"Respekt für unsere Sicherheit"

Blaulicht-Kampagne gestartet: Lebensretter sind keine Zielscheibe!

Die Gesichter der Kampagne "Respekt für unsere Sicherheit" bei der Vorstellung der Initiative mit Bürgermeister Benjamin Tschesnok am Montagabend in Hünfeld
Fotos: Hans-Hubertus Braune

09.09.2025 / HÜNFELD - Dieser Fall wirkt nach und schockt nicht nur die Retter noch heute: Als die Besatzung eines Rettungswagens gerade eine Person reanimieren will, wird die Türe aufgerissen und ein Passant verlangt, endlich mal die Kiste zur Seite zu fahren, damit er einkaufen fahren kann.



So geschehen im Hünfelder Land. Der Rettungswagen stand auf der Straße, weil es keine Parkbucht gibt. Es ging um Leben und Tod, um Sekunden.

Es ist kein Einzelfall, immer wieder berichten Hauptamtliche wie Ehrenamtliche von Beleidigungen, von Hass und Gewalt. Realität ist natürlich auch: Oftmals sind die betroffenen Personen und ihre Angehörigen froh und dankbar, wenn ihnen geholfen wird und sie zeigen ihre Verbundenheit mit anerkennenden Briefen oder Taten. Sei es Kaffee oder Wasser - beides wird von Einsatzkräften bei einem längeren Einsatz gerne angenommen. Aber die andere, die hässliche Seite ist keine Eintagsfliege - leider.

Idee entstand beim Nordsee-Urlaub

In Hünfeld (Kreis Fulda) hat die Blaulichtfamilie deshalb eine besondere Kampagne ins Leben gerufen. Die Idee dazu hatte Steffen Diegmüller. Der Rettungsdienstleiter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Hünfeld erzählt: "Ich habe bei einem Urlaub an der Nordsee ein Plakat in einem Dorf gesehen, wo für mehr Respekt und Rückhalt für die Einsatzkräfte geworben wurde", sagte Diegmüller im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS und griff dies in der Haunestadt im Nachgang zum ersten Blaulichttag vor zwei Jahren auf.

"Wir haben hier eine starke Blaulichtfamilie, darauf können wir stolz sein", so Diegmüller. Herausgekommen ist die Kampagne "Respekt für unsere Sicherheit". "Unsere" ist bewusst gewählt. Es geht um die Sicherheit der Einsatzkräfte. Geht es ihnen schlecht und sie können nicht helfen, geht es uns als Gesellschaft schlecht. Auf großen Rollups und Werbebannern sowie Anzeigen zum Beispiel auf der Internetseite der Haunestadt oder in den sozialen Medien sind Männer und Frauen in ihren Uniformen zu sehen. Es sind Mitmenschen aus der Nachbarschaft. Das macht den Unterschied zu anderen Initiativen.

Das ist der Nachbar, den ich beim Einkaufen treffe

"Die Bürger sollen sehen: Das sind Menschen, die in unserer Gesellschaft mit uns leben und sich hauptamtlich oder ehrenamtlich für uns einsetzen", sagt Diegmüller. Es ist der Nachbar, den ich beim Einkaufen, auf dem Sportplatz oder beim Italiener in der Stadt treffe. So wird ein Bezug geschaffen - und hoffentlich zum Nachdenken angeregt. "Hinter jeder Uniform steckt auch ein Mensch" oder "Ehrenamt, Berufung und Lebensretter sind keine Zielscheibe" steht in Zitaten neben den Kräften.

Fotoclub erstellte die Bilder und Videos

Der Fotoclub Hünfeld hat die Protagonisten eindrucksvoll in Szene gesetzt und produziert Kurz-Videos fürs Internet. Zwei Beiträge sind bereits fertig und wurden neben den Rollups am Montagabend während eines kleinen Empfangs im Rathaussaal der Haunestadt vorgestellt. Die Stadt unterstützt die Kampagne und hat sie bereits auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

"Gemeinsam wollen wir ein Zeichen setzen: für Wertschätzung und Respekt. Ob Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei oder Katastrophenschutz - Einsatzkräfte stehen 24/7 bereit, um anderen zu helfen, Leben zu retten und für Sicherheit zu sorgen. Immer wieder werden diese hierbei jedoch mit Gewalt, Anfeindungen oder Respektlosigkeit konfrontiert. Das darf nicht sein, sondern Sie verdienen eines: Respekt! Gemeinsam wollen wir ein Zeichen setzen, für Wertschätzung und Respekt", schreiben die Hilfs- und Rettungsorganisationen auf der Internetseite.

Bei der Kampagne "Respekt für unsere Sicherheit" wirken der Kreisverband Hünfeld des Deutschen Roten Kreuzes mit, die Hünfelder Feuerwehren, der Ortsverband Hünfeld des THW sowie die Polizeistation Hünfeld des Polizeipräsidiums Osthessen, die Helios Klinik Hünfeld sowie der Ortsverband Hünfeld der DLRG und die Bundespolizei mit.

Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) begrüßte die Vertreter der Organisationen und dankte ihnen für die Idee und Umsetzung der Kampagne. "Ich danke allen Mitwirkenden, Modellen und Organisationen für ihre Beteiligung und Unterstützung", sagte der Rathauschef. Im nächsten Jahr ist zudem der nächste Blaulichttag in Hünfeld in Planung. Weitere Informationen zur Kampagne im Internet unter dem Link Respekt für unsere Sicherheit . (Hans-Hubertus Braune) +++

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