Vertrag läuft 2027 aus
"Es geht nur gemeinsam" - bleiben die Franziskaner auf dem Frauenberg?
Wie geht es auf dem Frauenberg weiter?
Archivbild: O|N / Carina Jirsch
22.12.2025 / FULDA -
Die Frage um die Zukunft des Frauenbergs bewegt mittlerweile seit Jahren die Fuldaer - bereits 2022 war sie ungewiss. Nun rückt das Ende des Vertrages näher: Bleiben die Franziskaner über 2027 hinaus? Wie geht es weiter mit Kloster, Klostercafé, Tagungshaus und der inklusiven Arbeitswelt, die antonius dort aufgebaut hat? OSTHESSEN|NEWS hat nachgehakt - bei Orden, antonius, der Stadt Fulda und dem Bistum.
Das Kloster Frauenberg steht als spirituelles Wahrzeichen Fuldas vor einer wichtigen Zukunftsentscheidung. Seit 2017 arbeiten die Franziskaner und antonius : gemeinsam Mensch in einer engen Kooperation zusammen - ein Projekt, das viel Gutes bewirkt hat, aber ohne zusätzliche Unterstützung langfristig nicht gesichert ist. Seit 785 Jahren wirken Franziskaner in Fulda, seit fast 400 Jahren auf dem Frauenberg, und seit über 120 Jahren besteht eine enge Verbindung zu antonius. Gemeinsam teilen sie Werte wie Achtsamkeit, Weltoffenheit und ein christliches Menschenbild. Doch trotz der erfolgreichen Entwicklung, von täglicher Seelsorge bis hin zu vielfältigen inklusiven Angeboten, bleibt die Zukunft ungewiss, da der Orden den Standort aus eigener Kraft nicht mehr tragen kann.
Franziskaner zeigen sich zuversichtlich
Der Provinzialminister der Deutschen Franziskanerprovinz, Bruder Markus Fuhrmann, blickt mit Optimismus in die Zukunft. Er vertraue darauf, "dass sich die beteiligten Parteien - also das Bistum Fulda, die Stadt Fulda, die St. Antonius-Stiftung und die Deutsche Franziskanerprovinz - grundsätzlich darüber einig werden, wie die Unterhaltskosten für die Klosterimmobilie künftig gemeinsam geschultert werden können". Außerdem erzählte er OSTHESSEN|NEWS, dass er deshalb zuversichtlich sei, dass die Franziskaner auch über das Jahr 2027 hinaus auf dem Frauenberg präsent bleiben werden. Personalentscheidungen seien bereits in dieser Annahme getroffen worden, so ist im Oktober dieses Jahres Bruder Michael Blasek aus dem aufgegebenen Standort in Großkrotzenburg nach Fulda gewechselt.
"Ohne die Kooperation mit der Antonius-Stiftung würden viele Angebote, die der Frauenberg aktuell bietet - wie zum Beispiel das inklusiv betriebene Café Flora, das ebenfalls inklusiv betriebene Tagungshaus oder das Gottesdienst-Format 'Hoch Oben' - wegfallen. Alleine könnten wir Franziskaner den Frauenberg nicht sinnvoll betreiben. Deshalb wollen wir die fruchtbare und bewährte Zusammenarbeit fortsetzen", hebt der Provinzialminister hervor, dem die Kooperation mit antonius sichtlich am Herzen liegt.
antonius: "Keiner kann diesen Ort alleine erhalten"
Auch bei antonius ist die Verbundenheit groß. Für Alexander Gies, Leiter der Kommunikation, ist ein Abschied der Franziskaner kaum vorstellbar. Seit mehr als 400 Jahren seien sie dort zu Hause, die Verbindung zu antonius bestehe seit über 120 Jahren. Man gehe daher zuversichtlich davon aus, dass eine Lösung gefunden werde. Gleichzeitig macht Gies deutlich: Sollte die Finanzierung scheitern, würde nicht nur der Orden den Frauenberg verlassen - auch antonius müsste sein Engagement einstellen.
Die Kooperation habe den Frauenberg in den vergangenen Jahren spürbar belebt und für die Öffentlichkeit geöffnet: als Ort der Spiritualität, der Inklusion und der Gemeinschaft. Veranstaltungen, das Tagungshaus, das Klostercafé, Märkte und Konzerte würden sehr gut angenommen. Besonders schwer würde ein Ende der Kooperation die Beschäftigten treffen: Derzeit arbeiten 112 Menschen auf dem Frauenberg, viele davon in inklusiven Arbeitsverhältnissen. "112 Arbeitsplätze bedeuten 112 Mal Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben", betont Gies gegenüber O|N.
Stadt und Bistum halten sich bedeckt
Die Stadt Fulda bestätigt, dass seit geraumer Zeit intensive Gespräche mit allen Beteiligten geführt werden. Man prüfe "verschiedene Optionen und deren Zukunftsfähigkeit", erklärte Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt. Konkrete Ergebnisse seien derzeit allerdings noch nicht absehbar.
Auch das Bistum Fulda verweist auf laufende Gespräche. Man stehe in konstruktivem Austausch über eine tragfähige Zukunftslösung für den Frauenberg, möchte sich zu den Inhalten aktuell jedoch nicht näher äußern.
Fest steht: Der Frauenberg steht an einem Scheideweg. Klar ist aber auch, dass keiner der Beteiligten diesen besonderen Ort alleine tragen kann. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es gelingt, eine gemeinsame Lösung zu finden. Was passiert, sollte keine tragfähige Finanzierung gefunden werden, fasst Bruder Markus Fuhrmann knapp, aber deutlich zusammen: "Dann wäre das nicht gut für die Zukunft des Frauenbergs." (Emely Schrön) +++