Gulasch für 70
Einmal Smutje, immer Smutje: Elmar Zuspann hat auf Großsegler angeheuert
Elmar Zuspann in seinem Element - an Bord der "Alexander von Humboldt II"
Fotos: privat
19.03.2025 / HÜNFELD -
Elmar Zuspann ist in der Region eine wahre Gastro-Legende. In der Waldgaststätte Praforst bei Hünfeld im Landkreis Fulda steht der Mann mit dem markanten weißen Bart immer noch am Herd. Jetzt hat den 75-Jährigen seine maritime Vergangenheit an Bord des Segelschulschiffs Gorch Fock wieder zur See gerufen: Auf gleich zwei Segeltörns um die halbe Welt hat er Landratten mit kulinarischen Spezialitäten versorgt.
Von 1969 bis 1971 war Zuspann als Smutje an Bord der "Gorch Fock". Die Arbeit auf dem Segelschulschiff der Deutschen Marine verlangte dem Koch einiges ab - bei starkem Seegang werden selbst die Spiegeleier schwer zu handhaben. Obwohl er über die Jahrzehnte nicht nur sesshaft wurde, sondern schon bald die Festlandküche bevorzugte, hat die See ihn nie losgelassen. Viel brauchte es nicht, um wieder den Seesack zu packen: "Ich war mit meinem Schwiegersohn auf der Kieler Woche und konnte einen Tag lang auf der 'Alexander von Humboldt II' hinaussegeln. In der Messe gab es Linsensuppe mit Würstchen. Ich gehe an der Kombüse vorbei und sage: 'So einen Scheiß habe ich früher auch gemacht' und bin so mit dem Koch ins Gespräch gekommen. Der drückt mir eine Visitenkarte in die Hand - und seitdem bin ich mit der Idee schwanger gegangen, wieder auf einem Schiff zu kochen. Aber davon muss man natürlich erstmal die Ehefrau überzeugen."
Gulasch für 70
Und den Doktor: Für die Seetauglichkeitsuntersuchung muss Zuspann zum Spezialisten nach Frankfurt am Main. Um das Schiff kennenzulernen, bewirbt er sich 2023, während der stattliche Großsegler in der Werft liegt, als Kochsmaat: "Erster Koch war eine Hauswirtschafterin, heute machen wir Gulasch für 70 Leute, die Ansage. Sie wusste nicht, dass ich richtiger Koch bin - konnte sich aber so etwas denken, als ich ihr sagte, dass ich nicht so viel Knoblauch drangeben würde. Nach zehn Tagen als Kochsmaat in der Werft war dann klar, dass ich wieder hinaus will. Die Stamm-Mannschaft auf der 'Alexander von Humboldt II' ist zu 100 Prozent ehrenamtlich, auch die Gäste sind vom Bankdirektor bis zum Handwerker bunt gemischt. Interessante Leute also."
Auf zwei Segeltörns, vier Wochen lang von Island zu den Shetlandinseln und Norwegen im Juli 2024 und drei Wochen Ende 2024 von den Kanaren bis zu den Kapverden, bekocht Zuspann die Schiffsreisenden samt Besatzung - und bringt seine persönliche Note ein: "Kein Schiff legt ab ohne Koch - aus gutem Grund. Gutes Essen ist gut für die Moral. Man hat als Koch den Schiffseinkäufer, der die Ware an Bord bringt - aber für einen guten Madagaskarpfeffer geht man dann eben im Hafen selbst einkaufen und kann so ein bisschen Pep reinbringen. Auch die Gesundheit der Passagiere ist wichtig, deswegen gibt es viel Obst und Salat."
Fern der Zivilisation
In der kargen Doppelkabine geht es so wochenlang übers Meer, Fernsehen und Internet vermisst Zuspann nicht: "Wenn man nicht sieht, was auf der Welt alles passiert, vermisst man auch nix. Das allein ist schon unglaublich entspannend. Beim letzten Törn hatten wir Kinder von reichen Eltern an Bord, die sollten auf dem Schiff eingenordet werden und mussten auch nachts raus. Mit dem Essen waren aber alle zufrieden - klar ist es keine Sterneküche, aber Kleinigkeiten können da schon einen großen Unterschied machen." (mau) +++