Behörden verhindern Einstapelung
K+S pumpt weiter Lauge in die Werra: "Kein Plan B" am Querort 23
O|N-Archivfotos: Carina Jirsch
07.04.2025 / PHILIPPSTHAL (W.) -
Keine Genehmigung, keine Alternative, keine Lösung: Salzhaltiges Wasser sickert unaufhörlich durch die alten Stollen, bedroht die Stabilität der Gruben und stellt K+S vor ein gewaltiges Problem. Die Hoffnung lag auf der Einstapelung in Springen, einem Verfahren, das die Lauge im Zaum halten sollte. Doch nun droht der Plan zu scheitern. Besonders kritisch ist die Situation am Querort 23 (Springen) - Salzwasser muss dort weiterhin in die Werra gepumpt werden.
Die Entsorgung von salzhaltigem Abwasser stellt für das Unternehmen seit Langem eine zentrale Herausforderung dar. In ehemaligen Kali-Bergwerken sammelt sich Salzwasser, das durch unterirdische Gesteinsformationen einsickert. Diese sogenannte Lauge besteht aus Wasser mit hohen Konzentrationen von gelösten Salzen. Wenn diese Lauge unkontrolliert in Bergwerke eindringt, kann sie tragende Strukturen angreifen, indem sie Minerale aus dem Gestein löst. Dadurch steigt das Risiko von Instabilitäten oder gar Einstürzen innerhalb der alten Bergbaustrukturen.
Genehmigung zur Einstapelung wird wohl nicht erteilt
K+S hatte in Springen auf die Methode der Einstapelung gesetzt. Dabei wird gezielt eine Flüssigkeit in die stillgelegten Gruben eingefüllt, um einen sogenannten hydrostatischen Gegendruck zu erzeugen. Dieser Druck verhindert, dass weiteres Salzwasser unkontrolliert in das Grubengebäude eindringt, da sich die Drücke innerhalb und außerhalb der Grube ausgleichen. Die Methode soll helfen, das System langfristig zu stabilisieren und gleichzeitig die Entsorgungsproblematik zu lösen.Problem: "Nach Gesprächen mit den Behörden und deren Gutachtern rechnet K+S nicht mehr damit, dass für die Einstapelung in Springen eine Genehmigung erteilt wird", erklärt K+S gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Besonders problematisch ist die Situation am sogenannten Querort 23, einer bergbaulichen Altlast, in der sich Lauge sammelt. Für diese Probleme im Grubenfeld ist K+S nicht verantwortlich. Seit 1969 tritt im Grubenfeld Springen ununterbrochen Salzwasser ein, das kontinuierlich abgepumpt werden muss. Nach der Übernahme der Gruben durch K+S im Jahr 1993 sicherte sich das Unternehmen zwar den Betrieb, doch für die DDR-Altlasten sollte laut damaliger Vereinbarung eigentlich der Bund zahlen. Heute trägt Thüringen die Entsorgungskosten – und streitet sich darüber vor Gericht mit dem Bund.
Alle bisherigen Versuche, den Laugenfluss zu stoppen, seien gescheitert, so K+S. Bedeutet: Ein Teil des Salzwassers wird weiterhin direkt in den Fluss Werra eingeleitet. Dies geschieht unter strengen Auflagen und in festgelegten Mengen. Die Einleitung von Salzlauge in Gewässer ist umweltpolitisch umstritten, da hohe Salzkonzentrationen ökologische Auswirkungen auf die Wasserqualität haben können. "Es gibt bislang keinen ausgearbeiteten Plan B", heißt es seitens des Unternehmens.
Salzwasserentsorgung in der Werra
Neben der Einleitung in die Werra sind die standortferne Entsorgung bei der Flutung des stillgelegten Kaliwerks Sigmundshall (Niedersachsen) und die effiziente Nutzung der lokalen Speicherkapazitäten unter und über Tage wichtige Bausteine des Abwassermanagements von K+S. "Die standortferne Entsorgung ist allerdings mit höheren Kosten verbunden. Das Abpumpen und Zutagefördern ist eine Übergangslösung", erklärt K+S. Die Salzwasserentsorgung des Werks Werra ist somit nur mittelfristig gewährleistet. Auswirkungen auf die Produktion des Werks Werra fürchtet K+S nicht.