Petition fordert Einigung

Eltern wollen Kita "Don Bosco" retten – für die Kinder, nicht die Kassen

Droht dem "Don Bosco"-Kindergarten das Aus?
Fotos: Rene Kunze

23.07.2025 / GERSFELD (RHÖN) - Der katholische Kindergarten "Don Bosco" in Gersfeld (Rhön) im Landkreis Fulda könnte schon bald vor dem Aus stehen. Die besorgten Eltern haben eine Petition im Netz gestartet, mit bereits über 1.000 Unterstützern. OSTHESSEN|NEWS hat mit dem Elternbeirat und dem Bürgermeister gesprochen – jetzt hängt alles an einer Einigung zwischen Kirche und Stadt.


Es war eine spontane Idee, die die Mitglieder des Elternbeirates hatten. Zunächst dachten sie, ein Brief mit Elternunterschriften an die Stadt sowie an die Kirche unterstreicht ihr Anliegen, den Erhalt der Kita zu sichern. Viktoria Eisenmann, Mitglied im Beirat, erzählt, wie es anschließend zu der Petition kam.

Impuls aus den eigenen Reihen

"Nachdem wir den Brief verfasst haben, kam ein Mitglied des Elternbeirates auf die Idee, eine Petition im Netz zu starten. Wir hatten damit keine Erfahrungen und haben naiv gedacht, dass wir vielleicht 300-400 zusätzliche Unterschriften sammeln können", erklärt Viktoria Eisenmann im Gespräch mit O|N. Mit über 1.000 Unterschriften hat dabei keiner von ihnen gerechnet. Die Problematik betreffe schließlich nicht nur die Eltern, sondern auch diejenigen in der Region, die ihre Kinder in der Zukunft in der Kita unterbringen möchten.

Betont wird, dass sowohl der offene Brief als auch die Petition an Stadt und Kirche gerichtet sind. "Wir möchten nicht mit dem Finger auf die Stadt zeigen. Es gibt zwei Parteien und die müssen sich für die Kinder einigen", führt die Vertreterin des Beirates aus. Online heißt es: "Die katholische Kirche kann den Betrieb aus finanziellen Gründen nicht länger aufrechterhalten, und bislang konnte die Stadtverordnetenversammlung keine Lösung mit der Kirche beschließen, um die Kita weiterzubetreiben."

"Wir appellieren daher eindringlich an Sie alle: An die katholische Kirchengemeinde: Bitte prüfen Sie weiterhin, wie Sie – trotz angespannter finanzieller Rahmenbedingungen – Ihre Rolle als Trägerin ausfüllen können. Ein Verzicht auf die rückwirkende Forderung für 2025 könnte ein Zeichen dafür sein, gemeinsam in Lösungen zu denken. An die Stadtverordnetenversammlung: Bitte erkennen Sie den hohen Stellenwert dieser Einrichtung für viele Gersfelder Familien – und prüfen Sie im Rahmen Ihrer Verantwortung alle Möglichkeiten zur dauerhaften Sicherung des Kindergartens, gegebenenfalls auch unter neuen Bedingungen."

"Das ist nichts Neues"

Dr. Stefan Korell, der Bürgermeister der Stadt Gersfeld, erklärt, dass solche Diskussionen keine Neuheit sind: "Die Frage der kommunalen Kostenbeteiligung an kirchlichen Kindergärten war und ist in allen Kommunen, in denen Kindergärten durch die Kirchen betrieben werden, ein Thema und Gegenstand von Beratungen in Ausschüssen, Gemeindevertretungen und Stadtverordnetenversammlungen." Die Petition habe die Stadt wahrgenommen.

Die katholische Kirchengemeinde hatte der Stadt Gersfeld Anfang des Jahres mitgeteilt, dass sie den Kindergarten grundsätzlich weiterführen möchte, jedoch eine höhere Kostenbeteiligung durch die Stadt für notwendig hält. Der derzeit bis Ende 2025 laufende Betriebsführungsvertrag sieht vor, dass die Stadt 84 Prozent der ungedeckten Kosten sowie alle baulichen Aufwendungen übernimmt. Das Abkommen mit diesen Konditionen wurde seitens der Kirche zum 31. Dezember 2025 gekündigt. Als Begründung verweist die Kirchengemeinde auf sinkende Kirchensteuereinnahmen. Bürgermeister Dr. Steffen Korell betont in einer Stellungnahme: "Auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt Gersfeld ist begrenzt – unsere Ausgaben sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen."

Übergangslösung für zwei Jahre?

Nach Gesprächen mit der katholischen Kirchengemeinde wurde der Stadt übergangsweise ein neuer Betriebsführungsvertrag mit einer Kostenbeteiligung von 90 Prozent sowie einer Verwaltungskostenpauschale von sechs Prozent angeboten – eine Regelung, die in ähnlicher Form bereits mit der evangelischen Kirchengemeinde besteht. Die Stadt bevorzugt den Beginn dieser Übergangslösung ab dem 1. Januar 2026, nicht rückwirkend, was der Kirche lieber wäre.

Der Bürgermeister hält eine Einigung für möglich: "Insbesondere wenn die Kirche sich bereit erklärt, die Übergangslösung ab 2026 für zwei Jahre umzusetzen, halte ich dies für einen gangbaren Weg." Die abschließende Entscheidung soll in der Stadtverordnetenversammlung am 4. September 2025 getroffen werden. (Emely Schrön) +++

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