Historischer Schatz
Weihnachtsgeschenk für Historiker: Jestaedt-Plan restauriert und digitalisiert
Fotos: Geschichtsverein Fulda
13.12.2024 / FULDA -
Er ist ein historischer Schatz – und jetzt aufbereitet worden für die Zukunft: der sogenannte Jestaedt-Plan. Diese Katasteraufnahme, die die Stadt Fulda vor rund 300 Jahren zeigt, ist aufwendig restauriert und digitalisiert worden. Durch die Restaurierung ergeben sich auch neue Ansätze für die Heimatforschung.
Aufbewahung im Marburger Staatsarchiv
Die Stadt Fulda wollte den Plan erhalten – und hat ihn deshalb durch eine Essener Spezialfirma restaurieren lassen. Das restaurierte Exemplar wurde vor Kurzem bei einer Veranstaltung des Fuldaer Geschichtsvereins gezeigt. Das Kanzlerpalais war vollbesetzt, zahlreiche Menschen drängten sich um die Karte und machten Fotos davon. "Es hätte für uns kein schöneres Weihnachtsgeschenk geben können", freute sich Fuldas Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler. Er erklärte, warum der Plan gar nicht in der Barockstadt, sondern im Staatsarchiv in Marburg aufbewahrt wird: "Die Fürstabtei Fulda war eine Landesherrschaft, das Kataster war also eine staatliche Unterlage. Deswegen ist es seit 1875 in Marburg." Ebenso erläuterte Heiler, woher der Plan seinen Namen hat: Der Fuldaer Vermessungsingenieur Dr. Aloys Jestaedt (1890-1976) habe den Plan 1936 kopiert, die Forschung habe seither fast ausschließlich mit der Kopie gearbeitet, da das Original in so schlechtem Zustand war.Wieso war der Plan überhaupt derart beschädigt? "Die 1,40 Meter hohe und 1,70 Meter breite Karte war in der Barockzeit Verwaltungsschriftgut, sie wurde intensiv genutzt und immer wieder gefaltet und geknickt", antwortete Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß, Leiter des Staatsarchivs Marburg. Vermutlich sei der Plan schon mit diesen Schäden ins Archiv gekommen. Die Instandsetzung habe fast ein halbes Jahr gedauert, mit dem Ergebnis könne man aber sehr zufrieden sein.
Öffentliche Nutzung durch Digitalisierung möglich
Niklas Alt und Philipp Peter vom HIL stellten anschließend vor, wie die Karte digitalisiert wurde und nun öffentlich genutzt werden kann. Der Jestaedt-Plan ist in das sogenannte Urkataster+ des Instituts integriert worden. Darin lassen sich die Stadtpläne Fuldas von 1727, 1840, 1937 und heute übereinanderlegen und vergleichen. Somit könne man Wandel, den eine Stadt durch die Jahrhunderte durchmacht, erfahrbar machen. Das Urkataster ist auf der Homepage des HIL unter www.lagis-hessen.de/maps/urkataster-plus/ einsehbar. Zudem sei ein digitales Gebäudebuch der Stadt Fulda in Planung. Durch die Restaurierung der Karte ergäben sich auch neue Ansätze für die Forschung, erklärten die Experten. Denn durch die Instandsetzung sind zum Beispiel Hausnummern und Grundstücksgrenzen, die Aloys Jestaedt aufgrund der Beschädigungen nicht kennen konnte, deutlicher geworden. Und: Auf der Rückseite des Plans sind Zeichnungen von Gebäuden entdeckt worden, bei denen noch nicht klar ist, um welche es sich handelt. Der restaurierte Jestaedt-Plan ist nun wieder zurück im Staatsarchiv Marburg, wo er die nächsten Jahrhunderte sicher aufbewahrt werden kann. Dank der Digitalisierung ist er aber jederzeit für jeden öffentlich zugänglich. (pm/cdg) +++