Der Stadtpfarrer bei O|N
Wallfahrt nach Maria Ehrenberg
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
31.05.2025 / FULDA -
Maria Ehrenberg ist ein besonderer Ort inmitten von Gegensätzen. Schon die Lage des Wallfahrtsorts ist ein starkes Zeichen. Um hierher zu kommen, müssen wir durch ein Gebiet gehen, das nicht zu jeder Zeit frei zugänglich ist – ein Truppenübungsplatz, ein Ort militärischer Vorbereitung, ein Ort, an dem das menschliche Ringen um Sicherheit und Macht spürbar ist. Und mitten darin: ein Ort der Stille, der Marienverehrung, des Trostes – fast wie eine Oase.
Die barocke Kapelle, die vielen Votivtafeln, die traditionellen Wallfahrten – all das ist Ausdruck eines lebendigen Glaubens, der Generationen überdauert hat. Selbst als in der Mitte des 20. Jahrhunderts das Gebiet zum Truppenübungsplatz wurde, blieb Maria Ehrenberg ein besonderer Ort – durchdrungen vom Gebet, bewahrt durch den Einsatz vieler Gläubiger, und heute ein Zeichen dafür, dass Gott auch dort wohnt, wo man es vielleicht nicht erwarten würde.
In unserer Zeit ist vieles unübersichtlich geworden: gesellschaftlich, politisch, persönlich. Wir spüren, wie zerbrechlich Frieden ist – in der Welt, in Europa, in unseren Herzen. Gerade deshalb brauchen wir Orte wie diesen: Orte, die uns erinnern, dass Gottes Licht stärker ist als alle Dunkelheit. Dass der Glaube an Christus auch dort lebt, wo Lärm und Unruhe herrschen. Maria zeigt uns: Gott ist gegenwärtig – mitten im Leben, mitten in der Welt, mitten auch im Chaos. Sie ist unsere Fürsprecherin, unsere Begleiterin, unser Schutz und unsere Hoffnung.
Ich wünsche mir, dass viele Menschen von diesem Ort die Erfahrung mitnehmen: Gott hat Platz gemacht für uns – mitten in der Welt, mitten im Leben, selbst in einem Truppenübungsplatz. Und wir sind eingeladen, ihn zu suchen, zu finden und mit unserem Leben zu bezeugen. (Stefan Buß) +++