Zwischen Rhön und Regierungsbank

"Bist du dabei?" – Der Tag, an dem Friedrich Merz bei Michael Brand anrief

Michael Brand in seinem neuen Büro im Ministerium
Fotos: Moritz Pappert

21.07.2025 / BERLIN - Es war ein Tag im April. Für den Bundestagsabgeordneten und heutigen parlamentarischen Staatssekretär Michael Brand (CDU) ein ganz besonderer Tag. Er bekam einen Anruf. Am Telefon war der CDU-Vorsitzende, der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz. Der 51-Jährige blickt im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS zurück auf die letzten Monate. Die Monate des Regierungswechsels und den Beginn einer neuen Ära. Sowohl für ihn persönlich, als auch für Deutschland.



Sein neues Büro im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist knapp 15 Minuten zu Fuß vom Bundestag entfernt. Statt den Fahrdienst des Deutschen Bundestag zu nutzen, geht Brand zu Fuß. Für ihn eine Möglichkeit für Bewegung an der frischen Luft, an langen Sitzungstagen mit vielen Besprechungen. In seinem Büro erinnert viel an seine Heimat Fulda und die Rhön. Eine Baumfigur des Mehrgenerationenhauses am Aschenberg, ein Bild der Milseburg und über seinem Schreibtisch ein Foto von Walter Lübcke.

"Es passiert oder es passiert nicht"

"Ich habe mir überlegt, dass Du gut ins Team passt. Bist Du im neuen Team der Bundesregierung mit dabei?", fragte Merz am Telefon. Für Michael Brand war die Entscheidung schnell klar. Er sagte zu. "Wenn der künftige Bundeskanzler fragt, ob man in seinem Team dabei sein will, muss man sehr gute Gründe haben, um nicht dabei zu sein", macht er klar.

Doch auch seine Familie musste vorher zustimmen. "Für so eine Aufgabe, die zusätzlich zu Wahlkreis und anderem obendrauf kommt, brauchst Du diese Rückendeckung, gerade in so herausfordernden Zeiten. In diesen vier Jahren kommt es auf diese Regierung an, den Politikwechsel wirklich umzusetzen." Die CDU stellt sechs Minister mit je zwei Parlamentarischen Staatssekretären in dieser Legislatur. "Einer davon zu sein und dieses Vertrauen vom Bundeskanzler zu bekommen, das ist auch eine Ehre. Sowas ist nicht planbar. Es passiert oder es passiert nicht", so Brand.

Er ist schon seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestags, weiterhin im Fraktionsvorstand der CDU/CSU. Teil der Bundesregierung zu sein, sei jedoch nochmal eine ganz andere Herausforderung. "Man spricht nicht nur für sich, man spricht für die Bundesregierung, auch für unser Land. Alles, was man tut in der Regierungsverantwortung, hat eine klare Entscheidungsperspektive. Es gibt politisch nichts Wichtigeres, als entscheiden und damit auch verändern zu können. Und das kann ich in dieser Verantwortung nun umsetzen", macht Brand deutlich.

Zusammenarbeit mit dem Kanzler: "positiv fordernd und besonders gut"

Die Zusammenarbeit mit Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnet er als "positiv fordernd und besonders gut". Das gelte auch für die Zusammenarbeit mit "seiner" Ministerin Karin Prien. "Sie hat sehr viel Drive und Power. Sie ist niemand, die mit dem Strom schwimmt und hat eigene Vorstellungen und dazu viel Erfahrung aus ihrer Tätigkeit als Ministerin in einem Bundesland."

Das Ministerium bezeichnet Brand als "Ministerium für Zusammenhalt", mit "zentralen Themen, die jeden betreffen" - von Bildung, über Familie, von jung bis alt, und Stärkung der Demokratie. Das Ressort ist unter anderem von frühkindlicher bis beruflicher Bildung wie im Handwerk zuständig, Elterngeld, Freiwilligendienste und Politik für Frauen. Das klare Ziel: "Bildungs- und Familienpolitik aus der Mitte heraus zu machen und nicht aus den Rändern", so der 51-Jährige.

Brand macht deutlich: "Wir brauchen den Politikwechsel, damit Deutschland aus der langen Misere endlich wieder nach vorne kommt." Es brauche eine starke Wirtschaft und einen starken Mittelstand. "Das ist der Schlüssel für Wohlstand, für Arbeitsplätze und auch für Steuereinnahmen, um wichtige Projekte zu finanzieren", so der Unions-Politiker. Bei beiden Koalitionspartnern gebe es trotz der Unterschiede den klaren Willen zum Erfolg. "Jetzt geht's an die Umsetzung der Projekte, die wir uns vorgenommen haben."

"Man muss seine Kräfte gut einteilen"

Trotz der neuen Aufgabe in Berlin bleibt eines für ihn völlig klar: "Ich bleibe mit Leib und Seele, mit Leidenschaft Wahlkreisabgeordneter meiner Heimat. Dabei schadet es nicht, dass beide Tätigkeiten voneinander profitieren. Ich erlebe in der täglichen Arbeit als Teil der Bundesregierung eine noch engere Verzahnung, und davon profitiert natürlich auch die Arbeit für den Wahlkreis. Und Brand verspricht: "Ich werde auch weiter der oberste Kümmerer für meinen Wahlkreis bleiben."

Michael Brand vertritt als Parlamentarischer Staatssekretär die Ministerin häufig im Parlament, sitzt dabei an ihrer Stelle auf der Regierungsbank. Auch im Bundeskabinett vertritt er Karin Prien zu verschiedenen Themen. Statt nur Termine im Wahlkreis nimmt er nun auch Termine in ganz Deutschland wahr.

"Man muss das wollen und mögen, und ich mag es. Ich habe viel Freude an dieser neuen, herausfordernden Aufgabe. Dabei ist natürlich klar: Man muss seine Kräfte gut einteilen, um diesen Marathon über vier Jahre erfolgreich zu bestehen", sagt der Fuldaer abschließend.
(Moritz Pappert) +++

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