Lesung im Propsteigarten
Kishon, Israel und die Sympathien der Welt
Fotos: Jutta Hamberger
22.07.2025 / FULDA -
Die malerische Kulisse von Propstei Johannesberg und dem Propsteigarten bot den Rahmen für die von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit GCJZ organisierten Lesung über einen der erfolgreichsten Autoren in Deutschland: In den 1970er und 80er Jahren dominierte Ephraim Kishon die deutschen Bestsellerlisten. Er selbst sagte dazu einmal: "Ich verspüre Genugtuung darüber, dass die Enkel meiner Henker in meinen Lesungen Schlange stehen."
Der deutsche und der israelische Kishon
Die aus Fulda stammende und heute in Tel Aviv lebende Silja Behre hatte zum 100. Geburtstag Ephraim Kishons 2024 ein Buch vorgelegt, in dem sie dem Phänomen Kishon in Deutschland nachspürte. Denn der ‚deutsche‘ Kishon sei keineswegs deckungsgleich mit dem ‚israelischen‘, so die Autorin. In Israel sei Kishon einer der wichtigsten politischen Beobachter und Kommentatoren des jungen Staates Israels gewesen. In Deutschland sei der politische Kommentator allerdings absichtlich hinter dem Humoristen verschwunden. Nirgends war Kishon erfolgreicher als im deutschsprachigen Raum. Von den 43 Millionen verkauften Büchern Kishons entfallen 34 Millionen auf deutsche Ausgaben. Ein Phänomen, das zu denken gibt.Fleissner übertrug amerikanische Marketing-Methoden auf den deutschen Buchmarkt und begründete mit Kishon das Bestseller-Phänomen. So gut wie nie kam Kishon im sog. ‚literarischen‘ Feuilleton vor. Das schätze ihn nicht, denn erfolgreiche U-Literatur hatte nichts im Feuilleton verloren. Kishon focht das nicht an, er ging dahin, wo seine Leserinnen und Leser waren – in Kaufhäuser, Bahnhofsbuchhandlungen etc. Er trat in populären TV-Sendungen auf, war im Radio zu hören und übergroß auf Litfass-Säulen zu sehen.
Israel verscherzt sich die Sympathien der Welt
Früh schon spinnt sich der ungute rote Faden der negativen Weltmeinung zu Israel und seinem Handeln. Dieser Faden wurde mit den Jahren und den historischen Ereignissen immer dicker – man zähle einmal die vielen UN-Resolutionen gegen Israel und vergleiche sie mit den wenigen gegen die wahren Schurkenstaaten! Vermutlich, so Silja Behre, sei das mit ein Grund, warum der Erfolgsautor Kishon aus dem Gedächtnis der Deutschen verschwand. Kishon selbst habe 1956 den besten Kommentar zu dieser ‚Weltmeinung‘ über Israel mit der Satire "Wie Israel sich die Sympathien der Welt verscherzte" geschrieben. Darin greift er die Reaktionen auf die Suez-Krise ironisch-pointiert auf und beschreibt, was wohl geschehen wäre, wenn Israel nicht so reagiert hätte, wie es reagiert hat. Der bittere Schluss der Satire: "Leider beging Israel den Fehler, eine solche Wendung der Dinge nicht abzuwarten. Es ist ihr durch den Sinai-Feldzug von 1956 bis auf Weiteres zuvorgekommen und hat damit eine einzigartige Gelegenheit versäumt, sich die Sympathien der Welt zu sichern (…)". Mit anderen Worten: Schon vor fast 70 Jahren beschrieb Kishon hellsichtig, wie die Welt auf Israel blickte. Vergleicht man das mit den internationalen Reaktionen auf das Hamas-Massaker vom 07. Oktober 2023, verschlägt es einem den Atem.
"Kishon ist so aktuell wie nie, denn er ist Symptom und Indikator für das deutsch-israelische Verhältnis", befand Silja Behre zum Schluss. Mit begeistertem Beifall wurde sie verabschiedet, gerade noch rechtzeitig vor dem angekündigten Sommergewitter. Alle waren sich einig: Was für ein stimmungsvoller und unterhaltsamer Abend! (Jutta Hamberger) +++