Akademieabend am Holocaust-Gedenktag
"Dein ist mein ganzes Herz" - Geschichte des Schlagertexters Fritz Löhner-Beda
Die Künstler Bernd Düring (zweiter von links) und Eckhard Radau (dritter von links) zusammen mit Gunter Geiger, Direktor Katholische Akademie (rechts) und die Mitglieder der GCJ Gabriele Vachenauer, Pfarrer Michael Oswald, Marliese Heiligenthal und Wolfgang Link
Fotos: Katholische Akademie Fulda
28.01.2025 / FULDA -
Der Holocaust-Gedenktag wurde an der Katholischen Akademie mit einem besonderen Abend begangen, der unter dem Titel "Dein ist mein ganzes Herz" die Geschichte des Schlagertexters Fritz Löhner-Beda auf eindrucksvolle Weise in den Mittelpunkt stellte. Mehr als 90 Besucher erlebten, eine sowohl anregende als auch nachdenklich machende Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk dieses außergewöhnlichen Künstlers, der als österreichischer Jude 1938 in die Fänge des Nationalsozialismus geriet.
Gunter Geiger, Direktor der Katholischen Akademie, der den Abend eröffnete, erinnerte an den 19. Januar 1996, als Prof. Dr. Roman Herzog im Deutschen Bundestag die erste Rede zum "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" hielt. Seitdem wird dieser Tag jährlich am 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, begangen. Geiger unterstrich, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus lebendig zu halten. Diese Erinnerung sei nicht nur ein Akt der Rückschau, sondern eine dringende Aufforderung zur Reflexion, insbesondere angesichts erschreckender Umfrageergebnisse, die aufzeigen, dass ein erheblicher Teil der jungen Erwachsenen in Deutschland wenig, bis gar keine Kenntnisse über den Holocaust hat.
"Es ist unsere Pflicht, dieses Wissen zu bewahren und weiterzugeben", betonte Geiger. Nur so könne verhindert werden, dass sich derartige Gräueltaten wiederholten. Antisemitismus sei nicht nur ein Angriff auf Jüdinnen und Juden, sondern auf die gesamte Freiheitlich Demokratische Grundordnung, die unsere Gesellschaft zusammenhält.
Der Akademieabend wurde in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Fulda e.V. organisiert. Marliese Heiligenthal, 2. Vorsitzende der Gesellschaft, stellte zu Beginn das Kabarett Radau vor, das aus den Künstlern Eckhard Radau und Bernd Düring besteht. Diese führten die Besucher durch eine musikalische Zeitreise in die Zwanziger und Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts, indem sie Löhners Schaffen und Leben in ihrer Revue "Dein ist mein ganzes Herz" darstellten.
Die beiden Künstler präsentierten die bekanntesten Schlager und Operettenmelodien von Fritz Löhner-Beda, die die Zuhörer begeisterten: "Oh, Donna Clara", "Ausgerechnet Bananen", "Du schwarzer Zigeuner", "Es geht die Lou lila", "In der Bar zum Krokodil" und "My golden baby" – diese Ohrwürmer waren allgegenwärtig in der deutschen Unterhaltungsmusik dieser Zeit. Doch neben den eingängigen Melodien erzählten Radau und Düring auch die dramatische Lebensgeschichte des Künstlers. Vom Aufstieg Löhners vom Kabarettautor zum gefeierten Schlagertexter bis zu seiner Verhaftung als österreichischer Jude im Jahr 1938, die ihn in die Konzentrationslager führte, war es eine Erzählung, die das Publikum mitfühlen und -denken ließ. Fritz Löhner-Beda schrieb selbst in den Konzentrationslagern weiter Texte, bis er 1942 in Auschwitz ermordet wurde.
Eckhard Radau und Bernd Düring verbanden in ihrem Programm auf einzigartige Weise Poesie, Musik und Kabarett, um das Leben dieses außergewöhnlichen Menschen und Künstlers zu würdigen und die Erinnerung an das dunkle Kapitel der Geschichte wach zu halten.
Der Abend war ein gelungener Beitrag zum Gedenken an die Opfer des Holocausts und zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bewahren – nicht nur als Teil der Geschichte, sondern als ein Thema, das auch in der Gegenwart und Zukunft relevant bleibt. (pm/ci)+++