"Justiz hat glücklichsten Beschäftigten"
Von Fußfessel bis Callcenter-Razzia: Justizminister Christian Heinz packt an
Fotos: Carina Jirsch
31.08.2025 / FULDA -
19 Monate ist der Hessische Justizminister Christian Heinz (CDU) nun im Amt. In dieser Zeit kann er schon auf einige erfolgreich umgesetzte Vorhaben und Initiativen zurückblicken. Darunter die Fußfessel nach dem spanischen Modell, neue Stellen für die Justiz und die IP-Adressdatenspeicherung. Im Interview mit OSTHESSEN|NEWS spricht 49-Jährige aus dem Main-Taunus-Kreis seine erste Zeit im Amt. Aber auch darüber, was in den nächsten Monaten für Hessen wichtig wird.
Christian Heinz ist seit Januar 2024 Justizminister in Hessen. Damit hat sich auch für ihn persönlich einiges verändert. Zuvor war er Landtagsabgeordneter, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Rechtspolitik und Innenausschussvorsitzender. "Das ist natürlich eine ganz andere Sphäre der Politik. Man spürt die Verantwortung, allein für die vielen Menschen, die in der Justiz tätig sind. Das ist eine ganz neue Erfahrung", so der 49-Jährige.
"Die Justiz hat die glücklichsten und fleißigsten Beschäftigten"
Doch all die Vorhaben bringen nichts, ohne die Menschen, die sie umsetzen. Bei den Staatsanwaltschaften wurden für das Jahr 2025 insgesamt 50 neue Stellen geschaffen. "Einfach weil wir gesehen haben, dass die Kriminalität seit dem Ende von Corona stark angestiegen ist, auch die Komplexität der Verfahren angewachsen ist", sagt Heinz. Und er macht deutlich: "Die Justiz hat ja traditionell die glücklichsten und fleißigsten Beschäftigten." Insgesamt arbeiten in Hessen über 15.000 Menschen in der Justiz. "Also das ist wirklich ein Riesenbetrieb", so der Minister für Justiz und den Rechtsstaat im Kabinett Boris Rhein II. Mehr Arbeit zu den Menschen bringen
Ein Großprojekt im Ministerium ist es, mehr Arbeit zu den Menschen zu bringen: Also die Zentralisierung der Registersachen an möglichst einem Standort oder möglicherweise an zwei Standorten und dorthin, wo es viele Versetzungswünsche gibt. "Viele Versetzungswünsche gibt es in den osthessischen Raum, weil viele eben in Rotenburg die Ausbildung gemacht haben." Das Ziel sei es, im Herbst/ Winter eine Entscheidung bezüglich des Standortes zu treffen. "Und jetzt hängt es noch an der Immobilienverfügbarkeit und der Wirtschaftlichkeit", sagt Heinz.Konkret hieße das, dass "die Amtsgerichte quer durch Hessen diese Zuständigkeit abgeben würden und bis Ende der Wahlperiode die neue Einheit ihren Betrieb aufnimmt", erklärt der 49-Jährige. Die Stellen werden dann verlagert und das führe dazu, dass Versetzungswünsche erfüllt werden könnten. "Es wird dann einen ganzen Schwung an Menschen geben, die eine Perspektive hier haben werden und nicht jahrelang pendeln und dann schauen müssen, wer genug Sozialpunkte hat." Insgesamt gehe es dabei um 80 bis 100 Stellen. Im ersten Schritt aber erstmal nur um die Hälfte.
Reform des Strafprozessrechts, Schockanrufe und Fußfessel
Und der Minister hat noch einige weitere Themen auf seiner Agenda. Wichtig sind Heinz auch Änderungen im Strafprozessrecht. "Das Strafprozessrecht muss dringend reformiert werden. Da sind sich auch alle Länder einig. Unter der Federführung des Bundesjustizministeriums haben wir nach den Ferien auch eine Gruppe mit Länderbeteiligten und schauen, was wir zugunsten einer effizienteren Justiz verändern können", so der CDU-Minister.Ein großer Erfolg der Justiz und Polizei war außerdem die Aushebung eines Callcenters in Polen vor einigen Wochen. Von hier wurden Schockanrufe, zum sogenannten Enkeltrick, getätigt. "Wir haben 16 Festnahmen erwirkt. Es kam auch zu Verurteilungen. Das höchste war eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Die Justiz geht da entschlossen vor. Das war ein wichtiges Signal", macht der Christdemokrat deutlich.