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Ukraine - Journalists in War Zones

Ausstellungseröffnung in der Katholischen Akademie Fulda

Ausstellungseröffnung in der Katholischen Akademie Fulda. Von links: Knud Zilian, Michael Schwab, Oksana Meleshchenko und Gunter Geiger
Alle Fotos: Martin Engel

17.01.2025 / FULDA - "Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Bilder vom Krieg nur sehen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Bilder nicht hören, nicht fühlen, nicht atmen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht wissen, was Krieg ist. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nie wissen, was Krieg ist." Mehr Worte der ukrainischen Exil-Journalistin Oksana Meleshchenko brauchte es nicht, um die Realität, in der ihr Heimatland, in der ihre Landsleute seit dem 24. Februar 2022 leben, zu schildern. Eine Realität, die wir uns nicht einmal vorstellen können.


Berichte von der Front

Wissen wir wirklich, unter welchen Umständen Journalisten in Kriegsgebieten ihrem Beruf nachgehen, wenn wir morgens über Brötchen und Kaffee die Zeitung aufschlagen oder durch Nachrichtenportale surfen? Wir sitzen zuhause, es ist geheizt, gemütlich und friedlich, wir sind satt und es geht uns gut. Wir leben unser Leben, und niemand stört uns dabei – schon gar nicht Bombenalarme und Luftangriffe. So gut wie nie machen wir uns klar, was die Berichterstattung aus Kriegs- und Krisengebieten bedeutet.

Umso wertvoller und wichtiger ist diese vom nationalen ukrainischen Journalistenverband kuratierte Ausstellung, die zuvor nur in drei anderen deutschen Städten zu sehen war. "Jeden Tag riskieren Journalisten in der Ukraine ihr Leben, um die Wahrheit über diesen Krieg zu erzählen. Sie sehen ihre Mission darin, Augen und Stimme der Wahrheit in diesem verheerenden Krieg zu sein", so Sergiy Tomilenko, der Vorsitzende der NUJU (National Union of Journalists of Ukraine).

Berichterstattung aus Kriegsgebieten

Wenn Journalisten aus Kriegsgebieten berichten, haben sie mit mannigfaltigen Herausforderungen zu tun. Sie begeben sich oft genug in Lebensgefahr, sie müssen mit Desinformation, Propaganda, vielen Sicherheitsrisiken, physischen Zumutungen und großem Leid zurechtkommen. Die 28 großformatigen Fotos geben berührende, erschütternde und beeindruckende Einblicke in ihre Arbeit. Es sind Fotografien von vielfach ausgezeichneten ukrainischen Fotografen, wie zum Beispiel das Foto Evgeniy Maloletkas, das von World Press zum Weltpressefoto des Jahres 2023 gewählt wurde. Es entstand nach dem Angriff auf die Geburtsklinik in Mariupol. Darauf zu sehen die schwer verletzte schwangere Iryna Kalinina, sie starb kurz nachdem sie ihren Sohn tot zur Welt brachte.

Gerade wenn man vor diesem Bild steht, das die Auslöschung von zwei Leben zeigt, statt den Anfang eines neuen Lebens, ist einfach nur unfassbar, dass viele Menschen die grausame Wahrheit des Ukraine-Kriegs verleugnen und ignorieren, dass die Ukrainer um ihr Land, ihre Identität, ihre Kultur, ihre Nation und ihre Freiheit kämpfen. Ach ja: Würde unser Noch-Bundeskanzler diese Fotos sehen und sich ihnen öffnen, hätte er die zusätzlichen Milliarden für die Ukraine vielleicht doch freigegeben.

Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte – von Freude und Leid, von Verzweiflung und Mut, von Tod und Leben, von Abschied und Wiedersehen, von Hoffnung und Widerstand. Die Bilder zeigen, was Menschen einander antun können – im Guten wie im Schlechten. Das gilt auch für das Titelbild der Ausstellung – Serhii Nuzhnenko fotografiert darauf die zerfetzte ukrainische Flagge auf einem von Russen geschändeten Soldatenfriedhof.

Innehalten für die, die ihr Leben riskieren

In seiner Begrüßung schilderte Gunter Geiger, der Leiter der Katholischen Akademie, warum und wie es überhaupt möglich wurde, die Ausstellung nach Fulda zu holen. Das verdankt sich dem Einsatz des DJV (Deutscher Journalistenverband Hessen) sowie der GSP (Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. Sektion Hessen). Für die GSP waren der Fuldaer Sektionschef Michael Schwab und sein Stellvertreter Michael Blum anwesend, für den DJV der hessische Landesvorsitzende Knud Zilian sowie Beisitzer Jens Brehl. "Ich hätte mir zwei Dinge niemals vorstellen können", so Zilian in seinem Grußwort, "die deutsche Wiedervereinigung und dass es jemals wieder Krieg in Europa gibt. Und doch ist beides Realität geworden." Der Krieg in der Ukraine sei ein Krieg gegen die Menschen dort. Für Journalisten sei es wichtig, aufzupassen, wie sie berichteten. Die normalerweise geforderte Objektivität und Überprüfung der Quellen sei oft gar nicht zu leisten, oft könne man nur Eindrücke wiedergeben.

Es gibt für uns keine sicheren Orte

Michael Schwab schilderte die Arbeitsbedingungen, unter denen in der Ukraine Berichterstattung möglich ist – oder eben kaum möglich ist. In Deutschland hätten wir trotz der Fülle an Nachrichten und Bildern oft nicht auf dem Schirm, wie viele Opfer es auch unter den Journalisten gäbe. Bis Oktober 2024 seien 102 Journalisten ums Leben gekommen. Das letzte Opfer sei die 28-jährige Victoria Rohchina gewesen, die in russischer Gefangenschaft gestorben sei.

Etwa 40 Prozent der ukrainischen Medienunternehmen hätten seit der Invasion ihre Arbeit aufgegeben, 20% der Medienschaffenden seien innerhalb der Ukraine evakuiert worden und mussten ihren Beruf aufgeben. Es gäbe derzeit 32 Lokalzeitungen, die die Menschen an der Front mit Nachrichten versorgten. Gedruckt würden sie im Hinterland und dann oft mehrere hundert Kilometer weit und unter Lebensgefahr an die Front gebracht. Vielen Journalisten fehle es am nötigsten Handwerkszeug – Laptops, Chips, Kameras etc. "Lasst die Ukraine nicht aus euren Zeitungskolumnen, Reportagen und Nachrichten-Feeds verschwinden", zitierte Schwab Sergiy Tomilenko.

Wir wünschen uns ein normales Leben

In seinem Gespräch mit Oksana Meleshchenko ging es um die Frage, was Ukrainer beim Stichwort "Frieden" denken, welche Rolle Europa spiele oder wie die aktuelle Lage in Cherson sei. Die ukrainische Journalistin, die mit ihrer 16-jährigen Tochter von Cherson nach Berlin geflohen war, antwortete sehr ehrlich und sehr geerdet: "Wir wollen wieder ein normales Leben führen." Und meinte damit einfach wieder in einen Supermarkt gehen und einkaufen oder ein normaler Schulbetrieb. Auch wenn die Russen nicht mehr in Cherson seinen, gäbe es täglich Drohnenangriffe, auch Scharfschützen seien eine Gefahr. Sie sprach dankbar von der Hilfe, die aus Europa und gerade auch aus Deutschland käme und fasste in einem Satz die historische Dimension der deutsch-ukrainischen Geschichte zusammen: "In der Ukraine habe ich viel über den Zweiten Weltkrieg gearbeitet und Videos über Frauen gemacht, die damals in Berlin waren. Und jetzt sind wir wieder hier." Damals als Zwangsarbeiterinnen, heute als Flüchtlinge. Gehen Sie in die Ausstellung, es lohnt sich – bis zum 28. Februar haben Sie Gelegenheit dazu. (Jutta Hamberger) +++

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