Abschied nach 26 Jahren

Kult-Wirt macht Schluss: Traditionsgastronomie steht vor einem Neuanfang

Ein Stück Gastronomiegeschichte endet zum Jahreswechsel in Bad Hersfeld: Harald Nieding, Kult-Wirt und langjähriger Pächter des Klosterbrunnens im Stadtteil Petersberg, verabschiedet sich in den Ruhestand.
Fotos: Constantin von Butler

27.05.2025 / BAD HERSFELD - Ein Stück Gastronomiegeschichte endet zum Jahreswechsel in Bad Hersfeld: Harald Nieding, Kult-Wirt und langjähriger Pächter des Klosterbrunnens im Stadtteil Petersberg, verabschiedet sich in den Ruhestand. Nach über einem Vierteljahrhundert übergibt er zum 31. Dezember die Schlüssel der beliebten Gaststätte.



Nach fast drei Jahrzehnten sagt Nieding leise Servus – die Stadt sucht einen Nachfolger für die traditionsreiche Gaststätte im Bürgerhaus Petersberg. Bewerbungen sind bis zum 30. Juli möglich.

"Ich habe 48 Jahre Gastronomie hinter mir. Seit 1999 haben wir den Klosterbrunnen gepachtet", sagt Harald Nieding. Die Entscheidung zur Schließung fällt ihm nicht leicht. "Ich werde nächstes Jahr 65. Wir werden Großeltern im Sommer. Es ist einfach Zeit für einen neuen Lebensabschnitt."

"Eine Kultur, die es immer weniger gibt"

Der Klosterbrunnen war über viele Jahre ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Petersberg – Familienfeiern, Seminare, Parteitreffen, Tagungen und Feste fanden hier regelmäßig statt. Besonders der helle Wintergarten mit Blick ins Grüne war bei den Gästen beliebt. "Wir haben richtig viel zu tun – und das schon immer. Richtige Ruhetage gibt es gar nicht. Das ist mehr als ein Full-Time-Job", erzählt Nieding. Und fügt hinzu: "Auch die Thekengäste haben wir noch. Das ist ja eine Kultur, die es immer weniger gibt."

Die Stadt Bad Hersfeld hat die Nachfolge für den Klosterbrunnen offiziell ausgeschrieben. Im Bürgerhaus "Zur Linde 2", das 1972 erbaut und 2008 um einen großzügigen Wintergarten erweitert wurde, stehen rund 60 Quadratmeter Gastraum, knapp 100 Quadratmeter Wintergarten und 18 Quadratmeter Küche zur Verfügung. Nebenan nutzt die örtliche Feuerwehr einen Teil des Gebäudes – doch diese Räume werden demnächst anderweitig verwendet, da ein Neubau entsteht. Auch ein Spielplatz direkt am Grundstück macht das Objekt attraktiv für Familien.

Eine Lücke, die nicht geschlossen werden kann

Niedings Abschied hinterlässt eine Lücke – nicht nur gastronomisch. "Von jedem Zweiten in der Stadt werde ich angesprochen", sagt er. Der Klosterbrunnen war über Jahrzehnte ein Ort der Begegnung. "An unsere Stammkunden geht ein großer Dank", richtet er das Wort an seine Gäste. Nun liegt es an der Stadt, diese Tradition mit neuem Leben zu füllen. (Constantin von Butler) +++

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