Digitale Unsicherheit als Gefahr

Desinformationen erkennen, Vertrauen stärken: Fachtagung "mepodi" mit Poseck

Am Dienstag fand die Fachtagung "mepodi" in Fulda statt.
Fotos: Rene Kunze

17.09.2025 / FULDA - Fake News, KI-generierte Inhalte, manipulierte Bilder und widersprüchliche Aussagen: TikTok, Instagram, X und Co. bietet zwar Zugang zu schier unendlichen Wissen, aber erschwert gleichzeitig die Unterscheidung von Tatsachen und Täuschungen. Bei der Fachtagung "mepodie - Medienbildung politisch und digital" diskutierten am Dienstagvormittag in der Katholischen Akademie im Bistum Fulda Experten aus den Bereichen Politik, Medien und Wissenschaft über genau diese Herausforderungen und offenbarten - unter Berücksichtigung von demokratischen Prozessen - Wege, um der schwindenden Glaubwürdigkeit der Sozialen Medien entgegenzuwirken.



"In einer Zeit, in der das Internet und die sozialen Medien unseren Alltag so prägen, stehen wir vor großen Herausforderungen und diese Herausforderungen werden immer größer", äußerte Bürgermeister Dag Wehner, "Desinformationen bedrohen nicht nur die individuelle Meinungsbildung, sondern auch unsere demokratischen Grundwerte, die Stabilität unserer Gesellschaft und letztendlich das Vertrauen in staatliche Institutionen."

Um seine Punkte zu verdeutlichen, führte er eine Studie an: 20 bis 30 Prozent der Informationen im Internet, die im Jahr 2022 verbreitet wurden, seien irreführend oder falsch gewesen. Er betonte: "Das bedeutet, dass jede dritte bis vierte Information, die wir online konsumieren, nicht der Wahrheit entspricht und sich damit eine Manipulation in unserer Gesellschaft festsetzt. Besonders in politischen Kontext, bei gesellschaftlichen Krisen oder in Wahlkampfzeiten ist dieses Phänomen verstärkt zu beobachten."

Zwischen Schutz und Meinungsfreiheit

Als Minister des Inneren für Sicherheit und Heimatschutz, sieht sich Prof. Dr. Roman Poseck regelmäßig mit Desinformationen und dem Druck der digitalen Öffentlichkeit konfrontiert, weshalb er in seinem Vortrag Lösungsansätze in den Blick nahm. "Lösungen dahingehend sind nicht trivial und nicht einfach, ich räume auch als Politiker ein, dass ich an dieser Stelle kein Patentrezept habe", erklärte er den Anwesenden. "Wir bewegen uns hier in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite ist es wichtig, dass wir unsere Demokratie, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, schützen, denn sie ist von elementarem Wert. Gleichzeitig geht es auch darum, die Meinungsfreiheit zu schützen." Um dem Druck der Medien entgegenzuwirken, habe das Land Hessen erst kürzlich ein Handyverbot in Schulen erwirkt: "Das reguliert sicherlich die Nutzung der sozialen Medien, auch wenn es nur ein Teilbetrag dazu ist. Ein Verbot für ganze Altersgruppen zu stellen, finde ich, anders als andere Kollegen, allerdings nicht wirksam."

Er ist sich sicher: "Es ist wichtig, diese Diskussion immer weiterzuführen und weiterzudenken. Wir müssen uns dem Thema stellen, ohne in eine Romantik zu verfallen, dass wir die Medienwelt von vor 20 Jahren zurückhaben wollen. Wir müssen mit dieser modernen Welt leben, aber wir müssen die Gefahren ernst nehmen und die Chancen ergreifen. Dazu gehört für mich auch, dass wir dem ganzen in Zukunft nicht mehr so viel Räume lassen, wie wir das im Moment tun. Wir müssen auch als demokratische Kräfte der Politik an Menschen über die sozialen Medien herantreten, denn da gibt es noch ganz viel Potenzial."

Medienbildung essenziell

Auch Prof. Dr. Murad Erdemir nahm die Prävention in den Blick, essenziell dafür sei eine gewisse Medienbildung. "Desinformationen entfalten ihre Wirkung nicht nur durch falsche Inhalte, sondern auch durch die Schaffung allgemeiner Unsicherheit und individueller Überforderung. Umso wichtiger ist es, Menschen in die Lage zu versetzen, Informationen kritisch zu hinterfragen, zusammenhänge zu erkennenden Inhalte richtig einzuordnen", erklärte er, "Neben gemeinsamem Engagement und kontinuierlichen Bildungsangeboten bedarf es außerdem einer zielgerichteten Regulierung, beispielsweise durch transparente Standards für digitale Plattformen. Nur so können wir langfristig unsere informierte und widerstandsfähige Gesellschaft erhalten." Am Ende brachte er es auf den Punkt: "Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, der Verunsicherung in der digitalen Welt mit Dialog, mit Verantwortung und vor allem mit einer klaren Haltung zu begegnen." (Anna Weißenberger) +++

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