"Wir sind für die Gefangenen da"
Seelsorge der JVA Hünfeld: Über die Schweigepflicht und Weihnachten im Knast
Andreas Leipold und Sarah Benkner in der Knast-Kirche
Fotos: Carina Jirsch
25.12.2024 / HÜNFELD -
Rund 420 Gefangene leben derzeit in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld. Jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte. Umso wichtiger ist es, dass die Insassen in Situationen, in denen sie mit jemandem über ihre Sorgen und Nöte sprechen müssen, fachgerechte Unterstützung erhalten. Die Gefängnisseelsorge ist genau dafür da. Sarah Benkner und Andreas Leipold sind in Fulda und Hünfeld dafür zuständig. Mit OSTHESSEN|NEWS sprechen sie über ihren besonderen Beruf.
Sarah Benkner ist katholische Pastoralreferentin im Bistum Fulda und seit Februar in der Gefängnisseelsorge in der Region tätig. Zuvor war sie in der JVA in Kassel. Andreas Leipold ist evangelischer Pfarrer und seit 2005, als die JVA gebaut wurde, in Hünfeld. Beide haben sich bewusst für den Seelsorge-Beruf im Gefängnis entschieden. "Für mich ist es eine Herzensangelegenheit und ein Privileg", sagt Benkner. Ihr Kollege Leipold ergänzt: "Jeder Tag hier ist anders."
Ihre Aufgaben in der JVA sind vielfältig. Dabei stehen sie sowohl den Inhaftierten als auch den Bediensteten mit Rat und Tat zur Seite. Der Schwerpunkt liegt aber auf Gesprächen mit den Gefangenen und die Planung und Durchführung von Gottesdiensten. Nicht verwunderlich ist, dass jetzt in der Weihnachtszeit der Wunsch nach Gesprächen zunimmt. "Auch die Gottesdienste sind seit November voller geworden. Weihnachten ist für die Gefangenen eine schwere Zeit", sagt Leipold. Beiden ist der menschliche Umgang mit den Inhaftierten wichtig. Deshalb betont Benkner: "Wir sind als Menschen für die Gefangenen da." Ihr Seelsorge-Kollege Leipold sagt: "Die Strafe ist der Freiheitsentzug und nicht, wie wir mit den Gefangenen umgehen. Wir wollen zeigen, dass sie dazu gehören."
Schweigepflicht steht über allem
Über allem steht bei der Seelsorge die Schweigepflicht. "Es kam schon vor, dass mir jemand etwas erzählt hat, wofür er noch nicht belangt wurde. Aber für mich persönlich ist das nicht belastend. Im Gegenteil, die Schweigepflicht ist ein hohes Gut, welches wir ihnen schenken", sagt Sarah Benkner. Eine emotionale Zeit für die Gefangenen ist Weihnachten. Hier werden deshalb mehrere Gottesdienste angeboten, die auch gerne wahrgenommen werden. Auch ein Weihnachtskonzert fand vor einigen Tagen statt.
Übrigens: An den Weihnachtsfeiertagen gibts richtig feines Essen in der JVA. An Heiligabend gibt es ganz klassisch Kartoffelsalat und Bockwürstchen. Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es halbe Hähnchen mit Reis und Salat und am zweiten Weihnachtsfeiertag Wildgulasch mit Klößen und Rotkohl. (Moritz Pappert) +++