Jetzt ist er endlich fertig!
Toller Rundumblick: Sanierter Schlossturm ab sofort wieder für Besucher frei
Alle Fotos: Martin Engel
13.09.2025 / FULDA -
Die ersten Besucher aus Kassel sind vom sanierten Turm des Fuldaer Stadtschlosses begeistert. Das Ehepaar hatte sich kurzerhand dem Presserundgang am Donnerstag angeschlossen, sicher auch, weil die Erläuterungen über die jetzt weitgehend abgeschlossenen, aufwendigen Um- und Wiederaufbauarbeiten aus bestens informierter Quelle stammten. Stadtbaurat Daniel Schreiner, Architekt Jürgen Krieg, Stadtarchäologe und Museumsleiter Dr. Frank Verse, Sachgebietsleiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Adrian Hehl und Projektleiter Edgar Baum vom Gebäudemanagement erklärten das komplett erneuerte Innenleben des Turms und dessen komplizierte Entstehung im Detail.
Schon vor neun Jahren musste der Zugang zum beliebten Aussichtsturm am Stadtschloss für die Besucher gesperrt werden, weil deren Sicherheit dort nicht mehr gewährleistet war. Stadtbaurat Daniel Schreiner hatte erklärt, es sei wirklich hoch an der Zeit gewesen, etwas für den Turm zu tun, sein Inneres habe einer Tropfsteinhöhle geglichen und die Substanz drohte zu leiden. Es folgten umfangreiche Planungen über eine aufwendige Komplettsanierung. Auch mithilfe von Fördermitteln sollte der Bau aus dem 13. Jahrhundert barrierefrei zugänglich gemacht werden. Dafür musste das alte Treppenhaus entkernt und ein gläserner Aufzug installiert werden. Der Zugang, bisher vom Schlosshof aus wurde auch auf die untere Ebene verlegt und wird nun von der ebenfalls umgestalteten Kaiserterrasse vom Schlossgarten aus zugänglich sein. Die Arbeiten im Inneren des Turms sind inzwischen so weit gediehen, dass der Turm für Besucher wieder geöffnet werden kann.
Wie kompliziert sich die Entkernung und Innensanierung gestaltet hat, erläuterte Architekt Jürgen Krieg. Über tausend einzelne Bauteile mussten durch den geöffneten Turmkopf mittels eines Krans nach innen befördert werden. "Wir nannten es Lego für Große", so der Architekt. Die asymmetrische Architektur des nicht homogenen Baus, der unten viereckig im oberen Teil achteckig ist, wobei die Winkel alle unterschiedlich gestaltet sind, komplizierte den Aufzugeinbau und den der Treppe, die sich um den Lift herumwendelt. Nach jahrelanger Umbauzeit und der Investition von 4,8 Millionen Euro befördert der Aufzug die Besucher jetzt bis zur vorletzten Etage des Schlossturms. Dort müssen sie durch eine Lichtschranke, die die jeweilige Anzahl registriert, bevor sie zur Aussichtsplattform gelangen "Das ist eine Brandschutzauflage. Es dürfen nicht mehr als 60 Personen gleichzeitig auf den Turm", erläutert der Stadtbaurat.
Die unverputzten Innenwände des Turms lassen die Unterschiede der verschiedenen historischen Bauphasen von den mittelalterlichen Bruchsteinen im unteren Teil bis zu den weitaus kunstfertiger gestalteten Mauern und Simsen des Oberteils aus der Renaissance gut erkennen und machen die Fahrt mit dem Lift zu einer Reise durch die Historie des Baus. "Die noch ausstehende Anbringung von zehn erläuternden Tafeln plus zwei Videoinstallationen zur Entstehungsgeschichte machen die komplexe Struktur verständlich", sagt Museumsleiter Dr. Verse. Auf der untersten Plattform im Keller sind in einer Vitrine zahlreiche spannende Fundstücke aus der langen Geschichte des Baus zu sehen, die von den Archäologen nach der Entkernung gesichert werden konnten. Es gibt Relikte der mittelalterlichen Abtsburg, vom Renaissance-Schloss aus dem 17. Jahrhundert und dem Ursprung des jetzigen Barock-Schlosses.