Einzigartiges Pilotprojekt

Geflüchtete verschönern Gemeinden - und lernen fürs Leben

Seit Anfang des Jahres läuft ein einzigartiges Pilotptojekt in Bad Salzschlirf und Großenlüder (v.l.n.r): Wakhili aus Afghanistan, Mhalli Al Hishein aus Syrien, Olha aus der Ukraine, Holger Müller (AgH Grün Vorarbeiter), Stefan Fey (Fachanleiter AgH Grün), Helmut Kühn (Ehrenamtler), Friedrich Meister (Voristzender Gemeindevertreter), Wenke Selke (Geschäftsführung Touristik und Service GmbH), Christian Bornträger (Marketing und Veranstaltung) und Herbert Post (Erster Beigeordneter).
Fotos: Emely Schrön

29.08.2025 / BAD SALZSCHLIRF/GROßENLÜDER - Seit Januar engagieren sich Geflüchtete im Rahmen eines Pilotprojekts des Landkreises Fulda in den Gemeinden Bad Salzschlirf und Großenlüder. Sie unterstützen bei der Pflege des Ortsbildes, kümmern sich um Grünanlagen und helfen bei der Instandhaltung von Bänken. OSTHESSEN|NEWS war vor Ort und hat sich angeschaut, wie das Projekt - gerade mit Hinblick auf das baldige Lichterfest in Bad Salzschlirf - läuft.


Das Pilotprojekt "AGH Grün" umfasst jedoch nicht nur die Arbeit, sondern auch eine Sprachförderung. Teilnehmende Asylbewerber können also ihre Deutschkenntnisse verbessern, lernen den Arbeitsalltag kennen und qualifizieren sich gegebenenfalls für eine Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt. Doch wie kam es überhaupt zu dem Projekt?

"Überproportional viele Asylbewerber"

Herbert Post, der erste Beigeordnete von Bad Salzschlirf, erklärt gegenüber O|N: "Wir haben in Bad Salzschlirf und Großenlüder überproportional viele Asylbewerber. Da kam der Gedanke: Wie kann man sie gut hier einbinden?". Eine Arbeitsgruppe vom Fuldaer Bildungspartner Grümel, die für "AGH Grün" zuständig ist, wurde folgend vom Landkreis beauftragt. Seit Anfang des Jahres läuft das Vorhaben bereits. Bis 2026 ist es derzeit geplant, beizubehalten. Das Konzept ist sinnvoll und gemeinnützig gedacht: "Es geht darum, dass die geflüchteten Menschen bei uns gleichzeitig die Sprache, aber auch das Arbeiten erlernen. Dafür gehen sie montags und mittwochs für jeweils drei Stunden in die Sprachschule und arbeiten sonst rund 24 Stunden in der Woche", so Stefan Fey, der Fachanleiter des Vorhabens von Grümel. Aktuell befinden sich fünf Geflüchtete in der Arbeitsgruppe, für bis zu acht ist Platz.

Wochenwechsel zwischen Bad Salzschlirf und Großenlüder

Immer im Wechsel zwischen den beiden Gemeinden arbeiten die fünf in verschiedensten Bereichen. "Jeder erhält eine Einweisung, viele kennen die deutschen Arbeitsgeräte und Werkzeuge zum Beispiel nicht", erläutert Stefan Fey. Weiter heißt es: "Dementsprechend macht jeder hier alles." Das reicht vom Rasenmähen an der Mariengrotte, über die Unkrautentfernung an den Kriegsgräbern bis hin zur Säuberung der Europabrücke - eines der Wahrzeichen Bad Salzschlirfs. "Im Winter entfernen wir dann beispielsweise die Bänke an den Plätzen und streichen sie neu, es gibt also immer etwas zu tun, egal zu welcher Jahreszeit." In Großenlüder wurden aktuell zum Beispiel die Sportplätze gereinigt.

Vor allem in Hinblick auf das anstehende Lichterfest am kommenden Wochenende kommen einige der Verschönerungsmaßnahmen gelegen: "Wir wollen nicht nur, dass der Kurort leuchtet, sondern dass er glänzt", scherzt Christian Bornträger, Mitarbeiter im Bereich Marketing und Veranstaltung. "Wir als Gemeinde sind einfach glücklich, dass wir diese Unterstützung erhalten - das nimmt uns als Ort viel Arbeit ab", ergänzt Wenke Selke, die Geschäftsführerin der Touristik und Service GmbH.

"Im Zuge der Vorbereitungen zum Lichterfest konnten die Asylbewerber auch unseren aktiven Rentnern, Helmut Kühn, Herbert Post und Friedrich Meister zur Hand gehen, die unser Wirtschaftshof-Team bei Reinigungs – und Pflegearbeiten unterstützen. Allen voran muss hier Helmut Kühn genannt werden, denn er setzt sich seit Jahrzehnten für die Wasserfontänen– Installationen ein, die über das Lichterfest-Wochenende in der Altefeld sprudeln", so Selke abschließend.

Und das wichtigste: Auch die Teilnehmer haben Freude an dem Projekt. Mhalli Al Hishein aus Syrien erzählt im O|N-Gespräch: "Es macht Spaß, ich finde das Konzept gut." Alles in allem zeigt sich, dass das Pilotprojekt funktioniert. "Und wir hoffen, dass es auch nach 2026 noch weitergehen kann", sind sich alle Beteiligten einig. (Emely Schrön) +++


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