Wolfram Mißler unauffindbar
Familie auseinandergerissen: "Die Suche nach meinem Vater bleibt eingestellt"
Fotos: Sebastian Mißler
07.04.2025 / REGION VB -
Auch über ein halbes Jahr später bleibt die Familie Mißler auseinandergerissen. Seit dem 5. September 2024 gilt der 67-jährige Arzt Wolfram Mißler aus Grebenhain (Gemeinde im Vogelsberg) als vermisst. "Man wacht jeden Tag auf und denkt sofort daran, dass ein Teil der Familie fehlt", sagt Sohn Sebastian Mißler.
Die letzten Spuren zum Aufenthalt des Mediziners führen nach Bosnien. So wurde ihm seine letzte Reise ins Prenj-Gebirge in Bosnien höchstwahrscheinlich zum Verhängnis, denn genau dort befand er sich, als seine Familie vom Verschwinden erfuhr. "Leider gibt es nicht viel Neues. Die Suchmaßnahmen wurden im Dezember zwar vereinzelt wieder aufgenommen, aber aufgrund der Witterung in den Höhenlagen eingestellt. Trotz des besser werdenden Wetters passiert meines Wissens nach nichts mehr", so der Sohn gegenüber OSTHESSEN|NEWS.
Wolfram Mißler wurde am 4. September zuletzt gesehen
Wir erinnern uns: Am Abend des 9. September veränderte ein Anruf der Lauterbacher Polizei das Leben der Familie Mißler. Die Beamten teilten mit, dass der Grebenhainer Arzt nach einem mehrtägigen Urlaub nicht zur Arbeit erschienen war. Mißlers langjährige Assistentin hatte ihn bei der Polizei als vermisst gemeldet, nachdem sie ihn auch an seinem Wohnort in Herbstein nicht antreffen konnte. Es sei laut seinem Sohn Sebastian Mißler noch nie vorgekommen, dass er nicht zur Arbeit erschienen ist. Die letzte und einzige Möglichkeit ist, selbst in Bosnien zu suchen
Auch jetzt weiß man nichts Neues über den Vermissten. "Keiner kann mir sagen, wie es weitergeht", sagt der Sohn gegenüber O|N. "Das Landeskriminalamt ist zwar involviert, kann aber auch nichts sagen. Die Polizei Alsfeld gibt nur weiter, was sie bekommen und das ist leider nicht viel, beziehungsweise gar nichts. Meine Anfragen nach Auskunft wird weder von Bosnien noch von Deutschland beantwortet." Hier wird einfach mit dem Finger auf andere gezeigt: "Bosnien verweist auf Deutschland, Deutschland verweist auf Bosnien." Frustriert stellt er fest: "Es kann kein Kontakt abreißen, den es nie gab." Neuanfang bleibt ausgeschlossen
Was passiert sein könnte, bleibt weiterhin unklar und auch zu Vermutungen kann sich der Sohn nicht eindeutig äußern. "Man kann weder einen tragischen Unfall ausschließen, noch eine Fremdeinwirkung." Besonders das Fehlen der Hinweise macht dem jungen Mißler zu schaffen: "Die Bergrettung hatte noch nie so lange und so intensiv gesucht, ohne irgendetwas zu finden. Sie sind genauso ratlos wie ich." Dass sein Vater ein neues Leben begonnen haben könnte, schließt Sebastian Mißler entschieden aus. "Ich habe jetzt Zugriff auf sein privates und sein geschäftliches Konto und da sind weder aktuelle Abbuchungen noch irgendwelche Unstimmigkeiten aus der Zeit vor einem Verschwinden zu erkennen. Ich habe keinerlei Hinweise darauf feststellen können, dass er einen Neuanfang plant."
"Es ist falsch, wenn ein Platz leer bleibt"
Wer jetzt denkt, dass die Familie damit abgeschlossen hat, liegt falsch. "Damit abzuschließen ist einfach nicht möglich, weil wir keine Antwort oder gar einen Anhaltspunkt haben. Das Verschwinden meines Vaters ist immer durchweg Thema. Wir machen uns Gedanken und stellen uns dabei wieder und wieder die Frage: Was ist wirklich passiert? - Alles ist irgendwie eine verrückte Mischung. Einerseits bin ich erleichtert, da wir mit Tobias Plücker einen Nachfolger für die kardiologische Praxis meines Vaters gefunden haben. Auf der anderen Seite ist da die Anspannung und Hilflosigkeit, die mich beide nicht loslassen." Die Ungewissheit ist und bleibt der stärkste Gegner. "Es ist furchtbar zu wissen, dass man nicht weiß, was passiert ist und wie es jetzt weitergehen soll." Denn, dass der Vater fehlt und die Familie somit auseinander gerissen wurde, ist allen Verwandten schmerzlich bewusst. "Wenn wir uns mit der Familie treffen, ist es falsch, wenn ein Platz leer bleibt." (Mia Schmitt) +++