"Für Stadt und Region ein Gewinn"
Geplante Zahn-Universität: Das sagen die Zahnärzte aus Fulda zum Projekt
Dr. Mahmoud Enaia, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie aus Fulda
Fotos: Rene Kunze
16.09.2025 / FULDA -
2027 sollen die ersten Studenten an der Zahn-Universität in Fulda studieren können (O|N hat berichtet). Ein Antrag auf staatliche Anerkennung wurde bereits gestellt. Aus den Fraktionen der Stadtverordneten gibt es viel Zuspruch für das Projekt. Doch wie sehen die Fuldaer Zahnärzte die neue Uni? Wir haben sie gefragt.
Die Zahnärzte aus Fulda teilen gegenüber OSTHESSEN|NEWS zur geplanten Zahn-Uni mit:
Dr. Michael Knapp, Zahnarzt aus der Fuldaer Innenstadt:
"Die zahnmedizinische Hochschule ist ein großartiges Projekt für die Stadt Fulda, das sowohl die Bedeutung des Wissenschaftsstandortes Fulda fördern als auch die zahnmedizinische Ausbildung auf ein neues Niveau heben und zahnärztliche Versorgung der Region langfristig sicherstellen wird", so Knapp. Für junge Kollegen ergebe sich damit der Vorteil, ihre theoretischen Kenntnisse gleich in der Praxis zu übertragen.
Und er betont: "Ein beträchtlicher Teil der Fuldaer Zahnärzte wird in den nächsten 10 - 15 Jahren Nachfolger für ihre Praxen benötigen. Der direkte Kontakt über die Kooperation wird es vielen Zahnärzten erleichtern, diese zu finden, was wiederum einer kontinuierlichen Patientenversorgung zugutekommen wird."
Abschließend macht Knapp deutlich: "Grundsätzlich wird die zahnmedizinische Hochschule ihre Schwerpunkte auf Ausbildung und Forschung legen und nicht auf großflächige Patientenbehandlung. Diese wird weiterhin von den ortsansässigen Zahnärzten, Kieferorthopäden und Chirurgen übernommen. Alles in allem wird die zahnmedizinische Hochschule ein Projekt sein, das sowohl in wissenschaftlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht für die Stadt und die Region einen Gewinn darstellen und Fulda als Wissenschaftsstandort voranbringen wird."
"Eine Reihe von Bedenken"
Dr. Jens Johannes Bock, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie aus Fulda:
"Bei der geplanten zahnmedizinischen Ausbildungsstätte habe ich eine Reihe von Bedenken: Im Bereich Zahnmedizin besteht in der Kernstadt Fulda ein sehr hoher Versorgungsgrad, insbesondere von Fachzahnärzten. Die in anderen medizinischen Disziplinen bekannten Probleme von fehlender Verfügbarkeit für die Patienten kann ausgeschlossen werden. Termine sind ausreichend schnell zu bekommen, ein etablierter Notdienst sichert die Bereitschaft", so Bock.
Und er erklärt weiter: "Als Trägerschaft ist wohl das Klinkum Fulda geplant, das in den vergangenen zwei Jahren durch beachtliche öffentliche Mittel gestützt werden musste. Es besteht deshalb die große Sorge, dass die geplante Einrichtung vornehmlich als MVZ agieren soll und damit eine mehr oder weniger öffentlich subventionierte Konkurrenz für die niedergelassenen Kollegenschaft befürchtet werden darf", macht Bock deutlich. Er sieht außerdem Bedenken im Bereich der angepeilten Studiengebühren und der damit verbundenen Risiken der Steuerzahler, sowie der geplanten Studienstruktur.
Dr. Mahmoud Enaia, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie aus Fulda:
"Mit der geplanten privaten Universität für Zahnmedizin bietet Fulda angehenden Studierenden eine attraktive Möglichkeit, ihren Wunsch nach einem Studienplatz in diesem stark nachgefragten Fach zu verwirklichen. Ein entscheidender Vorteil liegt zudem in der Kooperation mit dem Klinikum Fulda und der zahnärztlichen Gemeinschaft, die hervorragende Voraussetzungen für eine praxisnahe und umfassende Ausbildung schaffen", so Enaia.
Entscheidend werde sein, dass "dieser Weg in enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Fulda, dem Klinikum Fulda sowie der niedergelassenen Zahnärzteschaft beschritten wird – wie es in den Planungen vorgesehen ist", so Enaia. Besonders wichtig sei dabei die geplante Verzahnung von universitärer Ausbildung und praktischer Erfahrung.
Dennoch gebe es Herausforderungen: "Der Fachkräftemangel im Bereich der zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) stellt schon heute eine große Belastung dar. Ohne ausreichend qualifiziertes Assistenzpersonal lassen sich zusätzliche Versorgungskapazitäten nur schwer umsetzen. Für die Region Fulda bedeutet dies: Nur wenn es gelingt, parallel zur Universitätsgründung auch die Ausbildung, Gewinnung und Bindung von Zahnärzten sowie zahnmedizinischem Fachpersonal zu stärken, kann der Landkreis seinen Rang als einer der beliebtesten und dynamischsten Standorte Hessens für Zahnmediziner langfristig sichern", so Dr. Mahmoud Enaia abschließend.
Grundsätzlich lässt sich nach der Recherche von OSTHESSEN|NEWS sagen, dass die geplante Zahn-Uni ein heikles Thema bei den Zahn- und Fachärzten ist. Es gibt viel Zuspruch, aber auch Bedenken. Dazu kommt: Viele der befragten Zahnärzte wollten sich auf O|N-Nachfrage nicht zu dem Thema äußern. Wir bleiben am Thema dran. (Moritz Pappert) +++