Ukraine - Journalists in War Zones
Ausstellungseröffnung in der Katholischen Akademie Fulda
Alle Fotos: Martin Engel
17.01.2025 / FULDA -
"Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Bilder vom Krieg nur sehen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Bilder nicht hören, nicht fühlen, nicht atmen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht wissen, was Krieg ist. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nie wissen, was Krieg ist." Mehr Worte der ukrainischen Exil-Journalistin Oksana Meleshchenko brauchte es nicht, um die Realität, in der ihr Heimatland, in der ihre Landsleute seit dem 24. Februar 2022 leben, zu schildern. Eine Realität, die wir uns nicht einmal vorstellen können.
Berichte von der Front
Wissen wir wirklich, unter welchen Umständen Journalisten in Kriegsgebieten ihrem Beruf nachgehen, wenn wir morgens über Brötchen und Kaffee die Zeitung aufschlagen oder durch Nachrichtenportale surfen? Wir sitzen zuhause, es ist geheizt, gemütlich und friedlich, wir sind satt und es geht uns gut. Wir leben unser Leben, und niemand stört uns dabei – schon gar nicht Bombenalarme und Luftangriffe. So gut wie nie machen wir uns klar, was die Berichterstattung aus Kriegs- und Krisengebieten bedeutet.Berichterstattung aus Kriegsgebieten
Wenn Journalisten aus Kriegsgebieten berichten, haben sie mit mannigfaltigen Herausforderungen zu tun. Sie begeben sich oft genug in Lebensgefahr, sie müssen mit Desinformation, Propaganda, vielen Sicherheitsrisiken, physischen Zumutungen und großem Leid zurechtkommen. Die 28 großformatigen Fotos geben berührende, erschütternde und beeindruckende Einblicke in ihre Arbeit. Es sind Fotografien von vielfach ausgezeichneten ukrainischen Fotografen, wie zum Beispiel das Foto Evgeniy Maloletkas, das von World Press zum Weltpressefoto des Jahres 2023 gewählt wurde. Es entstand nach dem Angriff auf die Geburtsklinik in Mariupol. Darauf zu sehen die schwer verletzte schwangere Iryna Kalinina, sie starb kurz nachdem sie ihren Sohn tot zur Welt brachte.Innehalten für die, die ihr Leben riskieren
In seiner Begrüßung schilderte Gunter Geiger, der Leiter der Katholischen Akademie, warum und wie es überhaupt möglich wurde, die Ausstellung nach Fulda zu holen. Das verdankt sich dem Einsatz des DJV (Deutscher Journalistenverband Hessen) sowie der GSP (Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. Sektion Hessen). Für die GSP waren der Fuldaer Sektionschef Michael Schwab und sein Stellvertreter Michael Blum anwesend, für den DJV der hessische Landesvorsitzende Knud Zilian sowie Beisitzer Jens Brehl. "Ich hätte mir zwei Dinge niemals vorstellen können", so Zilian in seinem Grußwort, "die deutsche Wiedervereinigung und dass es jemals wieder Krieg in Europa gibt. Und doch ist beides Realität geworden." Der Krieg in der Ukraine sei ein Krieg gegen die Menschen dort. Für Journalisten sei es wichtig, aufzupassen, wie sie berichteten. Die normalerweise geforderte Objektivität und Überprüfung der Quellen sei oft gar nicht zu leisten, oft könne man nur Eindrücke wiedergeben.Es gibt für uns keine sicheren Orte
Michael Schwab schilderte die Arbeitsbedingungen, unter denen in der Ukraine Berichterstattung möglich ist – oder eben kaum möglich ist. In Deutschland hätten wir trotz der Fülle an Nachrichten und Bildern oft nicht auf dem Schirm, wie viele Opfer es auch unter den Journalisten gäbe. Bis Oktober 2024 seien 102 Journalisten ums Leben gekommen. Das letzte Opfer sei die 28-jährige Victoria Rohchina gewesen, die in russischer Gefangenschaft gestorben sei.Wir wünschen uns ein normales Leben
In seinem Gespräch mit Oksana Meleshchenko ging es um die Frage, was Ukrainer beim Stichwort "Frieden" denken, welche Rolle Europa spiele oder wie die aktuelle Lage in Cherson sei. Die ukrainische Journalistin, die mit ihrer 16-jährigen Tochter von Cherson nach Berlin geflohen war, antwortete sehr ehrlich und sehr geerdet: "Wir wollen wieder ein normales Leben führen." Und meinte damit einfach wieder in einen Supermarkt gehen und einkaufen oder ein normaler Schulbetrieb. Auch wenn die Russen nicht mehr in Cherson seinen, gäbe es täglich Drohnenangriffe, auch Scharfschützen seien eine Gefahr. Sie sprach dankbar von der Hilfe, die aus Europa und gerade auch aus Deutschland käme und fasste in einem Satz die historische Dimension der deutsch-ukrainischen Geschichte zusammen: "In der Ukraine habe ich viel über den Zweiten Weltkrieg gearbeitet und Videos über Frauen gemacht, die damals in Berlin waren. Und jetzt sind wir wieder hier." Damals als Zwangsarbeiterinnen, heute als Flüchtlinge. Gehen Sie in die Ausstellung, es lohnt sich – bis zum 28. Februar haben Sie Gelegenheit dazu. (Jutta Hamberger) +++