12,4 Millionen Fälle

Deutsche Notaufnahmen melden neue Rekordzahl an Behandlungen

In diesem Jahr gibt es einen neuen Rekord an Behandlungen in den deutschen Notaufnahmen.
Symbolbilder (2): O|N/Christian P. Stadtfeld

18.12.2024 / REGION - Im Jahr 2023 wurden mehr als zwölf Millionen Patientinnen und Patienten in den bundesweit circa 1.500 Zentralen Notaufnahmen (ZNA) untersucht und behandelt. Es ist der bislang höchste Wert, den das Statistische Bundesamt in Wiesbaden seit Beginn der Erfassung im Jahr 2018 vermeldet hat. Im Jahr 2022 wurden 12,1 Millionen Fälle registriert, nun waren es 12,4 Millionen.



Diese Entwicklung macht deutlich, unter welchem Druck Notaufnahmen in Deutschland stehen. Die ZNA am Klinikum Fulda hat in diesem Jahr bereits Mitte Dezember einen Meilenstein erreicht und erstmals mehr als 50.000 Patientinnen und Patienten in einem Jahr behandelt (O|N berichtete). Im Klinikum betont man, dass man das hohe Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit der ZNA schätze, gibt allerdings auch zu bedenken, dass es eine tägliche Herausforderung darstellt, mit der Masse an Patientinnen und Patienten optimal umzugehen. Zudem ist die Finanzierung der Notaufnahmen weiterhin ein ungelöstes politisches Problem. Hoffnung bringt hier die vom Gesetzgeber verabschiedete Krankenhausstrukturreform.

Ursachen der Entwicklung sind vielfältig

Notaufnahmen sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet. Sie sind Anlaufstellen für Menschen mit schwersten Erkrankungen und Verletzungen. Ebenso kommen Menschen mit vermeintlichen Bagatellen oder chronischen Problemen. Diese Patientinnen und Patienten sind in Notaufnahmen oft nicht richtig aufgehoben. Allerdings kann man ihnen in ihrem Gesuch nach Hilfe keinen Vorwurf machen, denn das ambulante System ist ausgedünnt. Hilfesuchende warten teils monatelang auf einen Termin beim Facharzt – wenn sie überhaupt noch telefonisch durchkommen.

Zudem schließen immer mehr ambulante Notfallpraxen, und der kassenärztliche Bereitschaftsdienst ist seit vielen Jahren schlecht ausgestattet und den gestellten Aufgaben schlichtweg nicht gewachsen. Weiterhin ist die medizinische Grundversorgung mit Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern, besonders im ländlichen Raum wie dem Landkreis Fulda, stark ausgedünnt. Vielen Patientinnen und Patienten bleibt in ihrer Verzweiflung irgendwann lediglich der Gang in die ZNA.

Neue Wege müssen gefunden werden

Die von der geplatzten Ampelkoalition geplante Reform der Notfallversorgung, in deren Zentrum sogenannte "Akutleitstellen" die Steuerungsfunktion übernehmen sollen, könnte helfen, die Problematik abzumildern. Expertinnen und Experten begrüßten das Vorhaben, das vom scheidenden Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf den Weg gebracht wurde.

Allerdings ist die Regierung mit der Vertrauensfrage von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) offiziell beendet, und der weitere Weg der geplanten Reform ist ungewiss. Nun liegt es an der neuen Regierung, das Vorhaben aufzugreifen und voranzubringen – Parteipolitik darf hier keinen Platz haben. Ziel der Reform muss es sein, die Patientenströme besser zu steuern und eine definitive Diagnostik und Behandlung in der jeweiligen Versorgungsstufe zu ermöglichen. Experten zufolge ließen sich so bis zu zwei Milliarden Euro einsparen. (ab) +++

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