Wintergarten Varieté im Schlosstheater

Mit Glitz, Glam und Nostalgie in die 90er

1992 wurde das Wintergarten Varieté Berlin gegründet – im Oktober gastiert es mit dem Programm "90s forever – Hits & Acrobatics" gleich zweimal in Fulda.
Fotos: Rene Kunze

21.10.2025 / FULDA - 1992 wurde das Wintergarten Varieté Berlin gegründet – im Oktober gastiert es mit dem Programm "90s forever – Hits & Acrobatics" gleich zweimal in Fulda. Varieté – das verspricht Unterhaltung und Abwechslung pur, entspannende Stunden, genau das Richtige an einem nieselig-kühlen Herbstabend. Entsprechend froh gestimmt war das Publikum schon vor Beginn.


Exzellente Dramaturgie

Die Abmischung der Show war dramaturgisch klug gemacht – Gesangsnummern wechseln mit Akrobatik ab, die Akrobatik wurde immer mindestens von der 5-köpfigen Band begleitet, meistens aber auch von einem oder allen vier Sängern. Die hatten sicher die anstrengendste Aufgabe zu bewältigen, standen sie doch fast durchgängig auf der Bühne: oft mit solistischen Nummern, oder eben als Begleiter der durchweg starken Artistik-Nummern. Bei den Sängern dabei Jay Khan (Ex US5-Mitglied und im Jahr 2011 Dschungelcamper), Keye Katcher (Kandidat bei The Voice of Germany 2012) und die Deutsch-Afrikanerin Achan Malonda, die Grace Jones, Hildegard Knef und Marlene Dietrich zu ihren Vorbildern zählt.

Großartige Artistik

Ich würde Ihnen sehr gern die Namen der wunderbaren Artisten verraten, aber leider gab es kein Programm und auch keine Set-List für die Presse. Aber: Was die Artisten und Akrobaten boten, war erstklassig! Um nur einige herauszugreifen: Da führte eine Frau Hairhanging auf – eine traditionelle Zirkusdisziplin, die ungeheuer viel Geschicklichkeit und Körperbeherrschung erfordert. Braucht man auch, wenn man mit zusammengebundenen Haaren an einem Seil hängt und dabei atemberaubende Pirouetten und andere Kunststücke zeigt.

Da performten zwei Frauen am Vertical Pole und später am und im Luftring, synchron und mit schier nicht für möglich gehaltenen Verschlingungen. Da wurde mit Ringen, Bällen und Keulen jongliert, gern auch auf einem Brett, das auf sich immer höher türmende Elemente gestellt wurde. Da führte eine Künstlerin Antipoden-Artistik auf, also Jonglieren in Rückenlage auf einer Art Stuhl und mit Händen und Füßen. Ihre Zehen waren ebenso beweglich und geschickt wie ihre Finger und es dämmerte einem, wie viel Kraft und Präzision für so eine Nummer erforderlich ist. Besonders originell auch ein Zauberer, der mit Sneakern und Schuhkartons für Ohs und Ahs im verblüfften Publikum sorgte. Also viele Momente zum Staunen, zum Lachen und zum Abfeiern.

Hits zum Mitsingen und -klatschen

Nicht zu vergessen die Musik! In den 90ern war musikalisch einiges los, von Hip-Hop, R&B, bis zu Techno, Eurodance, House und Rave, und natürlich Boy Bands wie Take That und Back Street Boys oder Girl Groups wie die Spice Girls. Pop, Grunge und Hard Rock gab es natürlich auch zu Genüge. Mit anderen Worten: Das Jahrzehnt produzierte viele Ohrwürmer, die man sich immer wieder gern anhört und dabei ein bisschen nostalgisch wird und werden darf.

Zu hören waren lyrisch-balladeske Songs wie "Nothing Compares 2 U" (Sinéad O’Connor). Take Thats "Back for Good" durfte nicht fehlen, schon gar nicht die grandiosen Schweden von Roxette mit "She’s got the look" und "Joyride". Tanzbares wie "Mr. Bombastic" (Shaggy), "Can’t get you out of my mind" (Kylie Minogue", "I like to move it" (Reel 2 Real) oder "I’m outta love" von Rockröhre Anastacia erklangen zur Freude des Publikums. Sogar Deutsch-Rap wurde geboten mit "Ich find‘ Dich scheiße" (Tic Tac Toe) oder "Die da oder die da" (Fanta Vier). Und dann natürlich die Mitgröl-Lieder wie "Sweat" (Inner Circle), "What is love" (Haddaway), "One, two, three, four, five" (Feist), "Cocojambo" (Mr. President), "Sing Hallelujah" (Dr. Alban), "Rhythm of the Night" (Corona) oder "Macarena" (Los del Río).

Auf der Videowand hinter der Band wurden die originalen Acts der Songs gezeigt, bunte Scheinwerfer, Stroboskop-Effekte und Glitzer-Outfits sorgten für die richtige Stimmung. Immer wieder animierten die Sänger das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen. Die Stimmung jedenfalls stieg von Viertelstunde zu Viertelstunde. Bestens gelaunt spendete das Publikum im ausverkauften Schlosstheater schon zwischen den Nummern viel Beifall, erst recht dann am Schluss. Ein Abend wie eine große und gelungene Party! (Jutta Hamberger) +++

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