über die gesamte Aufbewahrungsfrist oder sogar noch darüber hinaus. Diese werden dann teilweise versteigert. Solche Events veranstaltet das Fundbüro zweimal im Jahr, in diesem Jahr sogar dreimal. Das nächste Mal haben die Bürger am Samstag, 29. November um 11 Uhr die Möglichkeit, im Foyer des Schlosstheaters Schmuck, Regenschirme, Handys oder sogar Diebesgut zu ersteigern. Ja, richtig gelesen: Diebesgut. "Sichergestellte Gegenstände von der Polizei bekommen wir für unsere Versteigerung übergeben", so Messerschmidt. Bereits ab 10:30 Uhr besteht die Möglichkeit, alle Gegenstände, die unter den Hammer kommen sollen, schon einmal in Augenschein zu nehmen.

In welchem Ausmaß Dinge verloren gehen, wird im Fundbüro erst richtig deutlich. Unzählige Gegenstände liegen dort bereit und warten auf ihren Besitzer. Ehrliche Finder gibt es noch und davon sogar viele. Wer also das nächste Mal etwas verliert, sollte erstmal ins Bürgerbüro gehen, bevor er sich Autoschlüssel, Handy und Co. für viel Geld nachkauft. (Katharina Geppert) +++

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