Torben Schäfer im O|N-Gespräch
Innenstadt im Wandel: Wohnzimmer mit ein wenig Amsterdam-Feeling
Fotos: Hans-Hubertus Braune
27.09.2025 / ROTENBURG/F. - Wer in den Fußgängerzonen unserer Städte unterwegs ist, sieht immer öfters leere Geschäfte oder mit irgendwelchen Motiven mühevoll verschönte Fensterscheiben. Attraktivität sieht anders aus. Der Einzelhandel hat mit diversen Herausforderungen zu kämpfen. Letztlich hat sich das Kaufverhalten verändert. Sich darüber aufzuregen und allein dem Onlinehandel die Schuld in die Schuhe zu schieben, bringt nichts.
Letztlich bestimmen Angebot und Nachfrage die Spielregeln. "Vom gucken überlebt kein Händler", sagt Torben Schäfer. Das Kaufverhalten ist im Wandel und damit die Definition von attraktiven Innenstädten.
Der Geschäftsführer der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg an der Fulda ist ein bundesweit gefragter Experte. Jüngst referierte Schäfer bei einer Fachtagung der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Großenhain (Landkreis Meißen, Sachsen) zum Thema Stadtentwicklung, mit dem Fokus auf die Entwicklung von Innenstädten. Rotenburg wurde als "Best Practice"-Beispiel ausgewählt. Doch was macht die Kleinstadt im Norden vom Landkreis Hersfeld-Rotenburg so besonders?
Die drei Säulen: Weiße Wirtschaft, Ausbildung und Tourismus
Die Rotenburger haben geschaut, was sie haben. Schäfer beschreibt die drei Säulen: "Einmal die weiße Wirtschaft, also Medizin. Das Thema Ausbildung, beispielsweise die Bundespolizei, die BKK-Akademie oder unsere Finanzfachhochschule. Und Tourismus. Wir haben wenig Industrieflächen und eigentlich nur einen Punkt, an dem wir wirklich arbeiten können. Ausbildung, das ist extern gesteuert. Medizin ist extern gesteuert. Kommunal können wir nur den Tourismus vorantreiben", sagt Schäfer. Und davon profitieren letztlich auch die Einheimischen.Es geht also darum, Wohlfühloasen zu schaffen. Wer durch die engen Gassen geht, sieht zwar die leeren Räume, aber eben auch die Pflanzen, Bäume und die neuen Sitzgelegenheiten. Das Auto darf dort nicht mehr dauerhaft direkt vor der Haustüre parken, was natürlich für die Anwohner Einschnitte für die private Bequemlichkeit bedeutet.
Schäfer macht im exklusiven OSTHESSENNEWS-Gespräch aber auch klar, dass jede Stadt individuelle Stärken hat. In Bebra ist es beispielsweise der Bahnhof, in Bad Hersfeld die Festspiele, der Schilde-Park. Jede Kommune entwickle seine eigenen Strategien.
Mit dem Wohnzimmer-Konzept wollen die Rotenburger die Menschen in ihre Stadt locken und möglichst den verbliebenen Handel halten. Dazu zählt natürlich auch die Gastronomie. Diese hat mit dem wachsenden Angebot der Discounter einen weiteren Konkurrenten. Die Herausforderungen sind vielfältig und alles hängt von jedem Einzelnen ab. Und natürlich zerren die Bürokratie und der Regulierungswahnsinn vieler Behörden an den Nerven und dem Willen vieler privaten Investoren. Doch was nützt es, wenn Innenstädte in sich verfallen?
Rotenburg lässt sich davon nicht einschüchtern. "Das alles ist keine One-Man-Show. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind ganz stark mit dabei sowie die Politik mit den Beschlüssen. Das ist eine gemeinschaftliche Arbeit zwischen Bauamt, Ordnungsamt, mit den Behörden und der Politik, um so eine Stadt voranzubringen. Allein geht das nicht", sagt Torben Schäfer. Wandel bedeutet auch neue Chancen. Diese zu entdecken und zu nutzen. in Rotenburg haben sie sich auf den langen Weg gemacht, ihre Innenstadt fit zu machen. (Hans-Hubertus Braune) +++