Ernste Themen und positive Perspektiven
Kirchenpräsidentin Tietz zu Besuch: Eindrücke, Gespräche und Wertschätzung
Fotos: EVANGELISCHE KIRCHE IN HESSEN UND NASSAU DEKANAT VOGELSBERG
05.08.2025 / ALSFELD -
Seit Januar ist Prof. Dr. Christiane Tietz Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Damit steht sie nicht nur an der Spitze einer der großen deutschen Landeskirchen, sondern tritt auch in die Fußstapfen eines Vogelsbergers: Ihr Vorgänger Dr. Volker Jung ist im Ruhestand wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Schritt für Schritt bereist Tietz derzeit die Regionen der EKHN – nun stand der Vogelsberg auf dem Programm.
Dekanin Dr. Dorette Seibert und ihre Stellvertreterin Luise Berroth hatten eine kleine "Tour de Vogelsberg" organisiert. Kein leichtes Unterfangen, denn das Evangelische Dekanat Vogelsberg ist das flächengrößte der EKHN: einzelne Nachbarschaftsräume sind hier größer als manch ganzes Dekanat in Ballungsräumen. Zwar dünn besiedelt, aber mit mehr als 100 historischen Kirchen, 19 Kommunen und 150 Orten ist die Region eine echte Herausforderung. Genau das wollten Seibert und Berroth der Kirchenpräsidentin zeigen – auch, weil ländliche Gebiete unter den aktuellen synodalen Beschlüssen besonders zu leiden haben. "Die Entfernungen werden von Menschen, die städtische Gebiete als Maßstab nehmen, nicht gesehen", betonte die Dekanin. Dabei sei die Verbundenheit der Menschen mit der Kirche im Vogelsberg nach wie vor stark. "Hier macht es einen Unterschied, ob eine Vikarin da ist, hier wird sie gesehen und erkannt, hier hat sie tun."
Netzwerken beim Imbiss
Los ging die Tour mit einem kleinen Empfang im Alsfelder Dekanatsgebäude. Bei einem Imbiss informierten die Gastgeberinnen über Region und Menschen. "Hier sind noch fünfzig Prozent der Bewohner evangelisch", berichtete Seibert erfreut. Auch bei den Taufen gebe es derzeit einen erfreulichen Anstieg. Zwar seien die Dörfer individuell geprägt, doch Kooperationen gebe es mittlerweile in vielen Bereichen – auch wenn die Menschen ihren eigenen Kirchturm weiterhin sehr schätzten. Ein zentrales Thema der Reise: die sozialräumliche Zusammenarbeit mit Landkreis und Kommunen.Intensiver Austausch in Alsfeld
Zwischen den Stationen blieb Zeit für vertiefende Gespräche, auch über allgemeine Fragen. So wurde der Tag zu einem intensiven Austausch, bei dem auch spontane Themen Raum fanden.Posaunenchor sorgt für Begeisterung
Nach vielen Kilometern, Gesprächen und einigen Umleitungen erreichte die Gruppe Homberg/Ohm. Dort informierten Pfarrer Michael Koch und Gemeindesekretärin Viola Euler über eine gelungene Verwaltungskooperation, aus der unter anderem ein modernes Gemeindezentrum hervorgegangen ist. Auch Gebäudeverkäufe gehörten zur Strategie. Zum Abschluss ging es hinauf zum Schloss, wo der örtliche Posaunenchor aufspielte – ein willkommener Anlass, über die Situation der Posaunenchorarbeit im Vogelsberg zu sprechen. Bei Kaffee und Kuchen ergaben sich weitere Gespräche, die Tietz intensiv nutzte.Die Kirchenpräsidentin verabschiedete sich nicht hastig – im Gegenteil. "Ich komme gerne zurück", sagte sie zum Abschied. Der Tag habe ihr tiefe Einblicke in die Stärken und Herausforderungen des Dekanats gegeben. "Das, was bei Ihnen so gut gelingt, nehme ich genauso mit wie das, wo Sie besondere Herausforderungen haben", betonte sie. "Sie machen großartige Arbeit, mit viel Hingabe, mit Augenmaß und einem weiten Herzen. Genau solche Menschen wie Sie brauchen wir, damit es gut mit unserer Kirche weitergeht." (pm/cb)