Kreistag verabschiedet Defizit-Haushalt
CDU und FDP stimmen für Etat - restliche Fraktionen lehnen ab
Symbolfoto: pixabay
26.02.2025 / KALBACH -
Mit den Stimmen von CDU und FDP hat der Fuldaer Kreistag den Haushalt beschlossen. Die restlichen Fraktionen stimmten nach langer Diskussion gegen das Zahlenwerk.
Zwei Drittel der Gesamtaufwendungen - insgesamt 319 Millionen Euro - entfallen laut Hering auf den Bereich Soziale Sicherung. "Dieses System ist nicht mehr tragbar. Wir können nur das verteilen, was wir zuvor erwirtschaftet haben. Dabei sind wir in eine Schieflage geraten", konstatierte der Fraktionsvorsitzende. Positiv äußerte er sich hingegen über die Investitionen in den Breitbandausbau und die Schulen.
Fuldaer Kreistag verabschiedet Defizit-Haushalt nach langer Diskussion
Deborah Müller-Kottusch, Vorsitzende der Fraktion aus Grünen und Volt, monierte in ihrer Rede die geringen Mittel für den Klimaschutz. "Wir wollen hier Akzente setzen und uns für den Naturschutz stark machen. Die Vernachlässigung dieses Bereichs wird uns noch viel Geld kosten."Ergebnishaushalt: 493,4 Mio. (+)
Kreisumlage: 30,57 Prozent, beziehungsweise 35,55 Prozent Stadt Fulda (=)
Summe: 115,41 Mio. (+)
Schlüsselzuweisung: 77,44 Mio. (+)
Sozialaufwendungen (Soziale Leistungen / Soziale Hilfen, Kinder- Jugend- und Familienhilfe, Umlage an den Landeswohlfahrtsverband): 320 Mio. (+)
Größere Projekte (Drei Stück):
1. Förderung Breitbandnetz – Investitionszuweisung: 62,54 Mio.
2. Florenbergschule Pilgerzell – Ersatzneubau: 8 Mio.
3. Lichtbergschule Eiterfeld – Ersatzneubau: 7,2 Mio.
Schuldenstand Ende 2025: 148,55 Mio. (+)
(Angaben in Euro; Veränderungen zum Vorjahr in Klammern; Quelle: Landkreis)
Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Michael Busold, griff den in Haushaltsdebatten oft gehörten Satz "Wir haben kein Einnahme-, sondern ein Ausgabeproblem" auf und fügte hinzu: "Das greift zu kurz." Er bemängelte, dass auf der Einnahmenseite Vermögen und Erbschaften zu gering besteuert würden. "Das ist ungerecht und untergräbt die Solidarität unserer Gesellschaft."
Auch der Sozialdemokrat kritisierte: "Es fehlt uns eine klare Strategie, wie die Klimaziele auf Landkreisebene erreicht werden sollen." Und auch der soziale Wohnungsbau werde stark vernachlässigt. "Der Landkreis muss hier endlich gezielte Maßnahmen treffen, um der Wohnungsnot effektiv zu begegnen."
Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Pierre Lamely, kritisierte in seiner Haushaltsrede, dass zu viele Gelder für die Unterbringung von Geflüchteten ausgegeben würden. Die Zuwanderung müsse angesichts der finanziellen Schieflage begrenzt werden.
Thomas Grünkorn, Fraktionsvorsitzender der CWE, bezeichnete das Defizit im Haushalt als "ein Warnsignal". Die Möglichkeiten des Kreises, gegenzusteuern, seien begrenzt. "Wir können die Schul- und Kreisumlage erhöhen, aber auch in vielen Gemeinden herrscht Finanznot. Auch Steuererhöhungen sind nicht ohne Weiteres zu rechtfertigen." Hinzu kämen in absehbarer Zeit zusätzliche Belastungen, etwa im Bereich der Nachmittagsbetreuung in Grundschulen sowie beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). "Auch das Problem der Unterfinanzierung der Krankenhäuser ist nicht gelöst", bemerkte Grünkorn.
"Der vorliegende Haushalt stellt genau die richtige Balance zwischen Konsolidierung und Investition dar", befand der Fraktionsvorsitzende der FDP, Mario Klotzsche. "Es gibt drei klar erkennbare Schwerpunkte: Schulen, Digitalisierung durch Breitband, und die Kreisstraßen. Diese Schwerpunkte sind bei einer Rekordinvestitionssumme von 125 Millionen Euro richtig gesetzt."
Zur Wahrheit gehöre jedoch auch, dass die Verschuldung deutlich auf fast 150 Millionen Euro steige. "Wir müssen aufpassen, dass uns dieser Trend nicht die Spielräume der Zukunft zerschießt", mahnte Klotzsche.
Jens Mierdel, Fraktionsvorsitzender der Christen für Osthessen kritisierte: "Wir erkennen im Haushalt klar zu viel Sozialstaat und Klimaschutz." Er bemängelte die wachsenden Kosten beim Personal. Zur steigenden Verschuldung sagte er: "Wir leben deutlich über unsere Verhältnisse."
Michael Wahl von der Linken.Offenen Liste forderte dagegen deutliche Verbesserungen im sozialen Bereich, vor allem im Bereich Gesundheit. "Der Haushalt wird unserer sozialen Verantwortung nicht gerecht." Auch im Bereich ÖPNV lasse der Kreis die Menschen abseits der Städte "weitgehend im Stich".
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