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Einweihung nach naturnaher Umgestaltung

Alter Friedhof: Ort der Ruhe wird zum Lebensraum für Mensch und Natur

Feierliche Eröffnung durch die erste Bürgermeisterin Sonja Reubelt, Arbeitskreisleiter Heribert Kaufmann und Antje Voll (Leiterin Biodiversitätszentrum).
Fotos: Anna Keßler

04.06.2025 / SANDBERG - Nach reger Beteiligung aus der Bevölkerung und mit der Unterstützung von Gemeinde, Naturschutz und Ehrenamt wurde am vergangenen Sonntag der umgestaltete alte Friedhof in Langenleiten (Gemeinde Sandberg im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld) feierlich eingeweiht. Als naturnaher Ort des Gedenkens, der Ruhe und der Biodiversität ist aus der lange diskutierten Fläche ein lebendiger Raum und wertvoller Rückzugsort für Mensch und Natur geworden.



Über viele Jahre war die Fläche des alten Friedhofs ein Thema in Bürgerversammlungen. Eine Bürgerumfrage brachte 2021 zwar viele Ideen, jedoch kein klares Votum. Erst durch das Engagement des Arbeitskreises "Langenleiten blüht auf" und der Gemeindeverwaltung Sandberg nahm das Projekt 2023 konkretere Formen an. In enger Zusammenarbeit mit dem Biodiversitätszentrum Rhön, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und weiteren Partnern konnte ein ökologisch fundiertes Konzept entwickelt und erfolgreich umgesetzt werden.

Projekt "Alter Friedhof – neues Leben" nun abgeschlossen

Erste Bürgermeisterin Sonja Reubelt würdigte in ihrer Eröffnungsrede den langen, gemeinschaftlich getragenen Weg der Umgestaltung. "Was wir heute sehen, ist eine großartige Gemeinschaftsleistung. Eine behutsame Umgestaltung, welche den Ort als ehemalige Ruhestätte würdigt und zugleich einen lebendigen Rückzugsort für alle Generationen schafft - zum Innehalten, Spazieren, Durchatmen.", so Reubelt. Langenleiten habe damit nicht nur ökologisch, sondern auch in Sachen Lebensqualität gewonnen und sei um eine Attraktion reicher.

Antje Voll, Leiterin des Biodiversitätszentrums Rhön, stellte die überregionale Bedeutung und ökologische Dimension des Projekts in den Vordergrund: Der dramatische Rückgang der Artenvielfalt betrifft auch die rund 550 Wildbienenarten in Deutschland, die für 83 Prozent der Bestäubung unserer Nutzpflanzen verantwortlich sind. "Ohne Wildbienen keine Äpfel", mahnte sie eindrücklich. Kommunale Flächen wie der alte Friedhof seien entscheidend, um Lebensräume zurückzugewinnen. Durch gezielte Maßnahmen wie Blüh- und Staudenflächen, die bereits durch den "Blühpakt Bayern" auf dem Dorfanger eingerichtet wurden, entstehen nun dauerhafte Lebensräume für bedrohte Arten. Der nun geschaffene Biotopverbund bietet Futterressourcen, Nistplätze und Brutmöglichkeiten.

Das Biodiversitätszentrum Rhön hat der Universität Würzburg rund 1,3 Millionen Euro für viereinhalb Jahre für das Projekt "Summende Dörfer" in 40 bayerischen Kommunen bereitgestellt, um Maßnahmen und Forschungsarbeiten zu den Lebensbedingungen der Wildbienen durchzuführen. Die Fläche in Langenleiten wurde mit 5.000 Euro unterstützt.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises "Langenleiten blüht auf", Heribert Kaufmann, erläuterte die konkreten Maßnahmen und Elemente. Ein Sandnisthügel für Erdbienen, Blühfläche mit Stauden für Insekten, ein Lebensturm sowie Totholz- und Steinhaufen für verschiedene Insekten. Sitzgelegenheiten aus Holz und Stein laden zum Verweilen und Beobachten ein. Ein Mirabellenbaum erinnert an die regionale Brenntradition, eine Silberweide dient als weitere Futterquelle.

"Mut zur Unordnung"

Das Pflegekonzept sieht – wie auch bei den Blühflächen im Ort - eine einmalige Mahd pro Jahr auf den angelegten Blühflächen vor. "Mut zur Unordnung" sei gefragt, so Antje Voll, denn Insekten überwintern in Pflanzenstängeln, Hohlräumen und im Boden. Eine zu aufgeräumte Pflege könne ganze Populationen gefährden.
Hand in Hand erfolgreich

Neben dem Arbeitskreis und vielen Ehrenamtlichen engagierten sich das Biodiversitätszentrum Rhön, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Gemeinde Sandberg, die Jagdgenossenschaft Langenleiten, das Kinderhaus Pusteblume, örtliche Künstlerinnen und Künstler, die Agrokraft GmbH, die Sparkasse Bad Neustadt sowie die Leonie und Helmut Schmitt Stiftung.

So kann kommunaler Naturschutz gelingen – durch Zusammenarbeit, Fachwissen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Mit der Einweihung wurde nicht nur ein Projekt abgeschlossen, sondern ein Zeichen gesetzt: für nachhaltige Ortsentwicklung, für gelebten Naturschutz – und für eine lebenswerte Zukunft in Langenleiten. (js/pm)+++





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