"Es ist alles ziemlich rund!"
"Rhön-Kanzler" Manfred Helfrich räumt den Rathaus-Chefsessel ohne Baustellen
Er stand nicht mehr zur Wahl: Nach 24 Jahren als Rathauschef von Poppenhausen an der Wasserkuppe räumt CDU-Bürgermeister Manfred Helfrich (68) seinen Posten.
Alle Fotos: Martin Engel
01.11.2025 / POPPENHAUSEN (WAKU) -
Nach 24 Jahren als Rathauschef von Poppenhausen an der Wasserkuppe - "dort, wo die Rhön besonders schön ist" - räumt Manfred Helfrich (68) seinen Posten. Der Bürgermeister der rund 2.800 Einwohner-Gemeinde hat viel erreicht und verabschiedet sich jetzt, auf eigenen Wunsch, in den Ruhestand. Am 31. Oktober ist offiziell sein letzter Arbeitstag, ab 1. November übernimmt Alexandra Ballweg (parteilos) das Zepter. Für den "Rhön-Kanzler" beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt.
Von einer "langen, guten, bewegten, aber auch fordernden und erfolgreichen Zeit" spricht Helfrich, als er an einem Montagmorgen von OSTHESSEN|NEWS zum großen Abschiedsinterview gebeten wird. Das Gespräch findet selbstverständlich im Bürgermeister-Büro statt. Kaffee steht auf dem Tisch und der Christdemokrat sagt ganz bescheiden: "Es ist alles ziemlich rund. Die letzten Akten werden bearbeitet - ich hinterlasse keine Baustellen und gehe mit 188 Tagen Resturlaub." Zwar ist der Schreibtisch noch gut gefüllt, aber wer Manfred Helfrich kennt, der weiß: Er macht seinen Job bis zur letzten Minute akkurat - und mit viel Herzblut für die Sache.
Vier Legislaturperioden war der frühere Polizeibeamte (vom Rang her Polizeihauptkommissar) Bürgermeister von Poppenhausen, vorher schon ehrenamtlich in der Kommunalpolitik aktiv. Erstmals gewählt am 18. März 2001, mit 70,8 Prozent der Stimmen, stand der CDU-Mann für Kontinuität, Stabilität und vor allem Bürgernähe. Wenn einer wusste, wo der Schuh drückt, war es Manfred Helfrich. Rückhalt hatte der Familienvater stets von seiner Ehefrau Regina und seinen drei Kindern. "Der Manfred - der ist sich für nichts zu schade", so beschreiben ihn politische Weggefährten und loben seine besondere Menschenkenntnis und die Fähigkeit, immer nach Kompromissen zu suchen. "Streit ist und war für unseren Bürgermeister gar nichts."
Botschafter für die Rhön, den Segelflug und das Radom
Für Helfrich, der sich über die Jahre auch überregional einen Namen gemacht hat und sogar Sprecher der Bürgermeister-Kreisversammlung im Landkreis Fulda war, ist klar: "Die Bedeutung von Poppenhausen ist weitaus größer, als es die Einwohnerzahl vermuten lässt." Der Kommune unterhalb von Hessens höchstem Berg - der Wasserkuppe - fehlt es an nichts: starker Tourismus, gesunde Wirtschaft, gute Infrastruktur, Neubaugebiete, Kinder-Betreuung, starke Vereine und vor allem solide Finanzen.
"Wir waren nie auf Rosen gebettet, haben immer das Machbare vom Wünschenswerten trennen müssen", erklärt der scheidende Rathauschef, spricht aber zugleich von einer "niedrigen Verschuldung". In Zahlen: eine Mio. Euro Schulden, acht Mio. Euro Rücklagen und rund drei Mio. Euro auf dem Bankkonto - "für eine Landgemeinde ist das schon okay", schmunzelt er. Helfrich hat aber nicht nur immer wieder für Poppenhausen als Natursportgemeinde geworben, er war auch Botschafter für die Rhön, den Segelflug, die Gleitschirmflieger und hat dazu beigetragen, dass das Radom zum Kulturerbe wurde.
Der "Rhön-Kanzler" räumt den Chefsessel
Die unzähligen Bürgergespräche wird Manfred Helfrich vermissen, der die Rhön liebt, weil "die Menschen einfach, verlässlich und bodenständig sind, der Handschlag noch gilt und sie ein gesundes Selbstbewusstsein haben". Auch seine Mitarbeiter (zehn in der Verwaltung, sieben am Bauhof und über 20 in den Kinder- und Bildungseinrichtungen) sind ihm ans Herz gewachsen. "Mit 68 Jahren muss man aber einfach mal in den Ausweis gucken. Ich war 24 Jahre Polizist und 24 Jahre Bürgermeister: Jetzt reicht's - und meine Familie möchte auch noch etwas von mir haben."
Bedenklich findet er: in der Kommunalpolitik sei der Ton rauer geworden. "Poppenhausen war immer stabiler Stimmenlieferant für die Union, wir waren die Vorzeigehochburg im Kreis Fulda mit über 60 Prozent für die CDU. Bei der letzten Kommunalwahl sind wir erstmals in der Historie unter 50 Prozent abgerutscht. Die Gemeindevertretung setzt sich seitdem aus CDU (7), Freien Wählern (6) und CWE (2) zusammen", berichtet Helfrich, der seine Heimat auch in Zukunft bei der Christdemokratie sieht. "Ich bin dankbar, dass mich die politischen Mandatsträger arbeiten ließen - in der letzten Amtszeit war mehr Informations-, Erklärungs- und Abstimmungsbedarf. Jetzt freue ich mich auf die neue Zeit."
Manfred Helfrich, der "Rhön-Kanzler", räumt nun den Chefsessel im Rathaus von Poppenhausen. "Das Haus einer Gemeinde ist nie fertig", sagt er und betont: "Man ist 24 Stunden an 365 Tagen damit beschäftigt, Probleme zu lösen. In Poppenhausen ist man aber nicht nur der Bürgermeister, sondern man arbeitet überall - in allen Verwaltungsangelegenheiten - als 'besserer Sachbearbeiter' mit. Das war reizvoll und es konnte für mich keinen spannenderen Job geben." (Christian P. Stadtfeld) +++