Herbstkonzert in der Landesmusikakademie
Jazzige Premieren-Party für Ed Partyka in Schlitz
Die Kicks & Sticks beim Konzert in der Landesmusikakademie
Fotos: goa
11.10.2025 / SCHLITZ -
Volltreffer! Wenn man die Eindrücke des "Neuen" in ein Wort bündeln sollte, kann es nur dieser Begriff sein. Das Landesjugend-Jazz-Orchester (LJJO) steht seit einigen Monaten unter neuer musikalischer Leitung: dem renommierten US-Amerikaner Edward "Ed" Partyka, ein Jazzmusiker, Arrangeur und Dirigent von internationaler Güteklasse. Am Freitagabend gab der 58-jährige seinen Einstand im "Wohnzimmer" des LJJO. In der Landesmusikakademie absolvierte die Bigband "Kicks & Sticks" mit ihrer Vokalgruppe "Kicks Voices" und den Nachwuchsgruppen "Junior Kicks" plus "Young Voices" die einwöchige Arbeitsphase, die mit dem traditionellen Abschlusskonzert ihren stimmungsvollen Höhepunkt erreichte.
Das seit 40 Jahren bestehende LJJO hat durch seine regelmäßigen Auftritte in Schlitz auch in Osthessen viele Fans – und die wollten natürlich sehen (und hören), wie es nach der Verabschiedung der LJJO-Legende Wolfgang Diefenbach weiterging. Immerhin war jener nicht nur Gründungsvater, sondern sage und schreibe 38 Jahre der künstlerische Leiter des Auswahlensembles. Der beeindruckend volle Konzertsaal der Akademie in Schloss Hallenburg erlebte viel frischen Wind im Dirigat: Partyka leitet lebendig, ist in Bewegung, kitzelt förmlich die Aufmerksamkeit und Dynamik aus den hoch motiviert folgenden jungen Musikern.
Freilich bekommt es der Amerikaner mit seinem sehr guten Deutsch inklusive des sympathischen Spracheinschlags leicht gemacht, zumal im Konzert auch noch eine fantastische Solistin brilliert: mit dem international erfolgreichen Star an der Bassposaune Maxine Troglauer kehrte eine "Tochter" des LJJO nicht nur zum Konzert, sondern als Dozentin auch zur Arbeitsphase nach Schlitz zurück. Sie performte gleich doppelt, denn sowohl die Kicks & Sticks nach der Pause als auch im ersten Konzertteil die Junior Sticks spielten Stücke mit ihr. Die Wiesbadenerin Troglauer genoss die Woche, wie sie gegenüber OSTHESSEN NEWS erklärte: "Ich habe ja selbst lange dem LJJO angehört und komme auch sehr gerne nach Schlitz. Bei Spaziergängen im Wald kann ich sehr gut entspannen!"
Besonderheit: zwei gespielte Stücke stammten sogar aus ihrer Feder, "Reach To Where You Cannot See" und "Two Makes One", arrangiert wurden sie von Ed Partyka. Mit für sie typischen, zuweilen mystisch-spährischen Phasen brachten Troglauer, Partyka und die Musiker viel Tiefe in das Konzert. Jazz kann Old-School, aber auch modern großartig interpretiert werden - die Zuschauer waren begeistert und forderten am Ende eine Zugabe, die sie in Form von "In The Hall of The Mountain King" erhielten. Dieser Part aus "Peer Gynt" bildete nicht nur den Schlusspunkt, sondern als Nachfolger von Ellingtons "Nutcrackersuite" aus dem Vorjahr die Hinleitung zum diesjährigen LJJO-Weihnachtskonzert in Wiesbaden, wie Ed Partyka wissen ließ.
Jens Bastian, der Geschäftsführer der Junge Musik Hessen gGmbH, erklärte gegenüber O|N, dass man den Wechsel nach der Ära Diefenbach sehr behutsam gestaltet habe. "Wir wollten das sehr hohe Level mindestens halten und haben dann die Leitungsstelle einfach ergebnisoffen ausgeschrieben. Dann konnten wir bei der Vielzahl renommierter Bewerber aus dem Vollen schöpfen und haben mit Ed Partyka einer Persönlichkeit den Zuschlag gegeben, die rund um die Welt einen Namen im Jazz hat – eine Top-Besetzung, wie sich seit nun fast eineinhalb Jahren gezeigt hat! Wo Diefenbach eher Swing-geprägt war, bringt Partyka viel neue Musik hinein. Die jungen Ausnahmemusiker lassen sich vom hohen Energielevel Partykas, den der mit auf die Bühne bringt, einfach mitnehmen. Das steckt an, die Musiker sind voller Feuer und Freude!" Da kann man Jens Bastian nur beipflichten, darf es aber getrost auch auf das Publikum erweitern, darunter zwei dem Haus besonders verbundene Fans: der Schlitzer Ehrenbürgermeister Hans-Jürgen Schäfer und Landrat a.D. Rudolf Marx.
Bei allem Fokus auf die Kicks & Sticks verdienten sich auch die Junior-Kicks ein Sonderlob: ihr Leiter Holger Fröhlich hatte einen Umbruch zu bewältigen, viele Musiker waren in die Seniorband aufgerückt. Die Integration der Neuen ist ihm mit Bravour gelungen, auch da hatte Bastian vor dem Konzert nicht zu viel versprochen. (goa) +++