Halle brodelt: Thriller jagt den nächsten

Hochklassiges Bundesliga-Finalwochenende mit Luftgewehr und Luftpistole

Shooting’s Coming Home: wie schon einige Male zuvor richtet die Schützengilde 1920 e.V Mengshausen auf Einladung des Deutschen Schützenbundes wieder das große Bundesliga-Finalwochenende mit den Luftdruckwaffen aus
Fotos: Gerd Ochs

09.02.2025 / ROTENBURG/F. - Shooting’s Coming Home: wie schon einige Male zuvor richtet die Schützengilde 1920 e.V Mengshausen auf Einladung des Deutschen Schützenbundes wieder das große Bundesliga-Finalwochenende mit den Luftdruckwaffen aus. Die jeweils besten vier Gewehr- und Pistolenmannschaften der Bundesliga-Staffeln Nord und Süd, insgesamt also 16 Teams, streiten um die beiden Deutschen Mannschaftsmeistertitel.



Erfolgreich mit dabei sind auch osthessische Schützen: die für Hubertus Elsen startende Gewehrschützin Lea Ruppel und der Bad Hersfelder Philip Heyer, der mit der Pistolenmannschaft Dynamit Fürth antrat – beide kamen ins Halbfinale. Wahnsinnig spannend, aber überraschend einseitig verliefen die Viertelfinals der Gewehrschützen: alle vier Nordstaffel-Teams setzten sich gegen die Süd-Teams durch –zum Verlauf mancher Begegnungen schrieb wohl Hitchcock das Drehbuch.

Während es draußen noch frostig-kalt war, ging in der Göbels-Hotel-Arena bereits ab 9.15 Uhr im ersten Luftgewehr-Duell die Post ab. Mit dem Vierten der Bundesliga-Nordstaffel und amtierende Deutsche Mannschaftsmeister SV Wieckenberg um die aktuelle Olympiasiegerin Chiara Leone und dem Sieger der Bundesliga-Süd-Staffel Pfeil Vöhringen gab es gleich das Vorjahresfinale als hochklassige Ouvertüre.

Es sollte mit einem Aha-Erlebnis enden: Nord-Vertreter Wieckenberg erzielte zwar in der Gesamtsumme zwei Ringe weniger (1984:1986), gewann aber auf den Positionen 3 bis 5 mit je einem einzigen Ring – damit stand Wieckenberg als 3:2-Sieger als erster Halbfinalist fest, während die Finalparty für Vöhringen inklusive etwaiger Titelhoffnungen bereits vorüber ist. Da halfen auch Vöhringens 400er-Ergebnis des Tschechen Jiri Privratsky sowie die 399 von Maximilian Dallinger auf den Positionen 1 und 2 nichts. Anschließend verlor der SV Petersaurach gegen SB Freiheit (1:4 / 1974:1980), ebenso wie die SSG Dynamit Fürth gegen die SSG Kevelaer (2:3 / 1971:1983).

Dann brauchten die Fans starke Nerven, als der SSV Kronau gegen ST Hubertus Elsen, darunter die starke Osthessin Lea Ruppel auf Position 2, zum letzten Viertelfinale antrat. Elsen zählt als Sieger der Nordstaffel zu den Favoriten und ist ein Luftgewehr-Schwergewicht: Deutscher Meister 2006, 12, 16 und 17. Während bei etwa halber Distanz Elsen die Nase vorn hatte, schmolz der Vorsprung langsam aber sicher dahin. Denise Palberg hatte schnell ihre 398 eingetütet, doch Lana Wurster schoss mit einer 100er-Serie aus und konnte zum Stechen gleichziehen. Lea Ruppels 398 (sie hatte mit 25 Zehnern begonnen und mit 100 ausgeschossen) brachten gegen Kronaus 397 den ersten Elsen-Punkt, auf den Positionen 4 und 5 gab es je einen Punkt hüben und drüben, und auf der 1 wurden Istvan Peni und Larissa Wegner mit je 396 ebenfalls ins Stechen gebeten. Lana Wurster gewann das erste Stechen kurz und schmerzlos gleich im ersten Schuss (10:9), also 2:2. Stechen 2 zwischen Elsens Peni und Wegner musste also über den Halbfinaleinzug entscheiden. Was für ein Thriller: in den ersten drei Schüssen hauten sich die beiden jeweils die 10er um die Ohren, so dass ab dem vierten Stechschuss die Zehntelwertung mit einbezogen wurde. Der Hallen-DJ brachte AD/DC mit "Hells Bells", und die Höllenglocken passten irgendwie auf den Punkt. Peni legte vor: den Fans stockte bei der 9,9 der Atem. Wegner musste ja nachlegen und konnte sich anhand der akustischen Kulisse ausrechnen, dass Peni keine Zehn hatte. Das blieb nicht ohne Folgen: mit einer 9,7 musste sie Peni und damit Elsen den Vortritt ins Halbfinale lassen. Wahnsinn, Peni konnte sich zunächst nicht recht freuen, sondern war erstmal bedient.

Im ersten Halbfinale standen sich dann Wieckenberg und die SB Freiheit gegenüber. Diesmal schoss Wieckenberg mehr Ringe, verlor aber wegen der Einzelpunkte 2:3. Die SB Freiheit schießt damit am Sonntag Nachmittag um den Titel, Wieckenberg am Vormittag um Bronze. Die jeweiligen Gegner speisten sich aus dem zweiten Halbfinale: Hubertus Elsen setzte sich auch gegen Kevelaer durch und greift am Sonntag nach den Sternen.

Die Stimmung in der mit 800 Zuschauern prächtig gefüllten Halle war kaum zu toppen: die Fanlager der Teams boten eine mit bis zu 112 Dezibel ohrenbetäubende, jederzeit faire Kulisse, garniert mit Trommeln, Rasseln und sogar Posaunisten – ein großartiges, von den Mengshäusern tip-top organisiertes sportliches Juwel. Gewehr- und Pistolenschützen teilen sich die Breite der Halle: links 10 Gewehrstände, rechts zehn für die Pistole. Die jeweiligen Duellgegner stehen wie in den Bundesliga-Wettkämpfen paarweise nebeneinander. Die osthessische Schützenlegende und Vorsitzende der Schützengilde 1920 Mengshausen, Manuela Schmermund, fungierte als Moderatorin bei den Gewehrschützen – sachkundiger und einfühlsamer kann eine Moderation nicht sein, als bei der jahrzehntelangen Spitzenschützin, die mit Medaillen von Welt- und Europameisterschaften sowie den Paralympics ihre Wohnung tapezieren kann.

Süden ist mit der Pistole stärker

Bei den Luftpistolenschützen setzten sich in den Viertelfinals drei Süd-Teams durch, nur die einzige für Rotenburg qualifizierte Mannschaft aus Hessen schaffte als Nord-Team den Einzug ins Halbfinale: der SV 1935 Kriftel gewann zunächst gegen Kempten 3:2 (1889:1876), im Halbfinale verlor man allerdings gegen Titelverteidiger SV Kelheim-Gmünd. Der Bad Hersfelder Luftpistolenschütze Philip Heyer hatte es mit Dynamit Fürth durch den Sieg gegen Leegmoor ins Halbfinale geschafft, dort verlor man dann allerdings gegen Weil am Rhein. Am Sonntagmorgen wird Heyer mit Fürth um Bronze schießen.

Finale Furioso am Sonntag

Sowohl mit der Pistole als auch mit dem Gewehr wird am Sonntag um 10:30 Uhr um Bronze gekämpft, bevor dann ebenfalls parallel ab 13:30 Uhr die jeweils beiden Finalisten nach der Krone greifen. Wer wird Deutscher Meister? Insider wissen: auch die nicht mehr selbst beteiligten Mannschaften und ihre Fanlager machen den Finalsonntag zu einem akustisch infernalen, mitreißenden und sportlich hochwertigen Act. Wer keine Gelegenheit zum Hallenbesuch findet, hat über Sportdeutschland.TV die Livestream-Möglichkeit des Zuschauens.

Wir werden berichten. (goa) +++

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