Bergretter feiern 65. Geburtstag!
Flugzeug- und Kletter-Unfälle: Was steckt hinter der Bergwacht Wasserkuppe?
Fotos: Carina Jirsch
01.09.2025 / GERSFELD (RHÖN) -
Natur genießen und einen sportlichen Kick erleben - das zieht viele Menschen aus nah und fern zum Klettern an die Steinwand, nahe der Rhön-Gemeinde Poppenhausen im Landkreis Fulda. Alle setzen einen Helm auf, nur einer nicht. "Ich bin erfahrener Bergsteiger", sagt er. Doch das sonst rettende Seil soll ihm durch eine unterschätzte Dehnung schon kurz darauf zum Verhängnis werden. Er stürzt aus knapp drei Metern Höhe von der Felswand und prallt mit dem ungeschützten Kopf auf ein Plateau. Jetzt ist die Bergwacht Wasserkuppe gefragt!
Genau dieses Szenario ereignete sich vor einiger Zeit mit einem Mann aus Gießen. Auch vor wenigen Tagen ereignete sich ein Kletterunfall an derselben Stelle. Egal, ob bei Ski-, Wander- oder Kletterunfällen - die Bergwacht schreitet zur Tat, sobald die zu rettende Person von festen oder gehfähigen Wegen entfernt ist. Doch was genau bedeutet die Arbeit eigentlich? Und wie läuft der Alltag der Mitglieder ab? OSTHESSEN|NEWS hat in einem Exklusiv-Interview mit Tobias Heil, dem Pressesprecher der Bergwacht Wasserkuppe, nachgefragt.
"Bei jedem Wetter, zu jeder Zeit, in jedem Gelände einsatzbereit"
Doch die Bergwacht diente nicht schon immer als Retter aus unwegsamen Gelände. "Die Bergwacht Deutschland wurde als Naturschutzorganisation gegründet. Damals ging es darum, die Umwelt vor den Menschen zu schützen. Mit der Zeit kam es aber immer häufiger zu Unfällen und verletzten Personen. Auch heute noch besinnen wird uns auf den Naturschutz, aber mittlerweile liegt unsere Hauptaufgabe bei der Rettung", erklärt Heil. Die Station auf Hessens höchstem Berg weist eine ähnliche Geschichte auf. "Die Bergwacht Wasserkuppe beruhte auf dem Skibetrieb und dessen sanitätsdienstlicher Absicherung." So wurde sie 1960 gegründet. Im Jahr 2020 kam die Bergwacht-Jugend hinzu - mit mittlerweile rund 55 Kindern. Offensichtlich ein äußerst gefragtes Ehrenamt auf der Wasserkuppe! Das kann vor allem am abwechslungsreichen Alltag - mit diversen Rettungen wie bei Jagd- und Forstunfällen sowie der Luftrettung - liegen. Wenn zusätzlich Interesse sowohl an Medizin als auch der Natur und die Bereitschaft Klettern und Skifahren zu lernen, vorhanden ist, ist die Bergwacht perfekt. Passend dazu der Leitspruch: "Bei jedem Wetter, zu jeder Zeit, in jedem Gelände einsatzbereit."
Bergwacht Wasserkuppe ist Teil des Rettungsdienstes
Der Stützpunkt auf der Wasserkuppe ist die einzige Bergwacht im Landkreis Fulda und kann im gesamten Gebiet eingesetzt werden. Ihre Einsatzbereitschaft reicht aber auch weit über diese Grenzen hinaus: Beim Hochwasser im Ahrtal (Nordrhein-Westfalen) stand die Bergwacht Wasserkuppe in Voralarm und hätte jederzeit mit Quad und Luftrettern vor Ort eingesetzt werden können. Über den Notruf 112 wird die Bergwacht von der Leitstelle alarmiert. Durch die offizielle Beauftragung des Landkreises Fulda ist die Bergwacht Wasserkuppe fester Bestandteil des Rettungsdienstes im Kreis. Anders als häufig angenommen, ist die Bergwacht keine klassische "First Responder"-Einheit, sondern gleichwertiger Partner im Rettungsdienst. Sowohl materiell als auch personell ist die Bergwacht Wasserkuppe so gut ausgestattet wie der bodengebundene Rettungsdienst.
Möglichkeit der psychologischen Unterstützung
"Die meisten Einsätze laufen glücklicherweise glimpflich ab. Ein bekanntes Phänomen ist beispielsweise der Gleitschirmflieger, der im Baum hängt. Dabei handelt es sich oft nur um eine freiwillige Notlandung", so Heil im Gespräch mit O|N. Dennoch warnt er: "Schwierigkeiten ergeben sich aus den örtlichen Gegebenheiten und den Verletzungen der Personen. Deshalb ist jeder Einsatz einzeln zu betrachten." Glücklicherweise kommt es nicht oft zu Einsätzen mit schwerwiegenden Folgen - umso mehr bleiben die tragischen Unfälle im Gedächtnis. "In einem Jahr hatten wir besonders häufig Kletterabstürze an der Steinwand." So auch der Unfall des Gießeners zu Beginn des Artikels. Ein weiteres tragisches Erlebnis war das Flugzeug-Unglück direkt auf der Wasserkuppe, als eine Mutter mit ihren zwei Kindern starb. "Sowas ist nicht leicht zu verarbeiten, deshalb ist es gut, dass wir die Möglichkeit haben, psychologische Unterstützung zu nutzen."
65-jähriges Jubiläum im September
Die Bergwacht ist also mehr als man zuerst denken mag - und das kann sich sehen lassen. So lobt Heil: "Ich bin besonders stolz auf die Mannschaft und den Zusammenhalt, den wir hier oben haben. Es ist Wahnsinn, was wir gemeinsam auf die Beine stellen." Um diese beeindruckende Leistung zu feiern, veranstaltet die Bergwacht Wasserkuppe vom 12. bis zum 14. September ihr 65-jähriges Jubiläum. "Wir hoffen auf modernere Räumlichkeiten und mehr Stellplätze - und natürlich, dass es so auch die nächsten 65 Jahre weitergeht."
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