8.800 Kilometer für einen Neuanfang
Von Hanoi nach Maberzell: Zwei Azubis aus Vietnam bereichern den Fuldaer Hof
Fotos: Mathias Schmidt
18.09.2025 / FULDA -
Etwa 8.800 Kilometer liegen zwischen ihrem Zuhause und Fulda. Familie, Freunde und ihr bisheriges Leben haben sie hinter sich gelassen. Nun sind sie auf unbestimmte Zeit in Deutschland - einem Land mit fremder Kultur und Sprache -, um zu arbeiten. Und das nicht irgendwo, sondern im Fuldaer Hof in Fulda-Maberzell. Bach Ngyuen und Quang Ngyuen (nicht verwandt) haben diesen mutigen Schritt im September gewagt. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS erzählen die beiden Auszubildenden, wie es ihnen bisher ergeht.
Jugendarbeitslosigkeit in Vietnam trifft auf Fachkräftemangel in der Region
Doch wie kam es eigentlich dazu, dass die beiden in Fulda gelandet sind? Das erklärt uns Loan Ngyuen (ebenfalls nicht verwandt mit den beiden). Sie ist die Bildungsbegleiterin von Bach und Quang. Die Rechtsanwältin arbeitet seit Jahren bei GCIS - Global Citizens Immigration Service mit Sitz in Fulda - und unterstützt Jugendliche im Ausland. "In Vietnam herrscht eine riesige Jugendarbeitslosigkeit. Daher sind viele auf der Suche nach Arbeit und extrem motiviert", berichtet sie im Gespräch mit O|N. "Ich und Björn Helfrich kennen uns ja schon länger. Meinen Eltern gehört China Mc Chop-Suey hier in der Universitätsstraße. Björn isst da immer unsere Frühlingsrollen", erzählt Ngyuen mit einem Schmunzeln. Fern der Heimat und mittendrin im Fuldaer Hof
Seit einigen Tagen sind die beiden nun in Deutschland. In Fulda wohnen sie in Wohngemeinschaften, zur Arbeit geht es mit dem Bus. Aber wie fühlt es sich an, als junger Erwachsener in ein fremdes Land zu ziehen und all seine Freunde und Familie zurückzulassen? "Wir stehen weiterhin im Kontakt mit unseren Freunden und natürlich unserer Familie in Vietnam. Die Menschen in Deutschland sind sehr sympathisch und nett. In Fulda und natürlich auch hier im Fuldaer Hof fühlen wir uns wohl", sagen sie. Das freut auch den Chef: "Ich glaube, es wäre völlig normal, in solch einer Situation Heimweh zu haben. Ich war im Laufe meines Lebens auch oft von zu Hause weg. Aber ich merke nichts von ihrem Heimweh. Ich frage immer, wie es ihnen geht - und sie kommen damit erstaunlich gut klar."Ein (kleines) Problem bleibt jedoch die Sprache. Sowohl Quang als auch Bach mussten schon vor ihrer Reise etwas Deutsch lernen. Durch die Kooperation mit GCIS erhielten sie an ihren Schulen in Hanoi bereits Sprachkurse, die sie hier in der Berufsschule fortsetzen. Den sogenannten B1-Schein haben sie bereits erfolgreich absolviert.