"Wer Archive stärkt, stärkt Demokratie"
Bewegende Worte: 92. Deutscher Archivtag im Esperanto eröffnet
Alle Fotos: Martin Engel
08.10.2025 / FULDA -
Von Dienstag bis Donnerstag wird Fulda zum Zentrum der Archivwelt: Beim 92. Deutschen Archivtag treffen sich Expertinnen und Experten im Esperanto-Kongresszentrum, um unter dem Motto "Digitalisate im Archiv" über die Zukunft der Archivarbeit zu diskutieren. Zur feierlichen Eröffnung in der Waideshalle am Dienstagabend sprach Staatssekretär Christoph Degen (SPD) - auch der heimische Bundestagsabgeordnete und parlamentarischer Staatssekretär Michael Brand (CDU) schickte eine Botschaft.
Im Mittelpunkt steht bei der Fachmesse "Archivistica" die Frage, wie Archive den Zugang zu Informationen im digitalen Zeitalter gestalten können. Die Vorträge und Workshops des dreitägigen Programms beschäftigen sich unter anderem mit dem Aufbau digitaler Lesesäle und der rechtssicheren Umsetzung neuer Verfahren. Der Deutsche Archivtag findet erstmals in Fulda und nach 29 Jahren wieder in Hessen statt. Musikalisch begleitet wurde der Abend unter anderem von Peter Scholz, der mit einigen Songs des Musicals Robin Hood alle im Saal begeisterte.
Besonderer Standort
Mit rund 500 Gästen und einem hochkarätig besetzten Programm startete die Messe am Dienstagabend. Erstmals findet der Archivtag am Sitz der Geschäftsführung des Verbandes, in der Domstadt, statt. Ein Zeichen, das der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Archivarinnen und Archivare, Ralf Jacob, als Anerkennung für Fulda und Hessen hervorhebt. Besonderer Dank ging an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung sowie an Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), der den Weg für die Veranstaltung geebnet habe. Fulda sei mit seinem kulturellen Leben, vom Stadtarchiv bis zum Musical-Sommer, ein idealer Gastgeber. "Wir fühlen uns in Fulda bestens aufgehoben und vernetzt." Jacob machte deutlich, dass Archive weit mehr seien als stille Speicher des Vergangenen. Die Digitalisierung sei dabei zentral, jedoch teuer und ressourcenintensiv. "Archive sind das Rückgrat der historischen Gesellschaft"
Bürgermeister Dag Wehner (CDU) unterstrich die Rolle Fuldas als Archivstandort. Mit dem Stadt-, Bistums- und Hochschularchiv sowie der Sonderausstellung im Vonderau-Museum sei die Stadt breit aufgestellt. "Ihr Einsatz sichert Demokratie, Wissenschaft und Kultur. Wir sind stolz, dass Sie erstmals in Fulda tagen." Die Herausforderungen der digitalen Welt formulierte Wehner so: "Digitalisierung schafft oft Wildwuchs, den es zu kontrollieren gilt - wir hoffen auf Ihre Lösungsansätze." Der slowakische Archivar Dr. Jozef Meliš hob anschließend die historische Verantwortung der Archive hervor: "Archive sind das Rückgrat historischer Gesellschaften, ohne sie könnte man Vergangenheit manipulieren." Politische Unterstützung für digitale Archive
In einem Videobeitrag richtete sich auch der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand (CDU) an die Teilnehmenden: "Archive sind Ankerpunkte der Wahrheit, wer sie stärkt, stärkt unsere Demokratie." Gerade in Zeiten digitaler Umbrüche brauche es verlässliche Fakten, Quellen und den Austausch unter Fachleuten. Der Deutsche Archivtag sei dafür ein zentraler Anlaufpunkt.Diesen gilt es zu fördern, wie Christoph Degen (SPD), Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, in seinem Vortrag hervorhob. "Hessen hat in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel bereitgestellt und muss das auch weiterhin tun, damit Archive diese wichtige Arbeit fortführen können." Archive seien ein unverzichtbarer Teil des Gemeinwesens und müssten - gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche - gestärkt werden. "Was heute passiert, wird morgen archiviert", sagte Degen und warnte vor einer zunehmenden Bedrohung von Demokratie und Faktenkultur durch Desinformation, insbesondere in digitalen Räumen. "Wir brauchen solche Orte des Dialogs und die Politik brauch Sie als Resonanzpartner für eine offene, lösungsorientierte Diskussion."