"CDU vor Ort" im Klinikum Fulda

"Wir können keine Ärzte backen - wir müssen sie für unsere Region gewinnen"

"CDU vor Ort" bespricht im Klinikum die Wichtigkeit der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung für die Region.
Fotos: Carina Jirsch

21.08.2025 / FULDA - Wie gelingt es, auch in Zukunft eine flächendeckende medizinische Versorgung in der Region sicherzustellen? Dieser Frage ging die CDU Fulda am Mittwochnachmittag im Klinikum Fulda im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe "CDU vor Ort" nach. Vertreter des Klinikums, dem Medizinischem Versorgungszentrum (MVZ) und dem Gesundheitsnetz Osthessen (GNO) beleuchteten aktuelle Herausforderungen - denn: In den nächsten fünf Jahren wird fast jeder vierte Haus- und Facharzt in den Ruhestand gehen.


Die Veranstaltung ist Teil der CDU-Reihe "CDU vor Ort", bei der lokale und gesellschaftlich relevante Themen aufgegriffen und im direkten Austausch diskutiert werden. CDU-Stadtverordnete Dorothee Hauk-Hiersch erinnerte daran, dass seit Beginn des Jahres bereits Veranstaltungen zu Gewalt gegen Frauen oder der Digitalisierung stattfanden. Jetzt also ein Thema, das jeden betrifft: die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung.

Massive Herausforderungen für die Region

Gastgeber und Klinikvorstand Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel begrüßte die Gäste im Campus Fulda innerhalb des Klinikums. Zu Beginn wird direkt ersichtlich: Die demografische Entwicklung, neue Erwartungen an den Arztberuf und eine steigende Zahl älterer Patienten stellen die Region vor massive Herausforderungen. Menzel machte klar: "Wir müssen Fulda für junge Mediziner attraktiv machen - das gelingt nur mit guter Begleitung, attraktiven Arbeitsbedingungen und echten Perspektiven."

Auch Simone Del Luca, Geschäftsführerin des MVZ, schloss sich dieser Prognose an. Gleichwohl sich das Medizinische Versorgungszentrum seit seiner Eröffnung vor 20 Jahren merklich weiterentwickelt habe, fehlt es an Fachkräften. Perspektivisch möchte sie mit ihrem Team einen niedrigschwelligeren Zugang für Patienten und auch eine Verbesserung der Erreichbarkeit erzielen - ein heiß diskutiertes Thema in der Region, wie Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bestätigte: "Wir bekommen oft Anfragen von Bürgern, die keine Termine erhalten." Gleichzeitig hebt er aber auch hervor, dass eine Institution wie das MVZ am kommunal getragenen Klinikum keine Selbstverständlichkeit sei und Anerkennung verdiene.

"Wir können keine Ärzte backen"

Dr. Ralph-Michael Höhnischer, Vorsitzender des Gesundheitsnetzwerks Osthessen, warnte vor einer absehbaren Welle an Praxisschließungen: "Etwa 37 Prozent unserer Hausärztinnen und Hausärzte sind über 60 - es wird ernst." Er warb dafür, junge Mediziner frühzeitig an die Region zu binden, etwa durch ähnliche Projekte wie mit der Uni Marburg. Auch die Zahnuniversität wird als positives Beispiel hervorgehoben. Gleichzeitig machte er deutlich: "Wer einen guten Hausarzt hat, braucht oft nicht direkt einen Facharzt - aber wir brauchen politische Unterstützung, um diese Versorgung aufrechtzuerhalten." Sein Appell: "Wir können keine Ärzte backen - wir müssen sie für unsere Region gewinnen."

Kritik am System

Die anschließende Diskussion zeigte deutlich: Die Probleme sind nicht nur statistisch messbar, sondern spürbar im Alltag vieler Menschen. Eine Zuhörerin schilderte ihre Schwierigkeiten, einen Dermatologen-Folgetermin im MVZ zu bekommen. Die Antwort der Podiumsteilnehmer fiel deutlich aus: Notfälle würden priorisiert, Folgetermine könne man jedoch nicht immer garantieren. Die Kapazitäten reichen einfach nicht - was abermals mit dem bundesweiten System der ärztlichen Versorgung zusammenhängt.

Ein Wunsch, den alle teilen: weniger Bürokratie. "Ich gratuliere Ihnen zum bürokratischen Wahnsinn", scherzte Dr. Ralph-Michael Hönscher, Vorstandsvorsitzender des GNO, hinsichtlich der bedrückenden Lage. Deutliche Worte fand auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion, Hans-Dieter Alt: "Das Grundproblem ist ein perverses Abrechnungssystem - wer als Arzt mehr tut, wird noch finanziell bestraft." Auch die Hürde eines 1,0-Abiturs für das Medizinstudium sei realitätsfern: "Wir brauchen mehr Raum für angehende Ärzte, nicht so viele Hindernisse."

Am Ende steht ein klares Fazit: Die Region steht vor einem medizinischen Umbruch. Politik, Kliniken und Versorger müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten - und das tun sie bereits. Dr. Menzel brachte es auf den Punkt: "Wir warten nicht auf Berlin - wir handeln hier vor Ort." Einigkeit herrschte im Saal darüber, dass es nicht den einen Königsweg gibt. Aber: Die Gesprächsbereitschaft, das Engagement und die gute Zusammenarbeit in der Region sind wichtig, um den Problemen der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung entgegenzuwirken. (ems) +++



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