Blinde und Sehende unterwegs
Starkes Zeichen: Wandertruppe macht Inklusion erlebbar - "Wertvolle Erfahrung"
Die inklusive Wandergruppe ist wieder in der Rhön unterwegs.
Fotos: Maria Franco
16.10.2025 / GERSFELD (RHÖN) -
Seite an Seite, Schritt für Schritt: Über Stock und Stein, durch Matsch und Geröll, bergauf und bergab. Was auf den ersten Blick nach einer gewöhnlichen Wandertruppe klingt, ist weitaus mehr. Blinde und Sehbehinderte setzen gemeinsam mit ihren sehenden Begleitpersonen ein starkes Zeichen gelebter Inklusion. Organisatorin Sasha Weber gegenüber OSTHESSEN|NEWS: "Wir möchten die Rhön mit allen Sinnen erfahren - egal ob es in Strömen regnet, oder schneit - wir ziehen motiviert durch."
Das Hotel Berghof Wasserkuppe in Gersfeld (Kreis Fulda) steht hinter der traditionellen Wanderwoche, die vom 12. bis 17. Oktober läuft. Menschen jeden Alters kommen aus ganz Deutschland zusammen. "Wir machen das bereits seit zehn Jahren. Der Ursprungsgedanke geht auf den Bruder unseres Seniorchefs zurück, Rainer Brell", so Weber. Der erblindete Koch wollte, trotz seiner Erkrankung, es sich nicht nehmen lassen, die Schönheit der Rhön weiter zu erfahren. So ist die Aktion entstanden - und hat sich fest im Veranstaltungskalender etabliert. "
Bis zu 20 Kilometer lange Strecken
Die Route am Mittwoch umfasst 16 Kilometer. 24 Teilnehmer machen sich am Morgen bereits auf den Weg. "Zufällig fällt sogar der Tag des weißen Stockes am 15. Oktober in unsere Woche. Genau darauf machen wir aufmerksam: mehr Verständnis und Rücksicht für Blinde und Sehbehinderte. Wir möchten Barrieren überwinden", heißt es von der Organisatorin. Und das Beste wartet zum Schluss: "Am Ende gibt es ein Weinseminar mit 7-Gänge-Menü. Wir wollen alle Sinne auskosten."
"Spannendes Erlebnis in der Gruppe"
Einer der Teilnehmer ist Jürgen Sommer aus Schramberg, einer Stadt im Schwarzwald. Er ist das erste Mal dabei. Sein Sichtfeld ist eingeschränkt. "Ich habe die Tage bisher als sehr anstrengend, aber schön empfunden", gesteht der 63-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. "Es ist ein tolles Erlebnis in der Gruppe. Zu Hause ist man eher alleine unterwegs, hier steht das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. Die Begleitung hat den Vorteil, dass man wirklich entspannt mitlaufen kann und sich gleichzeitig über alles Mögliche unterhalten kann." Seine Unterstützung: Fred Ranziger aus München (Bayern). Er kennt die Treffen gut. "Ich nehme zum achten Mal teil", so der 68-Jährige. "Es ist eine Win-win-Situation für alle. Ich wandere gern und wenn ich jemanden begleite, ist es für mich nicht viel schwieriger. Es macht Spaß, man lernt immer wieder neue Leute kennen, weil wir täglich wechseln - da wird es definitiv nie langweilig." (Maria Franco) +++