"Ein Ritt auf der Rasierklinge"

Hotel Esperanto wird 20! Der beachtliche Aufstieg in die Champions League

Sie blicken auf die 20-jährige Erfolgsgeschichte zurück (v.li.): Martin Gremm aus der Geschäftsleitung, Inhaber Leo Groll und seine Tochter Laura sowie Hoteldirektor Dieter Hörtdörfer.
Fotos O|N Archiv / Hendrik Urbin

29.09.2025 / FULDA - Das Kongress- und Kulturzentrum Esperanto in Fulda hat sich bundesweit einen Namen gemacht. Seit 20 Jahren steht das inhabergeführte Vier-Sterne-Superior-Hotel mit jährlich über 100.000 Übernachtungen für höchste Qualität, Gastfreundschaft, maximale Flexibilität und einzigartigen Genuss. Durch seine zentrale Lage - mitten in Deutschland - verhalf es der Domstadt in der Tagungs- und Kongressbranche zum Aufstieg in die Champions League. Und alle umliegenden Hotels profitieren, entgegen der anfänglichen Kritik.


OSTHESSEN|NEWS hat Gründer und Inhaber Leo Groll, den Visionär im Familienunternehmen, im Esperanto getroffen. Er sagt rückblickend: "Ich bin stolz auf die Entwicklung, denn mit dem Esperanto haben wir es geschafft, Konzerne und Persönlichkeiten nach Fulda zu holen und sie so von der Stadt zu überzeugen, dass sie immer wiederkommen. Unser höchster Qualitätsanspruch, der vor allem bei den einzigartigen Gala-Abenden in den Köpfen der Gäste bleibt, bindet. Viele schwärmen noch lange nach der Veranstaltung, wie schön es war. Dieses hohes Niveau halten wir auch in Zukunft." Der Chef dankt vor allem seinem Team: "Sie sind die eigentlichen Gastgeber, denn ohne unsere Mitarbeiter läuft hier gar nichts."

Für die Stadt Fulda war die Grundsatzentscheidung für den Bau des Esperantos an der Ochsenwiese und in direkter Nähe zum ICE-Bahnhof ein Glücksfall. Der damalige CDU-Oberbürgermeister und spätere hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Alois Rhiel war es, der sich für das 43-Millionen-Euro-Projekt starkgemacht hat.

OB Wingenfeld zu 20 Jahre Esperanto: "Visionärer Meilenstein"

Der amtierende Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) sagt heute: "Auch und gerade in der Rückschau erscheinen die Weichenstellungen, die vor 20 Jahren zur Schaffung des Kongresszentrums Esperanto führten, als wirklich visionäre Meilensteine der Fuldaer Stadtentwicklung. Der zupackende Elan des damaligen OBs Dr. Alois Rhiel und insbesondere der unternehmerische Mut und die Weitsicht der Familie Groll legten den Grundstein dafür, dass sich die Stadt Fulda mit ihrer hervorragenden Verkehrsanbindung zu einer echten Tagungs- und Kongressstadt entwickeln konnte und sich die Zahl der Übernachtungsgäste seither mehr als verdreifacht hat. Dabei profitiert auch die Fuldaer Innenstadt in besonderem Maße von dem Kongresszentrum – für Einzelhandel, Gastronomie und auch die weitere Hotellerie sind die Messen und Kulturveranstaltungen im Esperanto ein wesentlicher Impuls, der ganzjährig für Frequenz und Belebung sorgt."

Doch bevor das Hotel mit 327 Zimmern aber auf der früheren Bertawiese gebaut werden konnte, brauchte es den Mut und die Risikobereitschaft der Unternehmerfamilie Groll. "Wir hatten viele schlaflose Nächte", erinnert sich Leo Groll zurück. "Ich hatte damals viele Gespräche mit meiner Hausbank, der Sparkasse Fulda. Alois Früchtl war Vorstandchef. Er hat auch an das Projekt geglaubt und uns das Vertrauen ausgesprochen. Die Finanzierung war gesichert und der Bau konnte starten. Es war ein Ritt auf der Rasierklinge, der sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt hat." Und Kritik aus der heimischen Hotellerie gab es 2005 auch. Die Angst, das Esperanto würde kleinen Betrieben Übernachtungen wegnehmen, bestätigte sich aber nicht. Ganz im Gegenteil: Das Kongresszentrum bringt so viele Menschen in die Domstadt, dass mehr als 15.000 Übernachtungen an regionale Hotels abgegeben werden.

Weiterhin große Investitionen im Esperanto

Heute ist das Esperanto aus Fulda nicht mehr wegzudenken. "Die Nachfrage und die Auslastung sind weiterhin extrem hoch", berichtet Martin Gremm aus der Geschäftsleitung. Er führt das Hotel Esperanto gemeinsam mit Laura Groll operativ. "Wir konkurrieren bei Kongressen mit großen Metropolen wie Berlin, München, Hamburg oder Köln." Und was macht das Esperanto anders? "Unsere Philosophie: Wir sind inhabergeführt und können sofort reagieren, durch kurze Entscheidungswege, die es im Konzern eben selten gibt. Zudem haben wir mit unserem Hoteldirektor Dieter Hörtdörfer und unserem Küchendirektor Andreas Scholz Kontinuität in der Direktionsebene. Das schätzen unsere Kunden sehr." Der Erfolg sei Teamarbeit. Im Esperanto arbeiten mehr als 300 Mitarbeiter. "Wir haben eine starke Mannschaft, die sich hervorragend um unsere Gäste und ihre individuellen Wünsche kümmert", betont Laura Groll.

Von Stillstand ist in dem Kongresszentrum keine Spur. In den letzten Jahren wurde vor allem in neue Zimmer, die Hotel-Lobby, das Hauptrestaurant El Jardin mit 420 Sitzplätzen sowie das Buffet kräftig investiert. "Stillstand ist Rückschritt", betont Inhaber Leo Groll und spricht von einem "Invest von mehreren Millionen Euro".

Jährlich finden etwa 1.250 Business-Veranstaltungen, Messen, Kongresse, Privatfeiern und Events wie das hauseigene Oktoberfest im Esperanto statt. "Unser Geschäft ist überregional." In der absoluten Spitze sind bei ausgewählten Kongressen so viele Menschen im Haus, dass die Esperanto-Küche 6.000 Essen in 24 Stunden servieren muss. Eine Herausforderung, die das Team immer wieder motiviert. "Politik und Wirtschaft geben sich hier die Klinke in die Hand - und auch international sind wir mittlerweile eine bekannte Größe", sagt der Esperanto-Chef und nennt den klassischen Wellness-Gast einen "unverzichtbaren Botschafter. Wenn der Geschäftskunde freitags nach dem Kongress abreist, kommt der Tourist in unserem Hotel an. Wir haben hier Gäste aus ganz Deutschland, die entweder mit dem Auto oder mit dem Zug nach Fulda kommen und das Wochenende in der Barockstadt und in unserem Spa-Bereich verbringen."

Leo Groll blickt positiv in die Zukunft. "Wir arbeiten immer an neuen Projekten und der Weiterentwicklung unseres Familienunternehmens." Damit schließt der Esperanto-Chef eine Erweiterung, wie sie vor der Corona-Pandemie einst geplant war, nicht aus. "Nach einem Tief gilt es, Chancen zu erkennen und sie richtig zu nutzen. Ohne Chancen und Risiken wäre das Esperanto nie entstanden." In diesem Sinne: Happy Birthday, Esperanto! (Christian P. Stadtfeld) +++

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