Burgenprojekt EBIDAT startet
Digitale Schatzkarte der Vergangenheit: Hessens Burgen jetzt online erlebbar
Fotos: Zehra Hashani
27.05.2025 / FULDA -
Im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses wurde am Montag ein ambitioniertes Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt: die erste umfassende, digital zugängliche Erfassung aller Burgen und Burgruinen in Hessen. Die Datenbank EBIDAT (Europäische Burgendatenbank), die vom Europäischen Burgeninstitut (EBI) betrieben wird, ist ab sofort online verfügbar – mit mehr als 900 erfassten Objekten aus Hessen.
Burgen sind weit mehr als nur romantische Ruinen oder touristische Ausflugsziele – sie prägen bis heute Stadtbilder, Wappen und das kulturelle Gedächtnis ganzer Regionen. Doch bislang fehlte in Deutschland eine zentrale Datenbank, die Burgen aller Typen und Erhaltungszustände einheitlich dokumentiert. "EBIDAT ist ein Meilenstein für die digitale Erfassung unseres gebauten Erbes", betonte Maximilian Nicolaus Fürst zu Bentheim-Tecklenburg, Kunsthistoriker und Präsident der Deutschen Burgenvereinigung. "Burgen gehören zu den markantesten Zeugnissen unserer Geschichte. Sie sind sichtbare Zeichen vergangener Herrschaft, kultureller Handlungsprozesse. Sie prägen bis heute unsere Landschaften, unsere Vorstellung von Heimat, Macht und Geschichte."
Digitale Wissenschaft mit praktischem Nutzen
Die Datenbank liefert kompakte Informationen zu jeder Anlage – etwa Typus, Datierung, Funktion, Baugeschichte, Lage und Umfeld – ergänzt durch Angaben zur touristischen Nutzung oder heutigen Erschließbarkeit. Damit spricht sie sowohl Fachleute als auch interessierte Laien an.
Wissenschaftliche Grundlage und öffentliche Zugänglichkeit
Der Vorsitzende der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen, Dr. Frank Verse, würdigte das Projekt ebenfalls: "Diese Datenbank ist eine unheimlich wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Bearbeitung der Burgen in Hessen. Andererseits aber ermöglicht sie auch der interessierten Öffentlichkeit einen raschen und kompakten Zugriff zu den Datenerhebungen." EBIDAT sei ein "Mehrwert" für beide Seiten – Forschung und Gesellschaft.Blick in die Vergangenheit – mit digitalen Mitteln
Dr. Reinhard Friedrich, Leiter des Europäischen Burgeninstituts, blickte in seiner Vorstellung auf die Anfänge des Projekts zurück: "Wir haben uns schon vor gut 20 Jahren mit unserem wissenschaftlichen Beirat Gedanken darüber gemacht, wie wir so eine Datenbank realisieren könnten." Die Hauptdaten seien Name und Lage des Objekts – ergänzt durch Beschreibungen, Informationen zur Wasserversorgung oder zur gegenwärtigen Nutzung. In Hessen wurden bislang 930 Burgen und Burgruinen erfasst. Die Daten sind unter www.ebidat.de öffentlich abrufbar.Dr. Christa Meiborg, Leiterin des Fachbereichs Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der "hessenARCHÄOLOGIE" (LfDH), hob die interdisziplinäre Herangehensweise hervor: "Es ist sehr wichtig, dass die archäologischen Untersuchungsergebnisse mit aufgeführt sind. EBIDAT bietet für Fachleute eine sehr gute Grundlage, um sich einen Überblick über ein Objekt zu verschaffen." Gerade die Zusammenarbeit von Archäologie, Geschichtsforschung, Bauforschung und historischer Geografie mache das Projekt so fundiert. "Eine tolle Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit."
Burgen im Raum vernetzen
Vom Stadtwappen bis zum Waldpfad
Eine Führung durch das Fuldaer Stadtschloss und eine Exkursion zur Ruine Ebersburg rundeten die Veranstaltung ab. Ob markante Wahrzeichen oder fast vergessene Ruinen – EBIDAT gibt Hessens Burgen ein digitales Gesicht. Von touristisch erschlossenen Anlagen bis zu überwucherten Mauerresten im Wald reicht das Spektrum. Die Datenbank macht diese Kulturgüter einer breiten Öffentlichkeit zugänglich – anschaulich, wissenschaftlich fundiert und niederschwellig. So leistet das Projekt nicht nur einen Beitrag zur Forschung, sondern auch zur Vermittlung und zum Erhalt dieser steinernen Zeugnisse der Vergangenheit. Denn wie Professor Harzenetter betont: "Je mehr wir wissen, desto besser können wir schützen." (Zehra Hashani/pm) +++