Grundwasserschutz ist wesentlich
SPD Ulrichstein informiert über Wasserversorgung im Vogelsberg
Foto: Dieter Graulich
18.10.2025 / ULRICHSTEIN -
Zu einer Wanderung zum Thema Wasser hatte die SPD Ulrichstein eingeladen. Ortsvereins-vorsitzender Heiko Müller begrüßte dazu ein Dutzend Interessierte, darunter Edwin Schneider, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Ulrichstein und Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV), sowie den Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, Matthias Weitzel, und Stadtverordnetenvorsteher Karl Weisensee.
Die erste Station führte zum Hochbehälter der Kernstadt. Edwin Schneider und Astrid Lünse, ebenfalls Vorstandsmitglieder der SGV, erläuterten die Arbeit der Schutzgemeinschaft, die sich seit 1989 für den Grundwasserschutz einsetzt und seit 2014 als klageberechtigter Verband anerkannt ist. Schneider berichtete über die Bohrungen am Hochbehälter und die Wassertransporte per Tankwagen vor einigen Jahren, die bundesweit für Aufsehen sorgten. Ursache war, dass die Schürfquellen aus dem Oberwald in trockenen Monaten nicht mehr genügend Wasser für die Trinkwasserversorgung der Kernstadt hatten und der neue Brunnen noch nicht fertiggestellt war. Außerdem sind bakterielle Verunreinigungen aus den Schürfquellen schon immer vorhanden, sodass das Wasser aufbereitet werden muss, um als Trinkwasser genutzt werden zu können.
Astrid Lünse verdeutlichte anhand eines Schaubildes des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie die besondere geologische Situation im Hohen Vogelsberg. Sie zeigte, dass die Wasserversorgung hier auf sogenannten schwebenden Grundwasserstöcken basiert – kleineren, voneinander getrennten Wasservorkommen, die auf undurchlässigen Bodenschichten liegen. Diese reagieren besonders sensibel auf klimatische Veränderungen, da sie bei längeren Trockenphasen schneller absinken können.
In der anschließenden Diskussion kam auch die mögliche Einführung eines Wassercent zur Sprache. Müller erklärte: "Früher gab es in Hessen bereits eine Grundwasserabgabe, von der die Region direkt profitierte. Damals flossen mehr Fördermittel zurück, als selbst an Grundwasserabgabe gezahlt wurde, so zum Beispiel für Kläranlagen, Leitungserneuerungen oder die Förderung von Zisternen. Solche Investitionszuschüsse entlasten den städtischen Haushalt und somit die Menschen vor Ort." Die SPD setzte sich daher für die Wiedereinführung eines
Auf dem Weg zu den Schürfquellen am Ulrichsteiner Kreuz berichtete Stadtverordnetenvorsteher Karl Weisensee über die laufenden Arbeiten zur Erneuerung der Wasserleitung zwischen Schürfquellen und Hochbehälter.
An den Quellen selbst standen erneut die Grundwasserneubildung und die Grundwasserentnahme für das Rhein-Main-Gebiet im Mittelpunkt. Weisensee betonte: "Das Rhein-Main-Gebiet muss stärker zur Eigenversorgung mit Trinkwasser aufgefordert werden. Gleichzeitig müssen dort die maroden Leitungsnetze dringend saniert werden, da jährlich enorme Mengen Trinkwasser versickern. Das ist ein Zustand, den wir uns als Gesellschaft schlicht nicht mehr leisten können."
"Nur mit dem Finger nach Frankfurt zu zeigen, reicht nicht", stellte Heiko Müller klar. "Auch wir vor Ort müssen unsere Hausaufgaben machen – etwa durch Sanierung und Erneuerung unserer Infrastruktur sowie durch Maßnahmen der Grundwasserneubildung." Müller verwies hier auf Dr. Hans-Otto Wack, der die Schutzgemeinschaft Vogelsberg beraten habe und während eines Vortrages in den Kreistagsgremien betonte, dass es besonders wichtig sei, das Wasser so lange wie möglich am Berg zu halten. Müller unterstrich, dass dieser Ansatz entscheidend für die regionale Trinkwasserversorgung sei. Dies könne nur mit gezielten Förderprogrammen durch das Land Hessen erfolgreich umgesetzt werden.
Matthias Weitzel stellte in diesem Zusammenhang das teilräumliche Wasserkonzept für den Vogelsbergkreis vor, das die Kommunen auf die Herausforderungen des Klimawandels und des demografischen Wandels vorbereiten soll. In den kommenden Jahren werde es entscheidend sein, die vorgeschlagenen Maßnahmen konsequent umzusetzen.
Die Wanderung endete beim Oktoberfest des VHC, wo die Diskussion in geselliger Runde fortgesetzt wurde. Trotz kühler Temperaturen und zeitweisem Nieselregen ließen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Stimmung nicht verderben. Ein kleiner Schnaps sorgte unterwegs für wohlige Wärme von innen.
Müller zog abschließend Bilanz: "Diese Gespräche zeigen, wie wichtig der offene Austausch über unsere regionale Wasserversorgung ist. Als SPD setzen wir uns dafür ein, dass Wasser in Ulrichstein und im Vogelsberg auch für kommende Generationen gesichert bleibt." (Dieter Graulich)+++