"Bin hier gut aufgehoben"

"Viele denken, Hospiz ist nur für das Sterben, dabei gestalten wir Leben"

André Popp ist Geschäftsführer vom Diakonie Pflegezentrum in Rotenburg an der Fulda und Dajane Trostmann Leiterin und Pflegedienstleiterin vom Elisabeth-Hospiz
Fotos: Hans-Hubertus Braune

26.08.2025 / ROTENBURG/F. - "Ich bin hier gut aufgehoben und habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Es war keine leichte Entscheidung, hierher zu gehen", sagt eine Frau aus der Region. Seit Anfang August ist sie Gast im Elisabeth-Hospiz in Rotenburg an der Fulda. Zu Hause konnte sie nicht mehr alleine bleiben, ihren Angehörigen wollte sie keine zusätzliche Last aufbürden.



Ihr Zimmer ist großzügig, hell und offen. Die Einrichtung gehört zum Pflegezentrum der Diakonie und wurde im Jahr 2023 eröffnet. Acht komfortable Einzelzimmer stehen zur Verfügung. Die Atmosphäre ist herzlich, das Gebäude samt Innenhof wunderschön gestaltet. Die Bauweise ist bewusst gewählt.

Dajane Trostmann leitet das Hospiz und ist gleichzeitig Pflegedienstleiterin. "Das Hospiz ist zum Leben da. Wir erleben leider, dass die Gäste wirklich auf Kante kommen oder viele denken, Hospiz sei nur für das Sterben. Hospiz heißt jedoch, das Leben und die Lebensqualität zu erhalten oder im besten Falle sogar noch einmal ein bisschen zu steigern, sodass Wünsche erfüllt werden können", sagt Trostmann.

"Wir hatten zwei Hochzeiten hier"

Insgesamt 21 Mitarbeiter kümmern sich liebevoll um die Gäste. Niemand sei hier eingesperrt - ganz im Gegenteil. Die Gäste können auf Wunsch nach Hause in ihren Garten oder zu einer Familienfeier. "Wir hatten zwei Hochzeiten hier, Erntedank- und Weihnachtsfeiern. Oder mehrere Goldene Hochzeiten, die richtig im Innenhof gefeiert wurden - mit Grill und Catering. Die Schwestern haben sogar ein Candlelight-Dinner organisiert, weil sich hier zwei Gäste gefunden haben und eine sehr gute Freundschaft entstanden ist", erzählt André Popp. Er ist Geschäftsführer des Pflegezentrums der Diakonie in Rotenburg an der Fulda.

Die Mitarbeiter erfüllen zudem besondere Wünsche: etwa noch einmal den Besuch bei einem Fußball-Bundesligaspiel, einen Einkaufsbummel in der Fußgängerzone von Bad Hersfeld, ein Eis essen gehen oder eine Fahrt ans Meer. Auch das gehört zum Konzept des Elisabeth-Hospizes.

Trotz allem weiß hier jeder, dass die Erkrankung der Gäste so weit fortgeschritten ist, dass eine Heilung medizinisch kaum mehr möglich erscheint. Es ist die letzte Lebensphase - aber eben noch Leben. Und genau das will das Hospiz auch nach außen transportieren. Die Mitarbeiter wollen die Hemmschwelle sowie die nachvollziehbaren Bedenken und Ängste der Menschen minimieren. Für sie geht es darum, die Gäste zu unterstützen und ihnen diese Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten.

"Ein völlig neues Miteinander"

Wenn die Erkrankung die Gäste schwächt, sind die Mitarbeiter besonders zur Stelle: Sie betreuen die ihnen anvertrauten Gäste - und natürlich auch deren Verwandte. Dabei beobachten sie häufig, dass Angehörige ein schlechtes Gefühl haben, wenn etwa ihre Mutter oder ihr Vater in einem Hospiz sind. Von "Abschieben" sei dann häufig die Rede. "Ganz oft waren die Situationen zu Hause vorher so angespannt, dass wir hier mithelfen können, eine gute Beziehung wieder aufzubauen. Weil es zu Hause häufig krisenhaft ist - durch die hohe Belastung für beide Seiten, durch die Angst und das Nicht-Wissen, was als Nächstes kommt. Oder die Angst, Fehler zu machen", sagt Trostmann.

Genau hier unterstützt das Hospiz, übernimmt diese Aufgaben. Dadurch können Familien ein völlig neues Miteinander erleben. "Und das ist so schön zu sehen, wenn man dann hört: Ich war meiner Mama oder meinem Papa schon Jahre nicht mehr so nah. Und die Dankbarkeit, diese Zeit geschenkt bekommen zu haben - als wirkliche Zeit, die man nutzen kann, weil das komplizierte Drumherum wegfällt", sagt die Hospiz-Leiterin.

"Wenn ich nicht wüsste, warum ich eigentlich hier im Hospiz bin, könnte ich für immer hier bleiben, so schön ist es", sagt die Frau aus der Region vom Anfang des Artikels. Natürlich wäre sie lieber gesund zu Hause. Doch die letzte Phase des Lebens bestmöglich lebenswert zu gestalten - darin sehen Dajane Trostmann und ihre Kolleginnen und Kollegen ihre Aufgabe, ihre Motivation im Elisabeth-Hospiz. (Hans-Hubertus Braune) +++

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