8.800 Kilometer für einen Neuanfang

Von Hanoi nach Maberzell: Zwei Azubis aus Vietnam bereichern den Fuldaer Hof

Zwei junge Vietnamesen wagen in Fulda einen mutigen Neuanfang.
Fotos: Mathias Schmidt

18.09.2025 / FULDA - Etwa 8.800 Kilometer liegen zwischen ihrem Zuhause und Fulda. Familie, Freunde und ihr bisheriges Leben haben sie hinter sich gelassen. Nun sind sie auf unbestimmte Zeit in Deutschland - einem Land mit fremder Kultur und Sprache -, um zu arbeiten. Und das nicht irgendwo, sondern im Fuldaer Hof in Fulda-Maberzell. Bach Ngyuen und Quang Ngyuen (nicht verwandt) haben diesen mutigen Schritt im September gewagt. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS erzählen die beiden Auszubildenden, wie es ihnen bisher ergeht.


Seit dem 1. September sind Bach (20) und Quang (23) im Fuldaer Hof angestellt. Während Bach in der Küche unter der Leitung von Petra Sabi, der "Frau in der Küche", alles rund ums Kochen lernt, bedient Quang die Gäste als Servicekraft unter Servicechefin Doris Müller. "Die beiden sind sehr nett und sympathisch. Aber vor allem: Sie machen, was sie sollen. Sie sind engagiert, schnell und haben eine enorme Motivation. Wir verstehen uns super", loben die beiden Ausbilderinnen. Die Ausbildung der Nordvietnamesen dauert zwei Jahre - nach drei Jahren wäre Bach Koch und Quang Restaurantfachmann - die Chance dazu hätten sie.

Jugendarbeitslosigkeit in Vietnam trifft auf Fachkräftemangel in der Region

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass die beiden in Fulda gelandet sind? Das erklärt uns Loan Ngyuen (ebenfalls nicht verwandt mit den beiden). Sie ist die Bildungsbegleiterin von Bach und Quang. Die Rechtsanwältin arbeitet seit Jahren bei GCIS - Global Citizens Immigration Service mit Sitz in Fulda - und unterstützt Jugendliche im Ausland. "In Vietnam herrscht eine riesige Jugendarbeitslosigkeit. Daher sind viele auf der Suche nach Arbeit und extrem motiviert", berichtet sie im Gespräch mit O|N. "Ich und Björn Helfrich kennen uns ja schon länger. Meinen Eltern gehört China Mc Chop-Suey hier in der Universitätsstraße. Björn isst da immer unsere Frühlingsrollen", erzählt Ngyuen mit einem Schmunzeln.

"Währens des Stadtfestes war ich mittags dort, da hat mich Loan gefragt, wie es bei uns mit dem Personal aussieht. Personalprobleme haben wir immer - und so hat sie die beiden als Auszubildende vorgeschlagen", erinnert sich Gastro-Urgestein Björn Helfrich. Über Online-Gespräche lernte man sich dann kennen. Unter sechs Bewerbern setzten sich Bach und Quang schließlich durch. "Die beiden hatten einen sehr freundlichen und sympathischen Eindruck gemacht - außerdem konnten sie sich verständigen, was natürlich wichtig ist", erklärt Helfrich.

Fern der Heimat und mittendrin im Fuldaer Hof

Seit einigen Tagen sind die beiden nun in Deutschland. In Fulda wohnen sie in Wohngemeinschaften, zur Arbeit geht es mit dem Bus. Aber wie fühlt es sich an, als junger Erwachsener in ein fremdes Land zu ziehen und all seine Freunde und Familie zurückzulassen? "Wir stehen weiterhin im Kontakt mit unseren Freunden und natürlich unserer Familie in Vietnam. Die Menschen in Deutschland sind sehr sympathisch und nett. In Fulda und natürlich auch hier im Fuldaer Hof fühlen wir uns wohl", sagen sie. Das freut auch den Chef: "Ich glaube, es wäre völlig normal, in solch einer Situation Heimweh zu haben. Ich war im Laufe meines Lebens auch oft von zu Hause weg. Aber ich merke nichts von ihrem Heimweh. Ich frage immer, wie es ihnen geht - und sie kommen damit erstaunlich gut klar."

Ein (kleines) Problem bleibt jedoch die Sprache. Sowohl Quang als auch Bach mussten schon vor ihrer Reise etwas Deutsch lernen. Durch die Kooperation mit GCIS erhielten sie an ihren Schulen in Hanoi bereits Sprachkurse, die sie hier in der Berufsschule fortsetzen. Den sogenannten B1-Schein haben sie bereits erfolgreich absolviert.

Trotz sprachlicher Hürden ist das Fuldaer-Hof-Team begeistert von den beiden Neuzugängen. "Aktuell ist der Lehrstellenmarkt sehr mau. Es ist schwierig, in der Region motivierte Leute zu finden. Die meisten wollen studieren - und 'normal' arbeiten will ja keiner mehr. Ich gebe Leuten gerne eine Chance, wenn sie zeigen, dass sie wollen und motiviert sind. Gerade jetzt, wo auch unser Saalbau boomt, kommen die beiden zur absolut richtigen Zeit. Und wer weiß - vielleicht folgt bald das ein oder andere vietnamesische Gericht oder sogar ein vietnamesischer Abend", verrät Helfrich nebenbei. (Mathias Schmidt) +++

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