Stadt will nachbessern
Riesen-Andrang, häufig Chaos: Turmbesucher irren zwischen Himmel und Erde
Blick in den völlig entkernten Schlossturm vor dem Einbau des Aufzugs
Fotos: O|N-Archiv Martin Engel
28.09.2025 / FULDA -
Seit der Schlossturm nach jahrelanger Sanierung endlich wieder zugänglich ist, wollen mehr Besucher denn je die Barockstadt von oben bewundern, der Andrang zum neuen Aufzug, der die Interessenten barrierefrei bis zur Aussichtsplattform befördert, ist nahezu täglich überlastet. Das wäre kein Problem, wenn er die Strecke zwischen Schlosshof und Turmspitze in einem Rutsch bewältigen würde. Aber die Vorschriften des Brandschutzes, die die Zahl der auf der Aufsichtsplattform befindlichen Menschen auf 60 begrenzt, hat zur Folge, dass der Lift im oberen Drittel stoppen und alle Passagiere aussteigen und durch eine automatische Zählanlage müssen. Und dasselbe ist noch einmal auf der Fahrt nach unten nötig. So ist ein Stau der Besucher gerade am Wochenende nahezu unvermeidlich. Eine unsere Leserinnen hat ihre diesbezüglichen "Erlebnisse" in aller Deutlichkeit geschildert.
Hier ihr Bericht: "Heute verbrachte meine Freundin und ich einen wunderbaren Tag in Fulda. Unser größtes Abenteuer war die "Begehung" der Schloßturmplattform. Wir hatten Glück und waren rasch auf der Aussichtsplattform angekommen. Wir haben auch verstanden, nachdem wir das einzige "Zettelschild" im Aufzug lasen, dass wir auf einer Zwischenplattform aussteigen sollten, um durch die Zählschranke zu gehen, um dann auf der anderen Seite wieder in den Aufzug einzusteigen um weiter nach oben zu fahren Dieses "Schild" wurde allerdings von anderen kaum wahrgenommen. Nachdem wir die Aussicht genossen hatten, wollten wir wieder hinunterfahren. Doch das war leider unmöglich. Viele Menschen kamen zu Fuß die Treppe hinauf, was uns wunderte.
Großer Andrang führt zu Stau im Turm
Die einfache Erklärung dafür war, dass der Aufzug den Besucherstrom einfach nicht 'schaffte'. Er beförderte die Menschen nur noch zwischen der unteren und der mittleren Plattform im Auf und Ab. Schwierig wurde es für Senioren, die nun von der mittleren Plattform nach oben wollten und tapfer die Treppenstufen benutzen - bei dieser Wärme. Runterzu war es dasselbe, aber der Abstieg fiel den Menschen nicht so schwer, da das Treppenhaus mit bequemen Stufen versehen ist. Ungünstigerweise stand eine behinderte Person auf der mittleren Etage, die es jetzt nicht nach oben schaffte, da der Aufzug ja nicht mehr bis nach oben fuhr. Ein Schreck, nicht nur für mich entstand, nachdem wir die Treppe hinuntergelaufen waren und diese plötzlich zu Ende war. Wir standen wieder vor dem Aufzug auf der zweiten Ebene und mussten bis zum Einstieg runterfahren. Die Treppe ging nicht bis zum Einstiegpunkt weiter. Was, wenn plötzlich der Aufzug gar nicht fährt, die Technik versagt? Die Notfalltüren, die sicherlich in das Hauptgebäude des Stadtschlosses führen, waren als Notausgänge nicht markiert. Ich erkannte die "Alarmtürgriffe". Im Notfall wäre das eher schwierig geworden.
Nachdem wir durch das Treppenlaufen und Aufzugfahren wieder im Freien standen, sahen wir, dass die Besucherschlage, doppelreihig, bis zum Spätlesereiter stand. Hoher Besucherandrang, großes Interesse und niemand war da, der nach dem Rechten schaut, koordiniert oder gar hilft. Und das an einem Tag wie diesem - alles neu, keine Beschilderung, keine Person mit Erfahrung. Die Menschen in der Zeit von 14:30 bis 15:30 Uhr waren sehr diszipliniert, freundlich und geduldig. Doch es hätte auch ganz anders ausgehen können. Den Blick von der Aussichtsplattform haben die BesucherInnen sichtlich genossen und es wurde ausführlich verweilt. Der Blick durch die offene Haube in den Himmel war wunderschön.
Übrigens war die Dokumentation, die via Bildschirm auf der "Warteplattform" zu sehen war, gut gemacht und interessant, leider aber kaum hörbar. Es waren zu viele andere Geräusche wie Stimmen und Tritte da. Auch
hier könnte nachreguliert werden."
Reaktion der Stadt
Soweit der von einigen anderen Lesern bestätigte Bericht unserer 'Informantin'. Selbstverständlich haben wir bei der Magistratspressestelle der Stadt nachgefragt, ob ihnen diese Schwierigkeiten bekannt sind und wie diesem Dilemma abgeholfen werden könnte. Hier die etwas knappe Auskunft: "Wir sind dankbar für alle Hinweise; die Beschilderung zur Benutzung des Aufzugs am Schlossturms wird derzeit noch einmal überarbeitet und optimiert. Auch wird versucht, die Steuerung des Fahrstuhls noch einmal anzupassen, damit die Wartezeiten bei größerem Besucherandrang reduziert werden." Wir berichten über die weitere Entwicklung und freuen uns über Ihre Erfahrungsberichte zur "Turm-Erklimmung". (ci)+++