OB Heiko Wingenfeld gibt Vollgas

Antrag gestellt! Zahn-Universität soll 2027 mit ersten Studenten ans Netz gehen

Treten beim Thema Zahnmedizinische Hochschule aufs Gaspedal: Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Akademischer Geschäftsführer und Gründungspräsident Priv.-Doz. Dr. Achim Hellinger sowie Klinikum-Vorstandschef Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel haben die nächsten Weichen gestellt.
Fotos: Hendrik Urbin

14.08.2025 / FULDA - Die Stadt Fulda und das Klinikum Fulda wollen in der Domstadt eine Zahnmedizinische Hochschule gründen und treten bei diesem Projekt jetzt richtig aufs Gaspedal. Nachdem die Antrags- und Gründungsvorbereitung sowie die Prüfung des rechtlichen Rahmens abgeschlossen sind, ist am 15. Juli 2025 die nächste Weiche gestellt worden: "Wir haben einen entsprechenden Antrag auf staatliche Anerkennung der neuen Hochschule über das zuständige Hessische Wissenschaftsministerium beim Wissenschaftsrat in Köln gestellt", berichtet Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) und spricht von einem "dicken Brett", das gebohrt werden müsse. Die Landeszahnärztekammer Hessen und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen stärken dem Projekt "ausdrücklich" den Rücken. Fulda könnte damit erneut Geschichte schreiben.



"Ich bin optimistisch, dass unser Vorhaben gelingen kann. Damit stellen wir uns nicht nur dem bundesweiten Medizinermangel, mit dem ein Versorgungsmangel – auch hier in Nord-Ost-Hessen – verbunden ist, sondern tun auch aktiv etwas für die weitere Stadtentwicklung und übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Das ist eine große Chance", so das Stadtoberhaupt im Exklusiv-Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Fulda habe zudem eine beachtliche Bildungstradition und daran wolle man anknüpfen. Dazu zählen das Kloster (744) und dessen Schule (748), die Adolphiana-Universität Fulda u.a. mit Medizin und Rechtswissenschaften (1734-1805) sowie die Hochschule Fulda (seit 1974).

Gemeinsam mit dem Klinikum Fulda und der Hochschule Fulda hat sich die Stadt bereits in der klinischen Ausbildung von Humanmedizin-Studenten am Campus Fulda der Universität Marburg bundesweit einen Namen gemacht. "Seit Oktober 2023 hat der Humanmediziner-Nachwuchs der Uni Marburg die Möglichkeit, ab dem 7. Semester in Fulda zu studieren", so der OB, der von der "fuldischen Initiative" spricht. Besonders der damalige Wissenschaftsminister und heutige Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) habe sich für die Initiative des Klinikum-Chefs Priv. Doz. Dr. Thomas Menzel extrem stark gemacht. "Heute kann man durchaus schon von einer Erfolgsgeschichte sprechen."

"Sportlich" - OB erwartet bis Mitte 2026 Klarheit vom Wissenschaftsrat

Aber zurück zur Zahnmedizin. "Die Nachfrage nach einem Studienplatz übersteigt das Angebot deutlich", erklärt Dr. Wingenfeld. Und deshalb verfolgt er einen klaren Fahrplan für ein neues Studienangebot. Die Dozenten werden dabei zu zwei Dritteln in Lehre und Forschung sowie zu einem Drittel in der Patientenversorgung tätig sein.

Trägergesellschaft des neuen Studienangebots soll eine gGmbH sein, deren Anteile zu zwei Dritteln die Klinikum Fulda gAG und zu einem Drittel die Stadt Fulda hält. Wingenfeld und sein Planungsstab erwarten, nachdem die Anträge bei den zuständigen Stellen vorliegen und das Dialogverfahren angelaufen ist, bis Mitte 2026 Klarheit vom Wissenschaftsrat und dem Land Hessen.

Dr. Wingenfeld legt großen Wert auf die Feststellung, dass die abschließende Entscheidung über die Umsetzung des Projektes im kommenden Jahr noch von den städtischen Gremien getroffen werden muss: "Wenn die Gremien 2026 final über die Umsetzung des Projekts entscheiden, könnten in 2027 die ersten 48 Studentinnen und Studenten starten. Das ist ein sportlicher, aber durchaus machbarer Zeitplan."

Erste Personalien stehen bereits fest. Akademischer Geschäftsführer und Gründungspräsident wird der renommierte Fuldaer Viszeralchirurg Priv.-Doz. Dr. Achim Hellinger. Er ist Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Fulda. Gemeinsam mit dem Sprecher des Vorstands der Klinikum Fulda gAG, Dr. Thomas Menzel, wird er den Aufbau der Hochschule während der Gründungsphase lenken und gestalten. Vervollständigt wird das Gründungsteam durch Sophie Hillenbrand und Lea Remmert als kaufmännische Geschäftsführung der Trägereinrichtung. Auch in Bezug auf den künftigen Standort gibt es erste Überlegungen: "Die Rahmenbedingungen in der Innenstadt sind ideal. Wir sind die Stadt der kurzen Wege, denn wir können den universitären Bereich sehr gut im Herzen unserer Stadt unterbringen", so der OB.

"Wir nehmen die Dinge jetzt selbst in die Hand"

Mit den niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten ist Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld ebenfalls im engen Austausch. "Sie befürworten unser Vorhaben, denn viele gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand, haben Schwierigkeiten bei der Praxisnachfolge und machen sich Sorgen um die künftige Versorgung." Anfang April habe es ein Treffen mit rund 100 Zahnärzten aus der osthessischen Region sowie der Landeszahnärztekammer Hessen und der Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen in Fulda gegeben. "Das war sehr konstruktiv", so der OB, der das O|N-Gespräch mit den Worten abschließt: "Wir nehmen die Dinge jetzt selbst in die Hand, und ich bin zuversichtlich, dass Fulda mit der Zahnmedizinischen Hochschule für ein echtes Zukunftsthema steht." (Christian P. Stadtfeld) +++

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